
Reich verziert ist der Kirchenraum. Das Typische für orthodoxe Kirchen sind die Ikonen. Fotos: Gogol
Die russisch-orthodoxe oder auch die griechisch-orthodoxe Kirche kennen die meisten – zumindest vom Namen her. In Zehlendorf aber gibt es eine Gemeinde, die wohl die wenigsten kennen: die rum-orthodoxe Kirche von Antiochia. Sie liegt an der Ludwigsfelder Straße. Seit 2001 hat die Gemeinde dort in einem ehemaligen evangelischen Gotteshaus ihr Zuhause. Es habe allerdings ein paar Jahre gedauert, bis die Nachbarn die arabischen orthodoxen Christen akzeptiert hätten, erzählt Weihbischof Johannes.
Das „rum“ im Namen steht für rhomaios, was Oströmer, Byzantiner bedeutet. Antiochia (heute Antakya in der Südosttürkei) war einst die Hauptstadt der römischen Provinz Oriens. Das Patriarchat gehörte zu den fünf alten Patriarchaten der römischen Reichskirche. Die anderen waren Alexandrien, Jerusalem und Konstantinopel sowie Rom, aus dem die Papstkirche hervorging. Die rum-orthodoxe Kirche führt ihre Gründung auf die beiden Apostel Petrus und Paulus zurück – ist damit rund 2.000 Jahre alt. „In Antiochia wurden die Jünger zuerst Christen genannt“, zitiert der Weihbischof die Apostelgeschichte II, 26.
Die Spaltung der Kirche
1054 gab es eine große Spaltung in der Kirche in Ost und West aus politischen und dogmatischen Gründen, erläutert Weihbischof Johannes. In den folgenden Jahrhunderten gab es immer wieder, auch kriegerische, Auseinandersetzungen. Seit rund 40 Jahren allerdings gebe es wieder einen Dialog zwischen der katholischen und den orthodoxen Kirchen.
Ende des 19. Jahrhunderts verließen die ersten rum-orthodoxe Christen den Vorderen Orient, zumeist aus politisch und wirtschaftlichen Gründen. Vor allem in den 1960/70er Jahren kamen Rum-Orthodoxe auch nach Deutschland.
Die Kirche an der Ludwigsfelder Straße ist reich verziert, mit zahlreichen Ikonen, die unter anderem Jesus Christus, die Apostel und der Namensgeber der Gemeinde, des Heiligen Georgios, zeigen. Auch die Liturgie sei sehr schön, sehr reich, sagt Weihbischof Johannes. Das soll im 9. Jahrhundert auch einen russischen Gesandten überzeugt haben, der im Auftrag des Zaren unterwegs gewesen sei, um die passende Religion für sein Land zu finden.
Gepredigt wird in der Gemeinde auf arabisch und deutsch. Früher habe der Gottesdienst ausschließlich in arabischer Sprache stattgefunden. Doch die zweite Generation der Gläubigen spreche mittlerweile besser Deutsch als Arabisch, so Weihbischof Johannes. Die Übersetzung der Liturgie findet durch eine Kommission aus Theologen, Philosophen und anderen Experten statt.
Die Gottesdienste in Zehlendorf finden immer sonntags um 11 Uhr statt und sind für alle offen.
Ökumenisch engagiert
Die Gemeinde, die der Weihbischof betreut, ist relativ klein – rund 400 Gläubige in Berlin und Brandenburg. Sogar aus Wismar, Leipzig und Dresden kämen einige vorbei. An Weihnachten und Ostern sei die Kirche voll, auch Nichtgläubige kämen dann vorbei. „Aus Tradition. Sie fühlen sich wohl“, weiß Weihbischof Johannes.
Ein besonders Kennzeichen der Kirche ist das ökumenische Engagement, so ist sie Mitglied im ökumenischen Rat Berlin-Brandenburg, sucht den Dialog mit verschiedenen Kirchen, auch mit Juden und Muslimen.
Die rum-orthodoxe Kirche ist synodal organisiert. Es gibt keinen Papst, keinen Stellvertreter Gottes auf Erden. Das höchste Amt ist das des Patriarchen, der von Monopoliten gewählt wird. Der Patriarch ist der Erste unter Gleichen, beschreibt der Weihbischof das System. Erst vor wenigen Tagen starb Patriarch Ignatius IV. Zu seinem Nachfolger wurde Johannes Yazigi (Johannes X.), Metropolit von Europa, gewählt.











Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt mit 50.000 Euro die Sanierung der Dachkonstruktion und Dachhaut im westlichen Querschiff der Dreifaltigkeitskirche in Lankwitz. Die Gemeinde ist weiter auf Spenden angewiesen.
Denn insgesamt sollen nach den Berechnungen des beauftragten Planungsbüros die Arbeiten rund zwei Millionen Euro kosten, davon muss die Gemeinde 150.000 Euro selbst tragen. In drei Bauabschnitten werden zunächst die Portaltürme, das Kirchenschiff und die Querhäuser erneuert. Danach folgt der Kirchturm, zuletzt werden Apsis und Sakristei neu eingedeckt.
Das Gotteshaus hat ein neues Dach dringend nötig. Stürme der letzten Jahre haben der Konstruktion stark zugesetzt, teilweise sind Dachziegel auf den Kirchhof und die stark frequentierte Paul-Schneider-Straße und die Gallwitzallee gestürzt. Die Kupferbekrönungen, so hält es der Denkmalplaner in seinem Gutachten weiter fest, sind korrodiert, die darunterliegende Schalung ist durchfeuchtet. An der Dachkonstruktion fehlen Ziegel. Wo eine Dämmung vorhanden ist, ist sie durchfeuchtet und besteht aus krebserregenden Baustoffen. Kurz gesagt: hier musste etwas passieren, und zwar schnell.
Die Dreifaltigkeitskirche gilt mit ihrem imposanten hoch aufragenden Turm als Wahrzeichen und Zentrum von Lankwitz. Der Sakralbau wurde im Stil der märkischen Backsteingotik ab 1903 errichtet und 1906 geweiht. Der Detailreichtum der Fassade setzt sich nach oben hin fort; die Dachlandschaft ist durch eine Vielzahl an verschiedenen Konstruktionen unterschiedlicher Dach- und Turmformen, Material und Verzierungen geprägt. Der dominierende Vierungsturm mit seiner Zier verleiht der Dreifaltigkeitskirche ihr markantes Aussehen.
Die Gemeinde beheimatet in ihren Gebäuden unter anderem eine Pflegestation, die Haltestelle Diakonie für die Unterstützung psychisch oder an Demenz Erkrankter und ein Sozialcafé. In Zusammenarbeit mit der „Berliner Tafel“ gibt es wöchentlich eine Lebensmittelausgabe, die 140 Haushalte versorgt. Jährlich zum Totensonntag im November gibt es eine interreligiöse Gedenkfeier zur Erinnerung an Menschen, die einsam verstorben sind und behördlich bestattet wurden.
Spenden für die Sanierung der Kirche sind möglich auf das Konto
Dreifaltigkeitsgemeinde Lankwitz
IBAN: DE03 5206 0410 6803 9663 99
BIC: GENODEF1EK1
Spendenzweck: Kirchendach
Der Zuschuss der Deutschen Stiftung Denkmalschutz kommt aus Spendengeldern der Stiftung und aus Lottomitteln.