
Traditionelle Musik bei den muslimischen Kulturwochen, zum Beispiel mit diesem indonesischen Instrument aus Bambus, einem Angklung. | Foto: MKW
Ein wichtiger Teil der Veranstaltungen der diesjährigen Muslimischen Kulturwoche (19.9. bis 5.10.) findet im Forschungscampus Dahlem statt.
Ein Gastbeitrag der Muslimischen Kulturwoche
In Berlin leben über 400.000 Bürgerinnen und Bürger mit muslimischem Glauben. Die Kulturwoche präsentiert ein abwechslungsreiches Programm mit Ausstellungen, Konzerten, Lesungen, Vorträgen und Kunstworkshops. Ziel ist es, Menschen aller Hintergründe zusammenzubringen, den Dialog zu vertiefen und zu einer offenen, respektvollen Gesellschaft beizutragen.
Die diesjährige 5. Muslimische Kulturwoche vom 19. September bis 5. Oktober lädt alle Berlinerinnen und Berliner ein, die vielfältige Kultur der muslimischen Gemeinschaften zu entdecken und den interkulturellen Dialog zu fördern.
Zu den bedeutendsten Events gehört die mehrwöchige Ausstellung des renommierten chinesischen Kalligrafen Hajji Noor Deen. Hier begegnen sich zwei bedeutende Traditionen: die islamische Kalligrafie und die chinesische Schriftkunst. Haji Noor Deen verbindet klassische arabische Schrift mit der Ästhetik chinesischer Kalligrafie. Seine Werke verschmelzen Spiritualität, Ästhetik und jahrhundertealte Traditionen zu einer faszinierenden visuellen Sprache. Die spirituelle Tiefe der Werke berührt die Seele des Betrachters. Jedes Kunstwerk ist Ausdruck von Harmonie und Respekt. Islam meets China lädt ein zu einer Entdeckungsreise zwischen Religion und Kultur, zwischen Ost und West – ein stiller Dialog in Tinte und Pinsel. Die Ausstellung wird während der Muslimischen Kulturwoche eröffnet und wird mehrere Wochen in Berlin zu sehen sein. Die Ausstellungseröffnung findet statt am 26. September um 18:00 Uhr im Forschungscampus Dahlem in der Lansstraße 8, 14195 Berlin. Anmeldung ist erwünscht: info@mkw-berlin.de
Im Forschungscampus Dahlem wird auch die diesjährige Fokus-Buchmesse stattfinden, wo verschiedene Buchlesungen, auch für Kinder, rund um den Islam stattfinden werden. Mit dabei ist unter anderem Dr. Gerdien Jonker mit ihrem Buch „Etwas hoffen muss das Herz”, in dem sie die Geschichte der Oettingers anhand ihres staunenswerten Nachlasses – einer Sammlung von Erinnerungsstücken, Dokumenten und Fotos aus fast zwei Jahrhunderten, erzählt. Um 1900 begeisterten sich viele Deutsche für östliche Philosophien und Glaubensgemeinschaften. Auch die jüdisch- preußische Familie Oettinger fühlte sich von dieser religiösen Individualisierung angezogen. Die Lesung findet statt am 27. September, um 13:00 Uhr, im Forschungcampus Dahlem, Lansstraße 8, 14195 Berlin. Anmeldung ist erwünscht: info@mkw-berlin.de
Weitere Lesungen sind die englischsprachige Lesung des Buches „Finding God” mit Dr. Claudia Seise, am 27. September um 15:00 Uhr, der Kinderbuchlesung „Komm’ wir gehen zur Moschee” mit Layla Kamil Abdulsalam, am 28. September um 11:00 Uhr und einem Programm für Kinder unter dem Titel „Erzähl’ mir von Dir“ mit Vanessa Tanriverdi vom Dattelbeere Verlag, am 28. September um 13:00 Uhr. Ein ganz besonderer Buchvortrag ist „Yanar, der Uigure” mit Ingrid Widiarto, am 28. September um 15:00 Uhr.
Am Tag der Deutschen Einheit, dem 3. Oktober, an dem seit fast 20 Jahren auch Moscheen in Deutschland ihre Türen für Besucherinnen und Besucher öffnen, findet in der Muthesiusstraße 34, in Steglitz, eine weitere interessante Veranstaltung im Walisongo Kulturzentrum statt. Schon letztes Jahr fand dort ein indonesischer Nachmittag statt, mit Vortrag, Kulturperformance und vielen leckeren Spezialitäten aus der indonesischen Küche. Dieses Jahr wird die Südostasienwissenschaftlerin Dr. Claudia Seise während des Indonesischen vormittags einen Vortrag zu traditioneller indonesischer Moscheearchitektur halten. Eine kulturelle Performance und leckere indonesische Snacks warten auf Sie. Alle sind herzlich willkommen!
Informationen zur Muslimischen Kulturwoche mit allen Veranstaltungen in verschiedenen Berliner Stadtteilen: www.mkw-berlin.de.
Kontakt und Anmeldung: info@mkw-berlin.de.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (