„Sie waren schon lange nicht mehr Wassertreten? Sie haben schon lange keine interessanten Biotope beobachten können? Frischluftzufuhr bei geschlossenem Fenster wäre für Sie ein Erlebnis? Sie laufen gerne über Stock und Stein? Sie wollten schon immer ein elektrisches Provisorium in freier Wildbahn erleben? Wollten Sie sich eine Bauruine schon immer mal von außen anschauen? Oder wollten Sie schon immer einmal beim schummrigen Licht Ihre ‚Geschäfte‘ erledigen? Dann kommen Sie die Ludwig-Bechstein-Grundschule im schönen Lankwitz besuchen. All diese wunderbaren Zustände bekommen unsere Kinder tagtäglich gratis!“ Ja, es ist schon Galgenhumor, mit dem die Eltern der Ludwig-Bechstein-Grundschule auf die dortigen Zustände reagieren. Auch diese Grundschule taucht nicht zum ersten Mal im Adventskalender des Bezirkselternausschusses Steglitz-Zehlendorf auf, mit dem dieser auf die bauliche Situation an den Berliner Schulen aufmerksam macht. Hier nun der Bericht der Lankwitzer Eltern:
„In unserem Keller steht zentimeterhoch das Wasser, es stinkt im Foyer und den angrenzenden Räumen und ob das, was dort in unserem Keller wächst gesundheitsgefährdend ist, wurde bis heute nicht untersucht. In den Räumen zieht es, weil die alten Fenster undicht sind. Die Pflege des Geländes lässt sehr zu wünschen übrig. Eine provisorische Elektroleitung versorgt unseren Hort mit Strom und offenbar können wir froh sein, dass es wenigstens ein Provisorium gibt. Der desolate Zustand der Sanitäranlagen sorgt für verängstigte, angeekelte Schüler, die sich überwinden müssen dort ihre Notdurft zu verrichten. Die Bauruine entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Sporthalle, die seit Jahren geschlossen ist. Die alternative Sporthalle steht, samt der Sport-und Turngeräte, seit dem 9. November 2015 nicht mehr zur Verfügung.
Diese Zustände machen unsere Kinder krank. Es wird Zeit, dass jemand die Verantwortung übernimmt, damit aus unserem In- und Outdoor Survival Camp endlich wieder eine Schule wird, in der unsere Kinder gerne lernen. Sollte sich die Betrachtungsweise der Eltern, Schüler und Lehrer allerdings als Fehleinschätzung herausstellen, möchten wir die Zuständigen darauf hinweisen, dass für die Ausbildung unserer Kinder in einem solchem Camp eine Fachkraft gänzlich fehlt und auch die Benotungskriterien im Fach ‚Überleben in der Schule‘ festgelegt werden müssten Wir fordern daher ein sofortiges Abstellen, dieser und vieler, vieler anderer unzumutbaren Zustände in unserer Schule!“
(sn)











Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (