Rugby, Baseball, Basketball – all diese Sportartenn gab es am Sonntag auf dem AlliiertenMuseum an der Clayallee zu erleben. Zu einem Spiel- und Sportfest hatte das Museum anlässlich der Ausstellung „Fair Play – Die Alliierten und der Sport“ eingeladen. Die Gelegenheit für nicht so bekannte Vereine, sich und ihren Sport zu präsentieren. So wie die Berlin Wizards. „Baseball ist eine Randsportart“, so der Vorsitzende des Baseball.- und Softballvereins Thomas Schulz. „Viele wissen gar nicht, dass es in Berlin viele Vereine gibt“, sagte er. Dabei seien es, die Softballvereine mitgerechnet, knapp 20 in der gesamten Stadt. Und auch eine richtige Liga gibt es. Wer nicht bekannt ist, hat auch Probleme Nachwuchs zu finden – so auch die Wizards. Da sie an der Sachtlebenstraße trainieren, werden die anderen Vereine, die dort spielen natürlich aufmerksam, aber auch so ein Fest wie das am Sonntag schaffte Aufmerksamkeit, so Schulz.
Kinder konnten sich in die Regeln unterweisen lassen, vom T-Ball schlagen und an der Wurfmaschine ihre Treffsicherheit trainieren. Dafür gab es einen Stempel auf dem Laufzettel der Kinder, die damit an den verschiedenen Ständen vorbeischauten.
Einen Stempel gab es auch am Stand des Seifenkisten-Vereinigung Berlin e.V., der seit 1987 die Seifenkistenrennen in Berlin organisiert. 1955 saß der heutige Präsident des Vereins, Jürgen Sucksdorf, selbst das erste Mal in so einer Seifenkiste – 15 Jahre war er damals. Was ihn reizte: „5.000 D-Mark gab es damals zu gewinnen“, aber dem Berliner Sieger winkte auch eine Reise zur Meisterschaft nach Duisburg – dem Erstplatzierten dort sogar ein Flug in die Heimat der Seifenkisten, in die USA. Sucksdorf wurde damals Zweiter – in die USA hat er es mittlerweile auch geschafft. Rund 25 Mal war er dort, begleitete erst vor wenigen Wochen wieder die Sieger der Deutschen Meisterschaft dorthin. „Für die Kinder ist das immer ein Erlebnis“, weiß er.
Was ihn immer an dem Sport faszinierte, war das Bauen und das Fahren, das Zusammensein mit anderen Kindern und der Wettkampf. Heute fährt der 72-Jährige nur noch bei Prominetenrennen mit.
Dass ein Seifenkistenverein auf dem Fest zu finden war, überraschte auch manchen Besucher, etwa Lutz Engelhardt der mit Frau Emili und Sohn Felix zum Sportfest gekommen war. Emili Engelhardt kannte fast jede Sportart, die an diesem Tag präsentiert wurde. Sie besuchte früher die Kennedy-Schule, kannte also auch viele Amerikaner und ihre Freizeitbeschäftigung. Nun sollte auch Söhnchen Felix diese kennenlernen. Der zeigte sich vor allem vom Basketball begeistert.
Das Spiel dominierte das Fest, denn auf dem Parkplatz des Museums wurde ein Mini-Basketball-Turnier ausgetragen, organisiert von Basketball Berlin Süd (BBS) und dem Berliner Sport-Club (BSC). Sechs Kindermannschaften aus den Vereinen beziehungsweise Schulmannschaften traten gegeneinander in 15 Spielen an. „Es geht nicht darum: Wer ist der Beste“, erklärt Manfred Heym vom BBS. Deshalb werde auch der Spielstand verdeckt. Vielmehr ginge es darum, viel zu spielen. „Alle verlassen als Sieger den Platz“, so sei das üblich bei Kiezturnieren.
Vom AlliiertenMuseum sei er angesprochen worden, ob der Verein sich beteiligen wollte. „Da habe ich Blut gerochen“, erklärt Heym, der nicht weit vom Museum aufgewachsen ist und viel mit den Amerikanern zu tun hatte. Durch seine Kontakte kamen auch einige Objekte in die Sonderausstellung, so Heym, der 40 Jahre lang als Sportlehrer arbeitete und in dieser Zeit sich auch um den Freiplatz der Dreilinden-Schule kümmerte und dies noch heute tut. Diese Freiplätze waren Trainingsplatz für viele spätere Basketballspieler der Nationalmannschaft. Einige von ihnen werden auch am 8. September beim Freiplatz-Turnier dabei sein, das vom BBS ebenfalls im Rahmen der Sonderausstellung organisiert wird.
„Ganz toll“, so fanden auch zwei Anwohnerinnen, die mit ihren Kindern da waren, das Fest. Alles hatten die Knirpse schon ausprobiert: Basketball natürlich – was ihnen auch am meisten Spaß gemacht hatte, Rugby und Baseball. Ihr Mann habe früher Football gespielt, erzählte eine von ihnen. Aber mit den Amerikanern selbst hatten sie eigentlich nichts zu tun. Auch die Ausstellung, die noch bis März 2013 zu sehen ist, hatten sich die beiden schon angeschaut.











Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (