
Bischof a.D. Wolfgang Huber gratulierte der Gemeinde zu dem kühnen Projekt, zwei Orgeln zu bauen. Foto: Gogol
„Himmel und Erde berühren sich“ – so empfand es Bischof a.D. Wolfgang Huber, als er zum ersten Mal die zwei neuen Orgeln in der Zehlendorfer Pauluskirche spielen hörte. Am Sonntag wurden sie mit einem Festgottesdienst, bei dem Huber die Predigt hielt, eingeweiht. Die Gemeindeglieder und Gäste waren zahlreich in die Kirche geströmt, auch die zu den Bänken gestellten Stühle reichten nicht aus, um allen einen Sitzplatz zu bieten.
„Ein Fenster dem ewigen Licht“, zitierte der Bischof a.D. ein Gedicht Marie Luise Kaschnitz‘ – das sei die Rosette, über dem Hauptportal, die durch den Neubau der Schuke-Orgel nun endlich wieder zu sehen sei. Diese Orgel, die der Gemeinde verlässlich im Rücken und stärkend hinter ihr stehe.
Es sei ein kühner Entschluss gewesen, so Huber, zwei Orgeln zu bauen. Doch die Initiatoren hätten sich nicht entmutigen lassen und nun stünden die Instrumente da als Zeichen für diese Kirche und als leuchtendes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement. „Furcht war nicht der Ratgeber der vergangenen Jahre“, lobte Huber, der die Orgeln an diesem Tag nicht nur „einweihen“ sondern auch „weihen“ wollte, auf dass sie dem Lob Gottes und der Gemeinde dienen.
Musik, so Huber weiter in seiner Predigt, sei Ausdruck von Gottes Liebe und Ausdruck der Freude. Musik „öffnet den Blick für den weiten Himmel Gottes und für die Mitmenschen“. Musik wecke Freude, rühre zu Tränen, lade ein zum Tanzen – „Musik macht das Evangelium hörbar.“ Und so wünschte er der Gemeinde, dass die Klangwelt beider Orgeln ihnen die Vielfalt der Stimme Gottes gewahr werden lasse – sowohl in den Gottesdiensten als auch in Konzerten.
Helmut Oppel, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates der Paulus-Kirchengemeinde, bedankte sich zunächst beim Orgelbauverein, der die Orgeln fast komplett selbst finanziert habe. Nicht einmal vier Prozent der Kosten von rund 1,5 Millionen seien aus Kirchensteuern finanziert worden, betonte Pfarrer Andreas Schiel. Und die habe man für bauliche Maßnahmen in der Kirche genutzt. Der Orgelbau selbst sei ausschließlich durch Spenden finanziert worden. Besonders lang dauerte der Applaus, als Oppel Kantor Cornelius Häußermann dankte, dessen „Engagement weit über die Aufgaben eines Kantors hinaus“ gehe.
Bereits im Gottesdienst konnten sich die Zuhörer einen ersten Eindruck vom Klang der Bach- und der französisch-symphonischen Orgel machen. Anschließend lud die Kirchengemeinde zum Konzert ein. Das erste von vielen weiteren, die im Rahmen des Festprogramms zur Einweihung der Orgeln stattfinden. Auch Orgelführungen für Schulklassen und Kitas werden angeboten. Eine Übersicht über das Festprogramm gibt es unter www.paulusgemeinde-zehlendorf.de.
(go)










Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (