
Gerade hatte Bezirksstadträtin Christa Markl-Vieto (Grüne) die Gäste begrüßt, da kam der Platzregen nieder. Fotos: Gogol
Und plötzlich fing es an zu regnen. Kurz vor 15 Uhr goss es plötzlich wie aus Eimern und spülte die Gesundheitskonferenz und das Fest der Nachbarn des Steglitzer Stadtteilzentrums an der Scheelestraße davon. Zum Glück hat das Stadtteilzentrum dort das Kinder-, Jugend- und Familienzentrum (KiJuNa), in das die Besucher und Veranstalter Unterschlupf fanden.
So wie die Kinder der Kita Reaumurstraße, die nun nicht mehr ihren Tigertanz aufführen konnten. „Tigerkids“ heißt das Projekt an der Kita, das dort seit 2011 stattfindet. Dabei geht es um gesunde Ernährung und Bewegung. Die Kollegen wurden speziell dafür geschult, erzählte Astrid De Jesus Rita, die Kitaleiterin. Fünf Tage in der Woche wird ein gesundes Frühstück zubereitet. Dafür gibt es eine Kasse. Jeden Tag geht ein Kind mit seinen Eltern einkaufen mit einer Liste, die von den Erziehern geschrieben wurde. In der Kita wird das Frühstück von den Knirpsen dann selbst zubereiten, sie rühren Dips an und schnippeln Gurken. Und sie lernen auch andere Lebensmittel kennen. Eine Zeit lang standen bei den Kindern Oliven hoch Kurs, berichtete De Jesus Rita.
Was die Kinder lernen, lernen auch die Eltern. Bei Elternabenden bereiteten auch sie gesundes Essen zu.
Im Vorfeld der Umstellung seien viele Eltern kritisch gewesen, andere hingegen waren dankbar dafür, erinnerte sich die Kitaleiterin. Mittlerweile aber seien alle überzeugt von der gesunden Ernährung in der Kita. Im zweiten Projektjahr steht nun die Bewegung im Mittelpunkt.
Beim Fest der Nachbarn klärte die Kita ebenfalls über gesunde Ernährung auf, etwa indem sie deutlich machte, wie viel Zucker in Lebensmitteln steckt und die verschiedenen Nahrungsmittelkategorien vorstellte. Doch auch das mussten sie alles einräumen, als der Regen niederprasselte.
Er habe mit Schlimmeren gerechnet, sagte Kristoffer Baumann, Projektleiter des KiJuNa. Man habe noch Glück, weil man ja das Hause habe, in das man sich zurückziehen konnte. Doch die Stände konnten dort nicht aufgebaut werden. Aber die Workshops fanden trotz Regen statt. Kinder, die nicht nach Hause geflüchtet waren, konnten beim Tanzworkshop mitmachen oder ihre Fitness unter Beweis stellen.
Gesundheitsförderung sei im Haus ein wichtiges Thema, erklärte Baumann, warum die Einrichtung die Gesundheitskonferenz teilnahm. „Die Kinder und Jugendlichen haben kein Bewusstsein für gesunde Ernährung und Sport“, stelle er jeden Tag fest. Zwar spielten die Jugendlichen Fußball und würden Fahrrad fahren, aber es gebe kein Bewusstsein dafür, dass sie damit etwas Gutes für sich tun, so Baumann. Auch dass gesundes Essen schmeckt und schnell zubereitet ist, versuche man im Haus den Kindern nahe zu bringen. Zum Beispiel, indem die Jugendlichen gesunde Burger selbst zubereiten. Das sei leicht gemacht und billiger als ein Menü bei den Fastfood-Ketten. Damit das aber nachhaltig ist, müsse man das Thema immer wiederholen.
(go)










Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (