Veranstaltungen im Juli 2026
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25. Juli 2026
Bild: ChatGPT[/caption]
Die Zahl der Sprach- und Integrationskurse an der Victor-Gollancz-Volkshochschule ist gesunken, Grund ist eine Neuregelung der Bundesregierung. Befürchtungen, dass Integrationschancen sinken, scheinen sich zu bewahrheiten. Sofia, ihre Tochter Amelia und ihr Hund Totoschka sind im März 2022 am Berliner Hauptbahnhof angekommen. Es war keine freiwillige Entscheidung, sie sind vor dem Krieg in der Ukraine geflohen. So erzählt es die grüne Bezirksverordnete Birgit Vasiliades einige Jahre später. Die Geflüchteten hätten kein Deutsch sprechen können, aber haben über eine Übersetzungs-App kommuniziert. Sofia habe Integrations- und Sprachkurse besucht, während ihre Tochter einen Platz in der Willkommensklasse der Zinnowwaldschule bekommen habe. Inzwischen spreche Sofia fließend Deutsch und sei im Jahr 2024 in ihre eigene Wohnung eingezogen. „Sofia zeigt: Ankommen und Teilhabe funktionieren – wenn wir sie ermöglichen,“ sagt Vasiliades. Die Kommunalpolitikerin erzählt die Geschichte in einer teils emotionalen Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Steglitz-Zehlendorf im März, als geplante Sparmaßnahmen der Bundesregierung auf der Tagesordnung stehen: Kein Bürgergeld mehr für Geflüchtete, sondern Gelder nach dem Asylbewerberleistungsgesetz; und außerdem: weniger Mittel für Integrationskurse. Durch Integrationskurse und Zugang zu Gesundheitsversorgung, so Birgit Vasiliades, gelinge Ankommen und Teilhabe. „Und genau diese Integrationswege sollen nun durch den geplanten Rechtskreiswechsel und durch die Streichung der Sprach- und Integrationskurse massiv erschwert werden“. Tatsächlich ist das Angebot an Integrationskursen an der VHS bereits rückläufig. In diesem Jahr werden nur 122 Integrationskurse angeboten: 71 im vergangenen Frühjahrssemester, und 51 geplant im Herbst. Seit 2018 lag das Angebot nach Angaben des Bezirksamtes nur im Corona-Jahr 2021 niedriger.
Als das BAMF Anfang Februar die Finanzierung stoppte, hagelte es Kritik. „Menschen, die einen Kurs nicht selbst bezahlen können, werden dadurch beim Erlernen der Sprache und dem Erwerb weiterer Qualifikationen ausgebremst. Das ist dann widersprüchlich, wenn es solche Gruppen betrifft, deren Arbeitsmarktintegration man gleichzeitig fordert“, erklärte beispielsweise Winfried Kluth, Vorsitzender des Sachverständigenrats für Integration und Migration. Katarina Niewiedzial, die Beauftragte des Berliner Senats für Partizipation, Integration und Migration, nannte die Entscheidung auf einer Pressekonferenz Mitte März in Berlin „absurd“. Gemeinsam mit den Integrationsbeauftragten der Länder forderte sie am 11. März in einer Resolution an Bundesinnenminister Alexander Dobrindt: „die bestehenden Strukturen der Sprachförderung zu sichern“. Günter Schulze vom Willkommensbündnis für Geflüchtete in Steglitz-Zehlendorf lehnt die Zulassungsstopps ebenfalls ab und befürchtet langfristige Konsequenzen für die Gesellschaft. Er sagt, sie sendeten das falsche Signal: Die Betroffenen fühlten sich unerwünscht. Dass die Regierung ihnen keine Integrationskurse anbieten wolle, solange sie kein Bleiberecht haben, sieht er „natürlich völlig anders“. Er betont: „Bis zur Anerkennung von Asyl oder einer dauerhaften Aufenthaltsmöglichkeit vergehen auch mal Jahre.“ Das führe dazu, dass „Leute ausgegrenzt werden“. Wenige Monate später beschloss die Bundesregierung einen Kompromiss und hob den pauschalen Zulassungsstopp für freiwillige Teilnehmer teilweise auf. Ukrainer und EU-Bürger haben Vorrang, und könnten Plätze bekommen, aber es wird jedes Mal im Haushalt neu verhandelt, wie viel Geld für die Integrationskurse ausgegeben wird. Geflüchtete aus der Ukraine wie Sofía haben wieder eine Chance auf Integrationskurse, aber Asylsuchende und Geduldete ohne dauerhaftes Bleiberecht bleiben ausgeschlossen. Für sie plant die Regierung Erstorientierungskurse, die ab November 2026 ausgebaut werden sollen. Diese Kurse sind kürzer und günstiger. Günter Schulze vom Willkommensbündnis sieht diese Ungleichheiten kritisch: „Menschen aus der Ukraine haben einen anderen rechtlichen Status als Asylsuchende. Sie können sofort arbeiten, benötigen also keine Arbeitserlaubnis vom Jobcenter. Das macht die Sache ein bisschen schwieriger, denn so haben wir Menschen erster, zweiter und dritter Klasse.“ Die Victor-Gollancz-Volkshochschule blickt nach vorn. Im März beschäftigte sie 20 Honorarkräfte, drei Sachbearbeiter und eine Programmbereichsleitung im Integrationsbereich. Das könnte sich ändern, wenn die Zahlen weiter sinken. Das Frühjahrssemester 2027 ist noch in Planung, wie Bezirksstadträtin Malgorzata Sijbrandij mitteilt. Deswegen kann sie noch nicht sagen, ob die neue Vereinbarung der Bundesregierung Auswirkungen auf das Angebot der VHS haben wird. Aber setzt sich der Trend von 2026 fort, bleibt das Angebot an Integrationskursen rückläufig.
John Mark Shorack
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