
Das von Otto Rudolf Salvisberg entworfenen Haus Am Fischtal 63 ist Denkmal des Monats Mai. Foto: Ada Kny
Ein „Blaues Wunder“ ist im Mai das Denkmal des Monats der Denkmalschutzbehörde Steglitz-Zehlendorf. Zu finden ist es Am Fischtal 63 und ist Teil der sogenannten „Papageiensiedlung“.
Mit dem gezielten Einsatz von Farbe haben die Architekten Bruno Taut, Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg einer Wohnanlage für 20.000 Menschen mit einfachen Mitteln eine Unverwechselbarkeit geschenkt, die im wahrsten Sinne des Wortes als bunt anzusehen ist. „Waldsiedlung Zehlendorf Onkel-Toms-Hütte“ heißt sie offiziell seit den späten 1920er Jahren.
Sowohl die Reihenhäuser nördlich der Argentinischen Allee als auch die Etagenwohnungsbauten wurden von Bruno Taut entworfen. In der Wilskistraße ist das auffällige Farbkonzept bereits rekonstruiert worden (Denkmal des Monats Januar 2013), so wie es derzeit entlang der Argentinischen Allee für die Mehrfamilienhäusern wieder hergestellt wird. Hugo Häring hebt in seinen Reihenhausreihen im Eisvogelweg und in der südlichen Riemeisterstraße allerdings eher die Zeile als solche hervor und wählt für die Straßenfassaden eine einheitliche, betont zurückhaltende Farbgebung in einem hellen unauffälligen Grün.
Otto Rudolf Salvisberg hingegen versucht in seinen Reihenhäusern Individualität zu zeigen. Die Häuser sind durch senkrecht angeordnete Rollschichten aus roten Ziegelsteinen getrennt. In der Reiherbeize setzt er farblich durch die vorspringenden, dunkelrostroten Straßenfassaden Akzente gegenüber den zurückgesetzten, in zurückhaltendem beige gehaltenen Fassaden. Im Waldhüterpfad wechseln die Farbtöne der Straßenfassade von Haus zu Haus in unterschiedlichen grünen und gelben Tönen. Blaue Reihenhäuser begrenzen Salvisbergs Bereich im Norden. Im Süden steigert er den Kontrast durch die Solitärwirkung von blauen Doppelhäusern zu einem städtebaulichen Paukenschlag.
Ein „Blaues Wunder“ ist heute wieder in seiner ganzen Pracht und Fernwirkung zu bewundern, die Doppelhaushälfte Am Fischtal 63: mit mineralischer Keim-Farbe als originärem Fassadenanstrich, der Untersicht des Dachüberstands mit roten Sparrenköpfen und dunkelbrauner Holzschalung. Großformatige Fenster aus einer Überformung der Vergangenheit wurden gegen Nachbauten der historisch fassadenbündig sitzenden Holzfenster ausgetauscht und mit dunkelblauer Rahmung versehen.
Im Erdgeschoss des Hauses gab es kein WC, es entstand die Idee eines gartenseitigen kleinen Anbaus. Mit deutlicher Schattenfuge hält er genügend Abstand zum Haupthaus, ist aber wie dieses auf einen roten Klinkersockel gestellt. Die Außenwände sind nicht verputzt, sondern wurden in leichter Konstruktion errichtet. Die holzähnliche Plattenverkleidung erhält den dezenten Farbton der Fensterrahmung.
Trotz der Abweichungen vom bauzeitlichen Zustand zum Garten hin kann die Sanierung als äußerst gelungen bezeichnet werden. Der Anbau setzt sich erkennbar, aber unauffällig im Material ab und ordnet sich farblich unter. Den Vorgaben des altersgerechten und barrierefreien Bauens kann weitestgehend entsprochen werden.
Die Sanierungsarbeiten erstreckten sich auch auf das Innere. Neben den Malerarbeiten wurden die originalen Fußböden aufgearbeitet, in den Wohnräumen der Holzdielenbelag, in Bad und Küche die Terrazzoböden. Nach der Wegnahme der Trennwand zwischen Küche und Wohnraum bleibt die Grundrissstruktur durch verschiedene Bodenbeläge lesbar und verleiht dem Inneren gleichzeitig etwas mehr Großzügigkeit. In Summe also eine schöne Inspiration für Folgewunder.
Dr. Jörg Rüter,
Denkmalschutzbehörde Steglitz-Zehlendorf










Kunst to go: Großformatige Acrylleinwände, leuchtende Aquarelle, ungewöhnliche Fotografien oder auch filigrane Papierobjekte - zwischen den täglichen Besorgungen kann man am ersten Freitag eines Monats Kunst im LIO genießen. | Foto: Ulrike Meyer[/caption]