Die Villa an der Ahrenshooper Zeile 59 wurde 1901/02 für den Rentier Hermann Tausch erbaut.Foto: Yvonne Salewski, Denkmalschutzbehörde

Die Villa an der Ahrenshooper Zeile 59 wurde 1901/02 für den Rentier Hermann Tausch erbaut.Foto: Yvonne Salewski, Denkmalschutzbehörde

Prächtig ist sie, die Hermann-Villa in der Ahrenshooper Zeile in Zehlendorf. Und sie ist das Denkmal des Monats Juni.

Im Areal zwischen der heutigen Ahrenshooper Zeile und der Bergengruenstraße, im Norden durch die Wannseebahn und im Süden durch die Potsdamer Chaussee begrenzt, wurde 1894 von der Heimstätten-Aktien-Gesellschaft (HAG) die Kolonie Schlachtensee-Ost gegründet. Die Ortslage war und ist wegen der unmittelbaren Nachbarschaft zum Grunewald und seiner Seenkette sowie der bequemen S-Bahn-Verbindung in das Zentrum von Berlin besonders begehrt.

Die Villa in der Ahrenshooper Zeile 59 wurde in den Jahren 1901/02 vom Lichterfelder Maurer- und Zimmermeister Hermann Dorn für den Rentier Hermann Tausch gebaut. Fast gleichzeitig entstand unter der Entwurfs- und Bauleitung des Baumeisters auf dem Nachbargrundstück Ahrenshooper Zeile 57 eine Villa für den Geheimen Kanzleirat Oswald Mettke.

Die beiden Villen Ahrenshooper Zeile 57 und 59 sind in ihrer Gestaltung absolut typisch für die damaligen Vorortkolonien. Der Landhausstil begann sich bereits zu entwickeln, die Entwürfe von Hermann Dorn halten aber noch am Historismus fest. Neorenaissance zeigt sich in Giebelbekrö-nungen, Turmaufsätzen, Fensterfaschen, -verdachungen und –brüstungen, Gurtgesimsen und Austrittsgittern. Beide Häuser sind sich sehr ähnlich, aber bei genauem Schauen zeigt sich jeweils deren individuelle Gestaltung. So verwendete der Baumeister in der Ahrenshooper Zeile 57 bereits Jugendstilelemente. Neben den besonderen spitzbogigen Brüstungsgittern hat die Fassade einen mit Rankendekor geputzten Giebel, in Sgraffitotechnik nachempfunden, sozusagen in den Putz geritzt.

In der Ahrenshooper Zeile 59 sind mehrere Zeitschichten ablesbar. Bereits zwanzig Jahre nach seiner Entstehung wurde das Haus von seinem neuen Eigentümer erweitert und erhielt von dem Zehlendorfer Baumeister Theodor Bastian einen Anbau. Mitte der 1920er Jahre entstand unter der Regie des Zehlendorfer Maurermeister August Jänicke ein weiterer Anbau. 1930 wurde im Kellergeschoß die Garage für einen „Personenkraftwagen“ eingerichtet. Die Änderungen sind aus heutiger Sicht des Denkmalschutzes nicht zu kritisieren, hielten sie doch an der Architektursprache des Hauses fest.

Die originale Hauseingangstür ist mit dezentem Schnitzwerk und der türkisgrünen Lackierung markant in der sonst farblich zurückhaltend gestalteten Fassade. Besonders das Zierwerk zeigt gelungen die historisierende Wirkung der Neorenaissance-Fassade. Eleganz entfaltet sich in dem hellen Farbton der klar gegliederten und schlicht strukturierten Fassade.

Im Anbau von Bastian sind die originalen, nach außen öffnenden Fenster einschließlich der historischen Beschläge (Winkelbänder und Kloben) erhalten. Die Innenflügel dieser Fenster sind bleiverglast. Im Speisezimmer und im Treppenhaus sind verschiedene Motive als Glasmalerei überliefert. Die Treppe selbst stammt ebenfalls aus der Bauzeit. Terrazzo konnte im Eingangsbereich freigelegt und aufgearbeitet werden. Die Stuckornamente und Malereien an der Erdgeschossdecke und die Holzkassettendecke im Wohnzimmer wurden freigelegt und wiederhergestellt. Der Dachraum ist durch relativ wenige Eingriffe zum Wohnen nutzbar gemacht worden. Die bauzeitliche Einfriedung wurde aufgearbeitet und gestrichen.

Während der Bauzeit haben sich allerdings massive Schäden gezeigt. Im Dachstuhl wurde Lindan und PCP gefunden, ebenso hatte sich echter Hausschwamm ausgebreitet. Die zusätzlichen Maßnahmen haben die Bauzeit deutlich verlängert. Es konnten aber alle Schäden mit ihren Ursachen beseitigt werden. Lediglich zu wünschen bleibt die Rekonstruktion der Dachbekrönung. Ursprünglich gab es einen umlaufenden Fries aus Metall, der den Flachdachbereich und die Turmspitze verzierte.

Michaele Brunk,

Denkmalschutzbehörde