
Im Campus Benjamin Franklin will man sich verstärkt um Patienten in der zweiten Lebenshälfte kümmern. Foto: Charité-Universitätsmedizin Berlin
Weg von der Pädiatrie hin zur Geriatrie – oder in einfachen Worten: Auf dem Campus Benjamin Franklin der Charité in Steglitz will man sich zukünftig verstärkt um alte Menschen kümmern, dafür weniger um Kinder. Diese Schwerpunktsetzung erläuterte der Ärztliche Direktor des Hauses, Professor Dr. Ulrich Frei dem Ausschuss für Gesundheit und Gleichstellung.
Mit dem Zusammenschluss der drei Standorte der Charité sei eine Schwerpunktsetzung notwendig gewesen, so Frei, die man in Steglitz in Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesehen habe. Da 2009 jedoch die Auflage erlassen wurde, dass es sich um keinen Schwerpunkt handeln dürfe, der hohen Investitionen am Standort bedeute, habe man sich entschlossen, sich mit der Medizin der zweiten Lebenshälfte zu profilieren. Das sei schlüssig, schließlich sei in Steglitz-Zehlendorf jeder zweite Einwohner älter als 50 Jahre, so Frei.
Inhaltlich werde dies so umgesetzt, dass am Hindenburgdamm Fachrichtungen konzentriert werden, die sich mit Krankheiten und Beschwerden befassen, die zumeist im Alter auftreten, dazu gehören unter anderem die Orthopädie, die Chirurgie mit dem Schwerpunkt Tumore im Darmtrakt, die Gefäßchirurgie und damit einhergehend die Diabetologie und die Dermatologie. Geplant sei die Errichtung eines Gefäßzentrums, erläuterte Frei, in dem man sich um Durchblutungsstörungen in den Beinen, der Halsschlagader und den Füßen kümmern will.
Neu angesiedelt wird am Campus die Psychiatrie, die aus Charlottenburg dorthin verlagert werden soll. Die Baumaßnahmen haben bereits begonnen und sollen Ende des Jahres abgeschlossen sein.
Im Bereich der Medizin der zweiten Lebenshälfte habe man die Freie Universität als Partner gewinnen könne, berichtete Frei. Diese befasst sich in verschiedenen Fachbereichen mit der Frage, wie man gesund altert.
Wenn man sich in allen Bereichen auf die Geriatrie konzentrieren wolle, brauche es aber auch eine ausreichende Zahl geriatrischer Betten, sprich ausreichend Plätze, um die Patienten versorgen zu können. Die fehlten derzeit noch. Deshalb brauche das Krankenhaus die Unterstützung der Politik. Zusätzlich Betten werde es nicht geben, so Frei, der auf eine Umwandlung von 40 Fachbetten hofft. Erst dann könnten auch die Krankenkassen die Patienten zuweisen.
Dr. Sabine Leihmann-Brauns (CDU) war nicht angetan von der Konzentration auf ältere Patienten. Ihre Fraktion hat einen Antrag gestellt, der die kinderärztliche Versorgung in der Rettungsstelle der Charité sichern soll. „Wir erwarten einen Zuzug junger Familien“, wies sie auf die verschiedenen Bauprojekte im Bezirk und eine damit einhergehende Verjüngung hin.
Doch da machte ihr der Ärztliche Direktor wenig Hoffnungen. Es gebe zwar noch keinen festen Termin, doch die Kinderrettungsstelle werde geschlossen. Die Zahl der Fälle sei zu gering, um eine qualifizierte Versorgung auch ökonomisch leisten zu können. Dies war auch der Grund, warum bereits 2010 die Geburtsklinik an dem Standort geschlossen wurde. Damals habe es nur 700 Geburten jährlich gegeben. Das sei nicht ausreichend gewesen, um ein ganzes Team aus Fachärzten und Pflegepersonal sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag bereit zu halten. Es sei auch kein Schaden entstanden, versicherte Frei. Die Geburten finden nun etwa am St. Josephs Krankenhaus oder im Krankenhaus Waldfriede statt.
„Berlin hat zu viele Geburtskliniken“, erklärte Frei den Ausschussmitgliedern. Er aber sei ein Freund der Konzentration. Denn nur ein Krankenhaus, das hohe Fallzahlen hat, könne auch die entsprechende Qualität leisten. Gerade bei Frühgeburten, die Lehmann-Brauns ins Feld führte, könnten die Geburtszentren die Versorgung besser gewährleisten.
Die pädiatrische Rettungsstelle aufrecht zu erhalten, wenn man keine eigene Kinderklinik habe, sei unmöglich. Da man keine Kinderärzte mehr im Haus habe, müsse man diese ausschließlich für die Rettungsstelle vorhalten – dies sei wirtschaftlich nicht zu leisten.
Um die Versorgung kleiner Patienten müsse man sich in Steglitz-Zehlendorf trotzdem keine Sorgen machen, versicherte Frei. So habe das Behring-Krankenhaus eine Kinderklinik eröffnet, und in Nähe der Charité gebe es einen auf Notfälle spezialisierten Kinderarzt, der jährlich 20.000 Fälle betreut. In der Rettungsstelle der Charité sind es 5.000.
Frei versicherte, dass das ehemalige Klinikum Steglitz auch weiterhin ein komplettes Krankenhaus sein werde. Es seien keine weiteren Schließungen geplant, auch HNO- und Augenklinik sollen bestehen bleiben. Die Rettungsstelle habe man organisatorisch gestärkt, derzeit laufe ein Berufungsverfahren für einen Kardiologen. Es werde in den Standort auch investiert. So wurden beispielsweise die Versorgungsstränge im Bettenhaus erneuert, derzeit wird die Chirurgie auf den neuesten Stand gebracht.
(go)










Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (