
Dies Baugenehmigung für die "temporären" Unterrichtsräume der Kronach-Grundschule ist mittlerweile abgelaufen. Foto: privat
Quasi einen Blick nach vorne wagt der Adventskalender des Bezirkselternausschusses (BEA) Steglitz-Zehlendorf hinter seinem 14. Türchen. An der Kronach-Grundschule wird seit Jahren in einer ehemaligen Flüchtlingsunterkunft gelernt, die die Schule als temporäre Unterrichtsräume geschenkt bekam. Dessen Baugenehmigung ist mittlerweile abgelaufen, die Sicherheit nicht mehr gewährleistet. Doch auch von weiteren Problemen an der Schule weiß Daniela von Treuenfels, Vorstand der Stiftung Bildung und Betreiberin des Blogs „einstürzende Schulbauten“, auf dem der Adventskalender veröffentlicht wird, im Folgenden zu berichten:
Einem geschenkten Gaul – schaut man nicht ins Maul
1993, erinnert sich Schulleiter Rainer Belusa, bekam die Kronach-Grundschule in Lichterfelde einen Container geschenkt. Eine große Kiste für den Schulhof, acht neue Klassenzimmer für die übergroße Kinderschar. Es waren ausrangierte Flüchtlingsunterkünfte. Für die Schulen in ganz Berlin gerade gut genug, eine billige Lösung für Senat und Bezirk.
Die „temporären Bauten“, wie die Container beschönigend genannt werden, hatten Baugenehmigungen für „höchstens 15 Jahre“, weiß Belusa. Der Schulleiter hat sich in den vergangenen Monaten etwas genauer mit den Besonderheiten der Häuser beschäftigen müssen. Wegen Einsturzgefahr war sein „Pavillon“, wie ihn Lehrer und Schüler nennen, im Frühjahr gesperrt worden.
1998, hat der Direktor gelernt, wurde die Schenkung offiziell besiegelt. Damals wurden auch die Unterlagen übergeben, für die sich aber offenbar niemand interessierte. Die befristete Baugenehmigung verschwand zwischen Aktendeckeln – die erst Jahre später wieder geöffnet werden sollten. Anlass war eine statische Überprüfung der mobilen Bauten in der Mühlenau-Grundschule in Zehlendorf. Hier stehen Container gleichen Typs. Bei einer Einschätzung der Frage nach einer möglichen Sanierung entdeckte der Statiker Probleme mit den Stahlträgern, die Wände und Decken stützen. Eine sofortige Sperrung der Klassenräume war die Folge.
„Die Bezirke hätten sich schon damals kümmern müssen“, ärgert sich Rainer Belusa. Die Bezirksämter haben aber ganz offensichtlich ihre Verantwortung nicht wahrgenommen. Die Bauunterlagen seien zunächst nicht gefunden worden. „Die waren einfach weg“, so der Schulleiter, „irgendwo in Spandau hat man sie schließlich gefunden.“
Rainer Belusa hat seinen 60. Geburtstag hinter sich, in absehbarer Zeit geht er in Pension. So richtig aufregen über derlei Stümperei will er sich nicht mehr. Recht entspannt sitzt er daher am Besuchertisch seines Büros, dessen Türen selten geschlossen sind, und spricht über die Themen, derentwegen Eltern der Schule in der Vergangenheit die Öffentlichkeit gesucht haben.
Gescheiterter Ganztag
Die Sporthalle ist schnell abgehakt. „Die ist saniert, das Dach ist dicht.“ Das Thema Ganztagsschule dagegen hat Eltern und Lehrer dagegen über mehrere Jahre beschäftigt. 2004 wurde die Kronach-Schule auf Antrag der Schulkonferenz zur gebundenen Ganztagsgrundschule. Alle Kinder sollten von nun an an vier Tagen der Woche von 8 bis 16 Uhr verbindlich an der Schule lernen. Entscheidendes Argument für das oberste Schulgremium: Das – unverbindliche – Versprechen des damaligen Senators Klaus Böger, den gebundenen Ganztagesschulen in Berlin mehr Lehrer zu geben als den Schulen mit Hortbetrieb. „Bevor das Kollegium sich für dieses Konzept entschied, war der Schule ein zusätzliches Gebäude versprochen worden“, schrieben die Eltern im Adventskalender 2008. Stattdessen wurden dem Schulflur Räume abgerungen. Mit der Folge, dass die Zimmer bis heute im Winter nicht richtig warm werden. Die Heizung sei eben nicht für ein Klassenzimmer ausgelegt, sondern nur für den Hausgang, erklärt Schulleiter Belusa.
