Förderkreis der Leo-Borchard-Musikschule Steglitz-Zehlendorf e.V.
Vorstandsvorsitzender Prof. Gernot Schulz – foerderkreis.lbms@gmail.com c/o Dr. Bojan Assenov – Schlüterstraße 55 – 10629 Berlin
Bezirksstadträtin
Cerstin Richter-Kotowski
Leiterin der Abteilung Bildung, Kultur, Sport und Bürgerdienste
Schloßstr. 37
12163 Berlin
FÖRDERKREIS
DER LEO-BORCHARD-MUSIKSCHULE STEGLITZ-ZEHLENDORF e.V.
Berlin, den 10.05.2015
Die alarmierende Situation der größten Musikschule Berlins, der Musikschule Steglitz-Zehlendorf, veranlasst uns, den Förderkreis, uns mit diesem offenen Brief an die Verantwortlichen im Bezirk, alle anderen politisch Verantwortlichen und an alle Betroffenen und Interessierten zu wenden.
Sehr geehrte Frau Bezirksstadträtin Richter-Kotowski, sehr geehrter Herr Bezirksbürgermeister Kopp,
Ihre Politik hat die Musikschule in die Lage gebracht, ihre Aufgaben nicht mehr so erfüllen zu können wie die Bürger/innen es zu Recht von ihr erwarten.
Schon seit Jahren missachten Sie die personelle Unterbesetzung der Musikschule, verwehren wichtige Funktionsstellen im Leitungsbereich, negieren das dementsprechende Ergebnis einer unabhängigen Expertenkommission, verstoßen somit gegen die Richtlinien des VdM und schlagen alle Hinweise des Deutschen Städtetages, der Senatsverwaltung für Bildung und anderer Fachgremien zur Struktur einer Musikschule in den Wind. Immer wieder hat der Förderkreis Sie auf diese Defizite hingewiesen.
Jetzt haben Sie die Situation auf existenzgefährdende Weise zugespitzt: Wegen der von Ihnen erlassenen Haushaltssperre kann die Musikschule keine neuen Schüler/innen mehr aufnehmen. Die von den Schülerstundenzahlen abhängigen Musikschullehrer – ohnehin nur dürftig honoriert – geraten in Existenznot. Ebenso katastrophal: Der Eckpfeiler der musikalischen Bildung, auf der Bühne vor Publikum aufzutreten, soll künftig wegfallen.
Viele der öffentlichen Veranstaltungen wurden gestrichen!
Die Arbeit der Musikschulen ist Basisarbeit der kulturellen Bildung!
Die große, so aktive und so erfolgreiche Musikschule Steglitz-Zehlendorf hat sich mit ihren Kooperationen mit über 30 Schulen im Bezirk, mit ihrer musikalischen Früherziehung, mit der erfolgreichen Teilnahme ihrer Schüler/innen an Wettbewerben wie „Jugend musiziert“ , mit ihren hochwertigen und gut besuchten Konzerten, mit ihren Projekten zur Inklusion sowie ihrer Begabtenförderung weit über die Grenzen des Bezirks einen Namen gemacht. Entsprechend groß ist der Andrang der Aufnahme Suchenden.
Jetzt gilt es, gegen die schleichende Demontage der Musikschularbeit durch den Bezirk und gegen die Missachtung ihres bildungspolitischen Auftrages zu mobilisieren!
Wir wenden uns an die Öffentlichkeit, insbesondere an die von dem Abbau jetzt schon betroffenen Bürger/innen und an alle, denen Bildung – auch kulturelle – ein Anliegen ist und fordern den Bezirk auf, unverzüglich Folgendes zu veranlassen:
1. Sofortige Aufhebung der Schüleraufnahmesperre und Sicherung bestehender Musikschulangebote
2. PlanungssicherheitfürdieVeranstaltungenderMusikschule
3. Zusätzliches Verwaltungspersonal und Stellenausstattung gemäß dem Bericht der Expertenkommission
4. Ein nachhaltiges Bekenntnis des Bezirks Steglitz-Zehlendorf für den Bestandserhalt und die Weiterentwicklung seiner Musikschule.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Gernot Schulz Vorstandsvorsitzender










Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (