
Die Klasse 6b hat sich beim Kika beworben. Sie will die beste Klasse Deutschlands werden. Foto: Gogol
Sie sammeln Schulmaterial für Afrika, bemalen und bekleben Toiletten und Waschbecken, um sie für einen guten Zweck zu versteigern, sie klären an Schulen und Universitäten über umweltfreundliches und klimagerechtes Verhalten auf, sie unterstützen den Verkauf der „guten Schokolade“ und von Wasserflaschen der Trinkwasserinitiative „Viva con agua“ – die Schüler der Klasse 6b der Grundschule am Insulaner sind sehr aktiv. Und das nicht nur im Unterricht, auch ihre Freizeit opfern sie teilweise für ihre Projekte. Zuhause achten sie darauf, Papier mit dem Blauen Engel zu kaufen, auf Mülltrennung und geringen Strom- und Wasserverbrauch. Wenn das mal nicht die beste Klasse Deutschlands ist! Zumindest hat sich die 6b jetzt für den Titel beworben.
Insgesamt sechs Projekte sind es, die die Schüler um Klassenlehrerin Katharina Jacob derzeit betreuen. Die neuste Unternehmung ist ein Kaffeeprojekt zusammen mit Radijojo, einem gemeinnützigen, werbefreien Radiosender für Kinder. Gemeinsam ging es am Freitag in den Botanischen Garten, um eine Reportage über die Kaffee-Ausstellung zu erstellen und Interviews zu führen. Dabei geht es auch um die Bedingungen in den Länder, in denen der Kaffee angebaut wird.
Jacob veranstaltet solche Projekte mit ihren Klassen seit vielen Jahren. Angefangen habe alles 2004 mit einem Straßenfußballprojekt, bei dem Mädchen und Jungen gemeinsam Fußball spielten, berichtet sie. Auch heute gibt es an der Schule noch eine Kick-Fair-AG, in der sich acht Schüler aus der 6b beteiligen. 2010 zur Fußballweltmeisterschaft fand dann ein Projekt zu Afrika statt. In dem Rahmen seien ihre Schüler damals bei Recherchen auf die Initiative „Plant for the planet“ gestoßen, bei der sich Kinder zu Klimabotschaftern ausbilden lassen können. Als solche halten die Schüler Vorträge in anderen Klassen, in anderen Schulen und Universitäten. Die 6b hat sechs Klimabotschafter. Einige von ihnen hielten im vergangenen Jahr sogar während einer Klassenfahrt einen Vortrag in einer fremden Klasse, erzählen Shania, Louisa und Vincent. Durch dieses Projekt ergaben sie weitere Kontakte und Projekte. Wie beispielsweise die Unterstützung einer Grundschule in Mekeri/Äthiopien. Derzeit sammeln die Steglitzer Schüler Schuhe sowie Hefte – natürlich mit dem Blauen Engel –, Federtaschen, Stifte, und Spiele für die Kinder in Äthiopien. „Jeder Mensch hat die gleichen Rechte“, sagt Daniel, durch solche Projekte wollen die Kinder für ein bisschen mehr Gerechtigkeit sorgen. „Es ist gewachsen wie ein Baum“, sagt Jacob.
Sie unterrichtet in ihrer Klasse Deutsch, Geschichte, Sport und Kunst. So kann sie fächerübergreifend agieren. Viele der Themen ließen sich gut in den Unterricht einbinden, sagt die Lehrerin. Das Thema Wasser passte beispielsweise in den Geschichtsunterricht als es um Ägypten ging, im Deutschunterricht wurden Begriffe aus dem Wortfeld Wasser gesucht und zusammengesetzte Substantive gebildet. „Die Kinder lernen toll über solche Themen“, so Jacobs Erfahrung.
Die Idee, sich als „Beste Klasse Deutschland“ beim Kinderkanal zu bewerben hatten sie selbst, erzählen die Schüler. „Wir schauen immer die Sendung und finden sie toll“, sagt Max. Unterstützung gab es von der Klassenlehrerin. Sie habe ihren Schüler zugesagt, Zeit und Raum zur Verfügung zu stellen, wenn sich die Mädchen und Jungen um den Rest selbst kümmern, berichtet Jacob. Und das haben sie getan. Sie haben Ideen entwickelt, ein Konzept für ein Video geschrieben, das sie dann mit Hilfe der Freizeiteinrichtung „Imme“ umsetzten. Jacob ist begeistert von so viel Energie, Elan und Freuden, deshalb hätten ihre Schüler es auch verdient zu gewinnen, findet sie
Ihr Ziel sei es, dass die Kinder in der Lage sind, Dinge, die sie machen wollen, selbst in die Hand zu nehmen. Dass sie dadurch wichtige Kompetenzen für ihr weiteres Leben erwerben, davon ist Jacob überzeugt. Und wenn einige auch den Projekten verhaftet bleiben, wäre schon viel erreicht.
Das Bewerbungsvideo der 6b für „Die beste Klasse Deutschland“ können wir aus rechtlichen Gründen leider nicht veröffentlichen. Wer es sich anschauen möchte, findet es hier.










Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (
Phantastisches Video!!!
Finde ich total super! Auch das Video ist amüsant und informativ – Weiter so!