Franzi Groß von der Grünen Jugend. | Foto: Daniela von Treuenfels

 

Für Franzi Groß sollen Bibliotheken demokratische Institutionen sein, die Vielfalt fördern.

Ihre Rede anlässlich einer Protestaktion junger Menschen am 31. August auf dem Hermann-Ehlers-Platz gegen „Zensur“ der zuständigen Stadträtin veröffentlichen wir hier im Wortlaut:

„Ich lebe schon mein ganzes Leben lang in Steglitz-Zehlendorf. Ich besuche schon mein ganzes Leben lang die Ingeborg-Drewitz-Bibliothek. Würde man all die Stunden zusammenrechnen, die ich dort verbracht habe um zu lesen, Hausaufgaben zu machen, mich mit Freund*innen zu treffen oder eines der Events zu besuchen, die hier stattfinden, würde dabei einiges zusammenkommen.

Und so wie mir geht es unzähligen anderen Kindern und Jugendlichen in diesem Bezirk und darüber hinaus. Die Bibliothek liegt in direkter Reichweite mehrerer Schulen. Unter der Woche nachmittags platzt sie aus allen Nähten, weil hier so viele junge Menschen sitzen: um zu lernen, sich zu entspannen, an Gruppenprojekten zu arbeiten oder einfach Zeit mit den Freund*innen zu verbringen.

Damit ist diese Bibliothek – so wie jede andere – ein unfassbar wichtiger dritter Ort. Ein Ort an dem Menschen außerhalb von Schule, Arbeit und zu Hause gerne Zeit verbringen. Von diesen Orten gibt es immer weniger: sie fallen nicht selten der Unterfinanzierung von Bildungs- und Kultureinrichtungen zum Opfer, besonders wenn sie den Anspruch haben, für alle Menschen bezahlbar zu sein. Bibliotheken, wie die Ingeborg-Drewitz-Bbliothek gehören hier zu den letzten dritten Orten für Kinder und Jugendliche im Bezirk. Und das umsonst und trotzdem mit einer Vielzahl von Angeboten.

Bibliotheken sollten für ihre Benutzer*innen einen Safe Space darstellen. Das kulturelle Angebot, das sie bieten sollte so vielfältig sein wie ihre Besucher*innen. Und somit unter anderem auch die vielen queeren kids repräsentieren, die hier täglich ein und aus gehen. Wo kommen wir denn da hin, wenn wir den Bibliotheken es nicht mehr selbst überlassen zu entscheiden, welche Veranstaltungen sie für angemessen halten?

Bibliotheken brauchen Unterstützung von der Stadt, keine Frage. Diese sollte aber nicht mit der Zensur queerer und anderweitig vielfältiger Inhalte und Veranstaltungen einhergehen. Bibliotheken gehören zu den letzten erschwinglichen dritten Orten in unserer städtischen Infrastruktur und sind wichtige demokratische Institutionen, die Menschen schon im jungen Alter Teilhabe, Kultur und Vielfalt erleben lassen. Das sollte ihnen auch möglich gemacht werden.

Dafür sollten sich die zuständigen Politiker’innen einsetzen, statt Bibliotheken ihren demokratischen Bildungsauftrag unnötigerweise zu erschweren und schlicht und einfach zu hetzen. Das wäre die Aufgabe dieser CDU Stadträtin gewesen: Demokratie und Vielfalt zu fördern statt sie zu untergraben.

Franzi Groß ist Mitglied der Grünen Jugend

Mehr zur Demo und den Hintergründen des Protestes lesen Sie hier in unserem Beitrag.

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