Einmal im Monat in extravaganter Location: The Souly Bird, die Simme von Lichterfelde, im Knast. | Grafik: Franziska Jebens

 

Glanz und Glamour im Knast – einmal im Monat erfüllt „die Stimme von Lichterfelde“ die Bar „The Knast“ in der Söhtstraße.

Ein Porträt von Ulrike Meyer

Mit ihrem lässig-eleganten Auftritt verzückt die Berliner Sängerin „The Souly Bird“ ihr Publikum nun schon zum wiederholten Male und entführt es in einen Abend von hedonistischer Leichtigkeit, weit weg von der problematischen Weltlage.

Im Kuppelsaal des historischen Lichterfelder Frauengefängnis beginnt Souly`s Reise durch ihre poetische Liederwelt bezeichnenderweise mit ihrem Song „Panther“. Es ist eine ihrer ersten Kompositionen, inspiriert von Rainer Marias Rilkes Gedicht, in dem ein hinter Gitterstäben gefangener Panther beschrieben wird. Mit sanftem, aber eindringlichem Klang gibt die Künstlerin dem gefangenen Tier ihre Stimme und lässt so die Qualen seiner Gefangenschaft lebendig werden.

In tiefen Clubsesseln lauscht gebannt das Publikum und so einige von ihnen werden sich fragen, wer ist denn diese Sängerin, die allmonatlich in The Knast Bar, eine der angesagtesten Institutionen in Lichterfelde, auftritt.

 

The Souly Bird in der  Residenz des deutschen Botschafters in Accra, Oktober 2024 | Foto: Franziska Jebens

 

Hinter dem Künstlernamen The Souly Bird verbirgt sich die Juristin, Künstlerin und Weltenbürgerin Franziska Jebens. Für sie ist die Vielfalt der Kulturen ein unerschöpflicher, gesellschaftlicher Reichtum, besonders auch in der Kunst, in der Musik. Bereits als Kind hat die in Ost-Berlin geborene Juristin und Künstlerin vier Jahre auf dem afrikanischen Kontinent gelebt, genauer in Luanda, der Hauptstadt Angolas.

Diese Zeit, in der ihre Liebe zu fremden Kulturen und ihr Verständnis für ihre Menschen wurzeln, hat sie geprägt, vor allem aber ihre Faszination zur afrikanischen Musik geweckt. In Luanda waren es die schnellen, trommelnden Rhythmen des afrikanischen Samba, die der allabendlichen Atmosphäre ihr einzigartiges Kolorit verliehen haben und die für Souly bis heute unvergesslich sind.

Von da an hatte sie quasi Afrika „im Blut“ und vermisste den Kontinent bei all ihren weiteren Lebensetappen schmerzlich: Als Schülerin während der Nachwendezeit in Berlin, als Jurastudentin in Paris und Potsdam, als Staatsanwältin in Hamburg und schließlich als politische Referentin in der Bundesregierung, passenderweise im Entwicklungshilferessort. Und so wundert es nicht, dass die Volljuristin Franziska Jebens ihren Träumen folgend, die Robe endgültig ablegte und sich in den diplomatischen Dienst ins französischsprachige Benin entsenden ließ. Ihr letzter Einsatz auf dem afrikanischen Kontinent, diesmal in Accra (der Hauptstadt Ghanas) endete erst im Sommer 2025, sie hat damit zehn Jahre in Afrika verbracht. Nun ist sie dauerhaft zurück in Berlin-Lichterfelde, ihrer neuen Heimat.

 

The Souly Bird mit Abiana im Dezember 2024 in der Plus233 Jazzbar, Accra | Foto: Franziska Jebens

 

Ghana war für Franziska Jebens jedoch nicht nur beruflich eine herausragende Station. Hier wurde ihr zweiter langgehegter Traum wahr; Franziska Jebens begann in ihrer Freizeit ihre Verwandlung zu The Souly Bird. Die westafrikanische vibrierende Musikszene war für sie derart inspirierend, dass eine andere Facette ihrer Persönlichkeit, die lange Zeit in ihr schlummern musste, wieder zum Leben erweckt wurde:

In Ghana fand sie die richtigen Menschen, die sie ermutigten, ihrer wunderschönen Stimme wieder mehr Raum zu geben und auf die Bühne zu streben, eigene Lieder zu komponieren, zu texten und mehrere Alben aufzunehmen. Nach nur vier Jahren intensiver Arbeit – stets abends und am Wochenende – hat sie unzählige Bühnenshows und viele eigene sowie gemeinsame Songs mit den größten ghanaischen Sängern vorzuweisen, u.a. Kofi Kinnata, Okyeame Kwame, Josh Blakk, Ayisi und Abochi. Der Spagat zwischen ihrem alles andere als „9 to 5“ Entwicklungshilfejob und ihrer Leidenschaft fiel ihr dabei nicht schwer, da sie für beides brannte und beide Seiten ihres Alltags ihr im wahrsten Sinne des Wortes „beflügelnde“ Energie gaben.

Doch jeder diplomatische Posten endet turnusgemäß nach wenigen Jahren und so ging es für The Souly Bird letztes Jahr zurück nach Berlin. Im Koffer der Traum vom „Weitermachen mit der Musik“.

Der Abschied von Ghana ist ihr nicht leichtgefallen. Davon und von ihrer Liebe zu dieser ihrer zweiten Heimat erzählt ihre musikalische Hommage an Ghana, eine Eigenkomposition mit dem Titel „Grateful“. Auch in ihrem Lied „Abschied“ heißt es beschwörend „Gehen, bleib nicht stehen, dreh dich nicht um, Abschied ist leise, frag nicht warum“.

Zurück in Berlin erobert sie sich sehr schnell die erste Bühne. Mit einem ihrer ghanaischen Musikpartner, dem Ausnahmetalent Josh Blakk, tritt Souly Bird im September 2025 nicht zum ersten Mal in Berlin auf. Schon 2023 und 2024 gab Souly Bird während kurzer Deutschlandtrips je ein Konzert in Hamburg und Berlin, um ihr deutschsprachiges Publikum „anzutesten“, wie sie heute sagt.

In Lichterfelde eröffnen Souly und Josh mit packenden Rhythmen das Demokratiefest von „Lichterfelde Weltoffen“, einer parteiunabhängigen Initiative, die sich für eine vielfältige, offene und demokratische Gesellschaft einsetzt. Und es ist genau diese Weltoffenheit, die The Souly Bird an Lichterfelde so sehr gefällt, hier fühlt sie sich mit ihrer Familie und ihrem internationalen Freundeskreis willkommen.

 

The Souly Bird mit Josh Blakk beim Demokratiefest von Lichterfelde Weltoffen 2025 | Foto: Simon Blieske

 

Souly Bird erobert nach und nach weitere Bühnen, es folgten Auftritte im Club Goerzwerk, im Alten Kiosk, in der Petruskirche, auf dem Weihnachtsmarkt „to go“ und im Kulturhaus Schöneberg. Musikalisch begleitet wird die Künstlerin durch den ebenfalls in Berlin geborenen Gitarristen Jo. Mit seinen leidenschaftlich-professionellen Gitarrensoli beweist er nicht nur seine ungebremste Begeisterung für die Musik, sondern gibt dem Auftritt der Beiden auch eine besondere Dynamik.

 

The Souly Bird mit ihrem Gitarristen Jo | Foto: Franziska Jebens

 

Mit ihrer charmanten, authentischen Ausstrahlung und ihren persönlichen Songs, von denen so mancher seinen Ursprung in Afrika hat und die aus ihrer Feder stammen, gelingt es The Souly Bird, zum Publikum eine enge, emotionale Verbindung aufzubauen und dichte Atmosphäre zu schaffen.

Inspirieren lässt sie sich in ihrem Programm auch von ihren weiblichen Idolen, z.B. Anna R. (Rosenstolz), Hildegard Knef oder Edith Piaf. Die kraftvollen, eruptiven Worte Knefs „Ich will / Will alles / Oder nichts“ gelten auch für The Souly Bird, daran besteht nach dem Abend mit ihr kein Zweifel. Sie will weiterfliegen, sich weiterentwickeln, sich noch weiteren Herausforderung als Sängerin stellen, sich künftig einen Namen als Chansonette machen – und vor allem will sie trotz aller Professionalität ihrer Auftritte vor allem die Liebe zur Musik mit großer Leichtigkeit leben, sie soll ihr Hobby bleiben, ihre Leidenschaft.

Auch ihre Liebe zu ihrer neuen Heimat Lichterfelde feiert sie mit einem besonderen Lied, einer selbst komponierten Hymne auf Lichterfelde:

“Lichterfelde – wir leben gemeinsam hier, zwischen Fliegeberg, Villen und Teltowkanal, sind wir hier sehr glücklich, es ist ganz banal“.

 So schlicht und eingängig kommt der Refrain daher, die Strophen beschreiben ihren Kiez: geschichtsträchtig, beschaulich, lebenswert.

Mit diesem Lied möchte sie sich einen Namen machen als „die Stimme von Lichterfelde“. Und auch der Name „The Souly Bird“ macht einmal mehr Sinn, wenn man nicht nur die Dimension der Freiheit, des Abschieds und der Heimkehr begreift, sondern auch die stete Sehnsucht nach der Ferne spürt. Man kann förmlich hören, fühlen und spüren, wie hier eine starke Persönlichkeit ihren Traum lebt und die Menschen auf ihre Reise mitnimmt. 

Ulrike Meyer

Alle Lieder und Alben von Souly Bird sind auf den gängigen Musikplattformen zu finden.

Tickets zu den Auftritten von Souly Bird in The Knast Bar unter: https://www.eventbrite.de

 

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