„Wir Eltern haben uns bewusst für die gebundene Ganztagsschule entschieden. Weil es den zahlreichen Berufstätigen unter uns entgegenkommt. Vor allem aber, weil wir die Ganztagsschule für das Modell der Zukunft halten“, sagten die Eltern vor sieben Jahren. Und weiter: “ Ein rhythmisierter Schultag, in dem die Kinder besser und mehr lernen, bleibt aber nur ein Traum, wenn die verantwortlichen Senatoren und Politiker nicht bereit sind, die erforderlichen Mittel in die Hand zu nehmen um die notwendigen personellen und räumlichen Voraussetzungen zu schaffen.“ Ausgeträumt. Nach einem Beschluss der Schulkonferenz, das gebundene Modell aufzugeben, ist die Kronachschule heute eine offene Ganztagsschule mit Nachmittagsbetreuung.
Die Verbindliche Ganztagsschule ist für Rainer Belusa nach wie vor das Modell der Zukunft. „Es ist die bessere Schulform“, sagt er. Alles andere ist ein Kompromiss. Eine Verlegenheitslösung, die dennoch stark nachgefragt ist. 80 Prozent der Kinder der unteren jahrgangsgemischten Klassen (1. bis 3. Klasse) haben einen Hortvertrag.
Der Bedarf ist da, die Akzeptanz ist groß, das bestätigt das Deutsche Institut für pädagigische Forschung (DIPF), das die Entwicklung der Ganztagsschulen seit zehn Jahren wissenschaftlich begleitet. Gute Ganztagsschulen, sagt Leiter Eckart Klieme in einem aktuellen Interview, haben Vorteile: „Das Sozialverhalten entwickelt sich positiver, das Risiko einer Klassenwiederholung sinkt, Familien fühlen sich entlastet vom Hausaufgabenstress. Sogar auf die Noten hat der Ganztag einen positiven Effekt“. Und: „Man darf sich nicht damit begnügen, getrennt vom Unterricht eine Betreuung zu organisieren. Auch Lehrkräfte sollten im Ganztag tätig sein, mit Sozialpädagogen und anderen Fachleuten eng zusammenarbeiten. Ein guter Ansatzpunkt ist etwa, neu über Hausaufgaben nachzudenken: Wie können wir Übungszeiten in den Schultag integrieren? Wie können wir optimale Unterstützung für Lernen im Ganztag organisieren – sei es durch die Schüler untereinander oder durch qualifizierte Betreuer?“
Qualifizierte Betreuer, das sind in erster Linie ausgebildete Lehrer, darüber waren sich das Kollegium und die Eltern der Kronachschule immer einig. Vielleicht wird sich diese Einsicht ja doch noch einmal in Politik und Verwaltung durchsetzen.
Der Running Gag: Das Dach des Hauptgebäudes
Container, Sporthallendach, Ganztag: abgehakt. Der „Running Gag“ der Schule in der Moltkestraße wird wohl bleiben: das Dach des Hauptgebäudes. Das Haus wurde 1983 fertig gestellt. „Der frühere Hausmeister hat mir berichtet, dass es schon am Tag der Eröffnungsfeier reingeregnet hat“, erzählt Rainer Belusa. Seit diesem Tag kämpft die Schule mit Feuchtigkeit nach jedem stärkeren Regen. Betroffen sind immer verschiedene Ecken des Gebäudes. „Mal hier, mal da“, seufzt Belusa und zeigt resigniert in verschiedene Richtungen.
Die Konstruktion des Flachdachs nennt sich Nassdach und ist laut Wikipedia „nicht mehr zeitgemäß“: „Die zugrundeliegende Theorie ist, dass das stehende Wasser im Winter gefriert und für eine zusätzliche Wärmedämmung sorgt. Im Sommer soll es durch die Verdunstungskälte des Wassers zu einer Kühlung des Gebäudes kommen. Das Wasser soll Temperaturschwankungen im Gebäude reduzieren und als Klimapufferung wirken. Da Flachdächer jedoch sehr oft nicht völlig dicht sind, ergeben sich aus dem stehenden Wasser häufig schadenträchtig Probleme.“
Auch die Kronach-Schule kämpft mit dem Wasser: 1992 wurde ein Teil des Daches repariert. Eine komplette Sanierung wurde 1998/99 durchgeführt. „Einen Monat später hatten wir den nächsten Wasserschaden“, so Rainer Belusa. Das lästige Phänomen, das er selbst als „Running Gag“ bezeichnet, wird der Schulleiter wohl an seinen Nachfolger weitergeben.
Ob er das Vertrauen in die Fähigkeiten des zuständigen Bezirksamtes noch habe? Was folgt, ist Schweigen. Das ist bei Rainer Belusa sehr sehr selten.
Der Adventskalender des BEA ist zu finden unter http://wunschzettel.stiftungbildung.com
(sn)











Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (