Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (links), Alexandra Knauer von der Firma "Knauer" und Staatssekretär Christian Gaebler testeten am am Sonnabend die E-Bikes. Foto: Gogolo

Rosemarie Kontar-Schick fährt gerne mit dem Fahrrad – auch zur Arbeit. Rund zwölf Kilometer sind es von ihrer Wohnung in Charlottenburg zu Firma „Knauer“ in Zehlendorf, wo die 63-Jährige im Büro sitzt. „Ich gehe nicht gern ins Fitnessstudio, aber ich brauche etwas, was mich auspowert, als Ausgleich für meine sitzende Tätigkeit“, sagt sie. Deshalb fährt sie Fahrrad. Wenn sie dann abends zu Hause ist, sei der Kopf wieder frei. Doch mit 63 Jahren gibt es schon das eine oder andere Zipperlein; nach einer Knie-Operation ist das Radfahren für sie nicht mehr so einfach. Deshalb meldete sich Kontar-Schick sofort, als sie davon hörte, freiwillig für die Pilotphase des Projekts „EBikePendeln“ an, das am Sonnabend offiziell gestartet wurde.

Kontar-Schick war eine von 56 „Testfahrern“, insgesamt waren es sechs Unternehmen in Steglitz-Zehlendorf, die sich an der Pilotphase beteiligten. In der zweiten Testphase sind es sogar neun Unternehmen mit 71 Arbeitnehmern, die nun acht Wochen lang mit dem Pedelec zur Arbeit fahren, die ihnen von drei Sponsoren bereitgestellt werden.

„Elektromobilität ist in aller Munde, doch keiner weiß genau, was sich dahinter verbirgt“, sagte Staatssekretär Christian Gaebler von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Die hat das Projekt „Pedelec-Korridor“ aufgelegt, zu dem das „EBikePendeln“ gehört. Mit 1,4 Millionen Euro unterstützt der Senat das Teilprojekt, aus dem man sich Erkenntnisse darüber erhofft, wie der Verkehr mit dem Elektrofahrrad unterstützt und gefördert werden kann.

Abgasfrei und leise, umweltfreundlich und ressourcenschonend, einfach zugänglich – das sind die wesentlichen Vorteile, die Gaebler in diesem Verkehrsmittel sieht – und das sei wichtig in einer Stadt wie Berlin, die ständig wächst. Nur so könne die Stadt lebenswert bleiben. Im Gegensatz zum „normalen“ Fahrrad können zudem auch weitere Strecken zurückgelegt werden. Wie die aus dem Umland nach Steglitz-Zehlendorf. An den Bahnhöfen des Bezirks sehe man viele Autos mit den Kennzeichen „PM“ und „TF“ parken, deren Besitzer von dort aus mit U- und S-Bahn in die Berliner Innenstadt fahren. Solche Verkehre mit dem Auto wolle man vermeiden und für diese Pendler Anreize schaffen, so Gaebler. Dazu gehören auch verbesserte Parkmöglichkeiten für Fahrräder an den Bahnhöfen Krumme Lanke und Mexikoplatz; es könnte dort sogar das erste Berliner Fahrradparkhaus entstehen, stellte der Staatssekretär in Aussicht. Zudem müssen sichere Ladestationen errichtet werden.

Der Bezirk unterstütze solche Bemühungen, erklärte Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU). Zusammen mit dem Umlandgemeinden setze man sich für umweltfreundliche Fahrmöglichkeiten ein. Gemeinsam wolle man „möglichst viele Bürger überzeugen, umweltfreundlich zur Arbeit zu fahren“, doch dafür brauche es auch die passende Infrastruktur und Möglichkeiten, diese teuren Fahrräder sicher abzustellen.

Es gilt aber auch Ängste abzubauen, weiß Dr. Lutz Kaden von der IHK Berlin, die in der zweiten Testphase dabei ist. Mitarbeiter aus Teltow und Kleinmachnow strampeln nun täglich nach Berlin zur Arbeit. Dass das Rad gestohlen wird oder dass man Muskelschwund bekommt, weil man nicht mehr selbst strampeln muss – diese und weitere Sorgen habe man im Vorfeld diskutiert.

Für Kaden geht es beim Elektrofahrrad aber nicht nur Umweltschutz und Ressourcenschonung, sondern auch um die wirtschaftliche Entwicklung Berlins. Es gebe ein gutes Wirtschaftswachstum in der Stadt, „Verkehr und Infrastruktur dürfen keine Bremse werden“, mahnte er. Deshalb müsse man auch nach neuen Verkehrsmöglichkeiten suchen und sie nutzen.

Kontar-Schick jedenfalls haben die acht Testwochen überzeugt, sie will sich nun selbst ein E-Bike zulegen. Pro Fahrt habe sie zehn bis zwölf Minuten Fahrtzeit eingespart, zudem sei sie weniger verschwitzt und kaputt, obwohl sie „supersportlich unterwegs“ war. Allerdings weiß sie auch, dass es vor allem zwei Hürden gibt beim Kauf eines Elektrofahrrads: das Gewicht, so ein E-Bike wiegt rund 25 Kilogramm, und der Preis, der deutlich über dem eines „normalen“ Fahrrades liegt. Letzteres würde sich aber reduzieren, wenn mehr Leute auf das Elektrofahrrad umsteigen würden, ist Kontar-Schick überzeugt.

(go)