
Lecker und alkoholfrei: Karl Maurer und Kollegen verteilten Cocktails. Unterstützung gab es aus der Politik, hier von Juliana Kölsch von der SPD. Foto: Gogol
Wer am Donnerstagnachmittag die S-Bahn in Zehlendorf in Richtung Teltow verließ, bekam erst einmal einen Cocktail angeboten. Einen alkoholfreien natürlich, denn schließlich ist Präventionswoche in Steglitz-Zehlendorf und die Vereine und Institutionen, die sich auf dem kleinen Platz präsentierten, wollten Jugendliche und Erwachsene über die Gefahren von Alkohol und Co. aufklären. So wie Gerald Saathoff vom Mittelhof e.V. und Karl Maurer vom Nachbarschaftshaus Wannseebahn e.V, die den Runden Tisch Zehlendorf-Mitte vertraten. Und fleißig alkoholfreie Cocktails mixten. Darüber hinaus aber gaben sie Informationen zum Thema Sucht, verteilten Flyer und luden zu einem Fünf-Minuten Alkohol-Quiz ein. So wollen sie spielerisch auf die Menschen zu gehen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen.
Zwar hieße es, dass das Rauschtrinken bei Jugendlichen rückläufig sei, so Maurer. Doch für Jugendliche sei es noch immer wichtig, ihre Grenzen auszutesten – und das gerade bei Alkohol und Drogen. Zwar sei das Bewusstsein für die Risiken groß, doch auf Partys zähle das nicht, weiß Maurer aus seiner täglichen Arbeit als Leiter der Jugendarbeit. Dort gehe es auch zunehmend um andere Drogen, wie etwas Crystal Meth. In einer Großstadt wie Berlin seien solche Drogen leicht verfügbar, erzählt Maurer.
Wenn es um Alkoholprävention geht, darf natürlichhh auch die Aktion „No Sprits for Kids“ nicht fehlen. Mit zwei Ausschnitten aus dem Alkoholparcours sind Robert Sommer und seine Kollegen dabei. Einmal geht es darum zu schauen, welche Wirkung Alkohol auf Jugendliche hat, zum anderen wie gut sich die Leute mit dem Jugendschutzgesetz auskennen. „Erstaunlich gut“, haben Sommer und seine Kollegen festgestellt. Und gerade die Jugendlichen kennen sich besser aus als die Erwachsenen, bestätigen sie.
„Wir wollen Alkohol nicht verbieten“, betont Sommer. Vielmehr ginge es um einen vernünftigen Umgang damit. Und da seien eben auch die Eltern als Vorbild gefordert. „Man kann Alkohol nicht absolut verbieten. Man sollte ihn auch nicht verstecken“, so Sommer.
Wie Alkohol wirkt kann man gleich am Stand nebenan ausprobieren, bei der Jugendfreizeiteinrichtung „Albrecht Dürer“. Mit vorgetäuschten 1,3 bis 1,5 Promille auf der Nase zeigt die Rauschbrille, welche motorischen Ausfälle man hat. Einen „heißen Draht“ zu bewältigen ist dann gar nicht mehr so einfach. Schon den Griff zu finden, fällt schwer. Jugendliche probierten das gerne aus, erzählen Bernd Neumann und Norbert Kamp. Bei den Erwachsenen hingegen müsse erst eine Hemmschwelle überwunden werden. Genauso wie beim Fragebogen zum Thema Alkohol.
Während die meisten Stände sich auf die legale Droge Alkohol beziehen, klärt die Polizei auch zu den illegalen Drogen wie Cannabis auf. Dabei müssen sie auch manchmal mit falschen Vorstellungen aufräumen. Etwa der, dass kleine Mengen Gras erlaubt seien. Stimmt aber nicht, so der Präventionsbeauftragte Karsten Leuteritz.
„Junge Leute sind verunsichert“, weiß Leuteritz. Da gebe es Forderungen von Politikern, Cannabis zu legalisieren und auch in Holland ist die Droge legal. In Deutschland werden die Bongs, mit denen man Cannabis rauchen kann, frei verkauft. Aber rauchen kann man damit nur illegale Drogen, verdeutlicht Leuteritz die komplizierte Situation.
„Kiffen ist ein Problem. Es gibt keine Schule, an der das nicht vorkommt“, so der Präventionsbeauftragte. Unter anderem auch, weil viele Eltern das Problem verharmlosten, weil sie selbst in den 70er Jahren gekifft hätten. Doch heute sei das Einstiegsalter geringer, und der Stoff werde mit irgendwelchen Zusatzstoffen gestreckt, weil Leute damit Geld verdienten, betont Leuteritz. Doch es gebe auch Eltern, die nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, wenn sie vermuten, dass ihre Kinder Drogen konsumieren. Dann vermittelt die Polizei Kontakt zu den Hilfestellen.
An einem der Brennpunkte, wenn es um Alkohol und Jugendliche geht, wird die Präventionswoche am Sonnabend, 1. Juni, Halt machen – am Schlachtensee. Von 12 bis 16 Uhr wollen auf der großen Liegewiese Jugendhilfeeinrichtungen über Süchte informieren. Dazu gibt es Aktionen wie Slagline und Musik.
(go)











Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (