
Farbe bekennen: Am Donnerstagvormittag hissten die Frauenbeauftragte Hildegard Josten (Zweite von links) zusammen mit ihren Mitstreiterinnen die Flagge zum Equal Pay Day vor dem Rathaus Zehlendorf. Foto: Gogol
Eine rote Fahne wehte am Donnerstag vor dem Rathaus Zehlendorf – sie sollte darauf aufmerksam machen, dass Frauen in Deutschland noch immer weniger verdienen als Männer – derzeit 22 Prozent. Und so war der Donnerstag Equal Pay Day – der Tag, an dem Frauen so viel verdient hatten wie Männer im vergangenen Jahr bis zum 31. Dezember. „Ein Skandal“ findet die Frauenbeauftragte des Bezirks Steglitz-Zehlendorf, die zusammen mit weiteren Mitstreitern um 11 Uhr die Flagge hisste.
In den vergangenen fünf Jahren hätte sich der Durchschnittsverdienst um nur ein Prozent dem der Männer angeglichen. Das heißt: Nur noch 100 Jahre, dann verdienen Frauen in Deutschland genauso viel wie ihre männlichen Kollegen. „Das dauert uns zu lange“, so Josten, die anschließend mit Mitarbeiterinnen der Mädchenförderung, der Frauenvertreterin und weiteren Mitarbeiterinnen des Bezirksamtes ein Skandall-Extrablatt zum Equal Pay Day verteilten.
„Deutschland liegt auf dem siebtletzten Platz in Europa“, erklärte Josten hinsichtlich der gleichen Bezahlung von Männern und Frauen. Die Gründe für das Ungleichgewicht seien vielfältig. Zum einen leisteten zumeist Frauen die Familienarbeit. So würden 30 Prozent der Frauen mit Kindern unter drei Jahren wieder arbeiten – bei Männern seien dies 85 Prozent. Die verkürzte Lebensarbeitszeit führe dann auch zu einer geringen Rente. Zum anderen liege die Ungerechtigkeit in der unterschiedlichen Bezahlung von Berufen. Es könne doch nicht sein, dass ein Gabelstapler-Fahrer mehr verdiene als eine Pflegerin im Altenheim, so die Frauenbeauftragte. Doch sie ist sich sicher: Die Gleichbezahlung wird kommen – „wir sind auf dem Weg“. Bis dahin allerdings können Frauen das Loch, das im Portmonee klafft wenigstens am 21. März ein wenig verkleinern. Verschieden Läden auch in Steglitz-Zehlendorf gewähren Frauen an diesem Tag einen Rabatt von 22 Prozent. Zu finden sind die Geschäfte unter www.22-prozent.de.
(go)










Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (
Da alimentieren wir als Steuerzahler eine „Frauenbeauftragte“ im Bezirk, die nichts besseres zu tun hat, als das Märchen der ungleich bezahlten Frauen auch noch öf-fentlich zu verkünden. Ich kenne nicht einen einzigen Tarifvertrag in Deutschland, der Unterschiede bei den Tarifgehältern zwischen Männern und Frauen macht. Und wa-rum ein Gabelstaplerfahrer mehr verdient als eine Altenpflegerin hat nichts mit der Ungleichbehandlung von Männern und Frauen zu tun, denn ein Altenpfleger verdient eben auch weniger als eine Gabelstaplerfahrerin!
Schon mal darüber nachgedacht, woran das wohl liegen könnte? Eventuell am ge-werkschaftlichen Organisationsgrad? Eventuell an der mangelnden Solidarität von Frauen untereinander? Männer kämpfen seit Jahrhunderten GEMEINSAM für ihre Sache, Frauen bekämpfen sich untereiander, weil sie offensichtlich nicht sehen wol-len oder können, wo der Gegner ist.
Die Lösung für bessere Bezahlung in den „frauentypischen“ Berufen: Organisieren, Kämpfen, Streiken!