Auch Senatorin Sandra Scheeres (links) und Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski ließen sich das Testessen schmecken. Foto: Gogol

Das klingt doch mal lecker: Beim Schulessen soll künftig nicht mehr der Preis entscheiden, sondern die Qualität. Es sei ein Paradigmenwechsel, sagte Senatorin Sandra Scheeres (SPD) bei der Vorstellung des neuen Vergabeverfahrens in Steglitz-Zehlendorf. „Wir stellen das Verfahren faktisch auf den Kopf“ – und das in allen Berliner Bezirken.

Das heißt: Es gibt einen festen Satz von 3,25 Euro pro Essen. In diesem Rahmen können sich Anbieter bewerben und müssen sich dann den Mittagessensausschüssen der Grundschulen stellen. In denen sind sowohl Schüler als auch Lehrer vertreten. Die Entscheidung fällt dann für das leckerste Essen und nicht für das billigste.

Am Montag und Mittwoch wurde in Steglitz-Zehlendorf getestet. Auf dem Speiseplan standen zwei Gerichte: Rindergulasch und eine saisonale Gemüsepfanne, als Nachtisch Obstsalat und Vanillequark – und das in fünf verschiedenen Ausführungen, die alle gekostet werden wollten. Um das Verfahren nicht zu stören, durfte die Presse nicht hinein. Janne, Anni und Jan von der Zinnowwald-Grundschule aber zeigten, wie das von statten geht. Der siebenjährige Jan ist mit dem Essen an seiner Schule eigentlich ganz zufrieden. Er ist Klassensprecher und wurde ins Essenskomitee gewählt. Seine erste Portion Gemüsepfanne schmeckte ihm gut, nur die Pilze mochte er nicht.

Janne, Anni und Jan durften am Mittwoch mitentscheiden, was künftig in der Schulmensa auf den Tisch kommen soll. Foto: Gogol

In Steglitz-Zehlendorf sind es 28 Grundschulen, für die es Aufträge zu vergeben gibt. Für vier allerdings hätte sich jeweils nur ein Anbieter gemeldet, erklärte Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU). Für die restlichen Schulen sind fünf Anbieter am Start – verhältnismäßig wenige im Vergleich zu anderen Bezirken, weiß Richter-Kotowski aus Gesprächen mit ihren Kollegen. Vielleicht liegt das an den langen Wegen in Steglitz-Zehlendorf, spekulierte sie. Die Caterer kommen sowohl aus dem Bezirk als auch aus anderen Berliner Ortsteilen. Darunter auch Sodexo. Der Anbieter hatte vor einem Jahr für Schagzeilen gesorgt, weil durch mit Novoviren belastete Erdbeeren bei tausenden Schülern Brechdurchfall ausgelöst hatten. Durch den nun höheren Preis und die Vorgabe saisonaler Produkte war Scheeres zuversichtlich, dass es einen solchen Fall nicht mehr geben werde.

Die Verkostung von Testessen ist im Berliner Südwesten nicht neu, bereits seit 2005 wird das dort praktiziert, berichtet Richter-Kotowski, auch die Gremien gab es schon. Es sei wichtig, sich mit dem Essen auseinanderzusetzen, sagt sie. „Schulessen ist nicht nur Nahrungsaufnahme“, man solle auch gerne gemeinsam essen, findet sie. Das nun berlinweit angelaufene Verfahren sei formalisierter, weil es für alle Bezirke gleich sein soll.

Neben der Verkostung spielen bei der Vergabe auch das Umsetzungskonzept des Caterers, der Bio-Anteil und die Warmhaltezeit eine wichtige Rolle. Es werden Punkte für jede Kategorie vergeben, der Anbieter mit den meisten Punkten erhält den Zuschlag. Neu ist nicht nur das Verfahren, sondern auch, dass es anschließend Kontrollen gibt und die Möglichkeit für die Bezirke, bei einer sich verschlechternden Qualität des Essens aus den Verträgen auszusteigen. Es sei ein großer Wurf mit Signalwirkung über Berlin hinaus, ist sich Rechtsanwältin Anette Prasser sicher, die das Vergabeverfahren begleitete.

Wofür sich die Testesser entschieden haben, erfahren ihre Mitschüler ab Februar 2014. Nach den Grundschulen sind dann auch die Oberschulen an der Reihe, ihren Caterer auszuwählen.

(go)