Mit zwei neuen Gedenktafeln will die SPD-Fraktion der Bezirksverodnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf an das „Institut für Staatsforschung“ an der Königsstraße 71 und an das „Geheime Ostinstitut in Berlin-Wannsee“ am Großen Wannsee 43 – 45 erinnern.
„Beide Institute gehörten teils unmittelbar, teils über enge Verbindungen von 1937 bis 1945 zum Einflussbereich der SS, des SD und der Gestapo und waren maßgeblich an dessen Eroberungs- und Vernichtungsfeldzügen im Osten und an der dortigen brutalen Besatzungspolitik beteiligt. Es ist wichtig, ergänzend zu den Berliner Erinnerungsstätten zum Wirken der Täter bei nationalsozialistischen Verbrechen (Topografie des Terrors, Haus der Wannseekonferenz) auch auf die geistigen Vorbereiter und Unterstützer aus der Wissenschaft hinzuweisen“, begründet die Fraktion ihren Antrag, der nun vom Haushalts- und vom Ausschuss für Bildung, Kultur und Bürgerdienste diskutiert werden soll.
Das „Institut für Staatsforschung“ arbeitete zu verwaltungsrechtlichen und -organisatorischen Fragen, die es erleichtern sollten, die besetzten Gebiete besser zu beherrschen. Mit Beginn des Krieges lag der Arbeitsschwerpunkt im Bereich der Besatzungsverwaltung und wurde dem Reichsführer-SS Heinrich Himmler unterstellt. Leiter der Einrichtung war Reinhard Höhn, einer der führenden deutschen Staats- und Verwaltungsrechtler. Er war unter anderem Herausgeber der Publikation „Reich – Volksordnung – Lebensraum. Zeitschrift für völkische Verfassung und Verwaltung“. Zwei Mitherausgeber nahmen an der Wannseekonferenz teil, bei der die Deportation und Ermordung der jüdischen Bevölkerung in Europa vorbereitet wurde.
Das „Geheime Ostinstitut“ , auch „Wannsee-Institut“ genannt, war in der Villa von Franz Oppenheim untergebracht. Die als „Institut für Altertumsforschung“ getarnte Einrichtung erstellte im Auftrag Himmlers Gutachten über die Sowjetunion. 1940 wurde das Institut des Auslands-Nachrichtendienst unterstellt. 1943 zog es nach Graz, die „Ostarbeit“ aber ging weiter. So wurden Karten und Pläne für die Luftangriffe gezeichnet. Auch Agenten, die hinter der sowjetischen Front Aufstände anzetteln sollen, wurden dort ausgebildet.
Die Texte für die Hinweisschilder sollen in Zusammenarbeit mit dem Haus der Wannsee-Konferenz erarbeitet werden.
(go)













Schloßstraße 26 im Jahr 1925: An der Ecke Zimmermannstraße verkaufte Ernst Taeger Röcke und Blusen. | Foto: Museum Steglitz Nr. 03114[/caption]
Eine Ausstellung in der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek macht aufmerksam auf die große Bedeutung jüdischen Lebens und jüdischer Wirtschaftstätigkeit für das Aufblühen der Schloßstraße im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.
Die Schloßstraße entwickelte sich ab Ende des 19. Jahrhunderts in rasantem Tempo zur Einkaufsmeile. Die Eisenbahnverbindung zwischen Potsdam und Berlin mit Halt in der Albrechtstraße und die vor 1900 verkehrenden Straßenbahnen machten die Landgemeinde Steglitz attraktiv. Niedrige Grundstückspreise und Mieten lockten viele Geschäftsleute in die Steglitzer Hauptverkehrsstraße.
Jüdisches Leben hatte einen großen Anteil an dieser wirtschaftlichen Entwicklung und am Glanz und Reichtum der Schloßstraße. Jüdische Kaufleute betrieben zahlreiche spezialisierte Einzelhandelsgeschäfte, Handwerksbetriebe und größere Warenhäuser.
In den zwischen 1900 und 1910 entstandenen Wohn- und Geschäftsgebäuden lebten und arbeiteten jüdische Menschen in Bäckereien, Zigarrenläden und Konfektionsgeschäften, als Rechtsanwälte, Ärzte und Musiker.
Die Ausstellung erinnert mit acht kurzen Biographien und einer Übersicht von 40 Wirtschaftsbetrieben an diese Vielfalt und zeigt die radikale Vernichtung jüdischen Lebens nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten im Jahr 1933. In nur wenigen Jahren wurden alle jüdischen Gewerbetreibenden zur Geschäftsaufgabe gezwungen, jüdische Bewohnerinnen und Bewohner vertrieben oder deportiert. Heute erinnern nur einige im Jahr 2025 verlegte Stolpersteine und eine unauffällige Gedenktafel an das einst vitale jüdische Leben. Die Gedenktafel erinnert an Moritz Feidt, der im Jahr 1907 in der Schloßstraße 97 das erste größere Warenhaus eröffnete.
JÜDISCHES LEBEN IN DER SCHLOẞSTRAẞE
19.9.—14.11.2026
Eine Ausstellung in der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek
Grunewaldstraße 3, im Einkaufzentrum "Das Schloss"
Öffnungszeiten
Montag bis Freitag 11 – 19 Uhr
Samstag 11 – 16 Uhr
Eintritt frei
VERANSTALTUNGEN
Sonntag, 27. September, 12:00 Uhr
Geschichte vor Ort. Jüdisches Leben in der nördlichen Schloßstraße
Stadtspaziergang mit Sabine Davids und Barbara Wittkopf