
Foto: Daniela von Treuenfels
Unternehmenspleite und polizeiliche Ermittlungen: an der Birkbuschstraße läuft es nicht rund.
Das Amtsgericht Charlottenburg hat am 2. Juli „wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung“ das Insolvenzverfahren über das Vermögen der SF Grambin Beteiligung GmbH eröffnet. Dem Unternehmen gehört das Grundstück Birkbuschstraße 40-42, auf dem sich große Teile des ehemaligen Kraftwerks Steglitz befinden. Die markanten Backsteinbauten am Teltowkanal gingen vor zwei Jahren im Rahmen eines Zwangsversteigerungsverfahrens in den Besitz der heutigen Eigentümer über, die Stadtrand-Nachrichten berichteten seinerzeit über den spektakulären Verlauf der Bietzeit im Saal des Amtsgerichts Schöneberg in der Lichterfelder Ringstraße.
Nun sieht es so aus, als müsste Steffen Fräbel, Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter der SF Grambin Beteiligung GmbH, seine Immobilie wieder verkaufen. Da der Unternehmer für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, kann das bisher Geschehene nur aus dem Insolvenzrecht hergeleitet werden:
Am 7. Mai hat das Amtsgericht Charlottenburg die Insolvenz beantragt und einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt, die Stadtrand-Nachrichten berichteten. Wer der Gläubiger und damit Treiber des Verfahrens ist, ist öffentlich nicht bekannt. Der vorläufige Insolvenzverwalter ist in der Regel auch der Sachverständige, der klärt, ob ein Insolvenzgrund vorliegt. In dieser Phase hat ein Unternehmer in der Regel noch die Möglichkeit, eingeschränkt über seine Firma zu verfügen.
Dieses Recht ist Steffen Fräbel nun genommen. Seit dem 2. Juli hat die Insolvenzverwaltung die Kontrolle über die SF Grambin Beteiligung GmbH, der zuvor Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung attestiert wurden. Der Insolvenzverwalter hat nun die Aufgabe, das Vermögen der Firma zu verwalten, zu verwerten und den Erlös an die Gläubiger zu verteilen.
Zahlungsunfähigkeit besteht laut Gesetz dann, wenn „der Schuldner nicht in der Lage ist, die fälligen Zahlungspflichten zu erfüllen“. Die Überschuldung liegt vor, wenn wenn das Vermögen einer Person oder eines Unternehmens die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr deckt.
Aus Kreisen der ehemaligen Mieter erfuhren die Stadtrand-Nachrichten, dass die Nutzer des Geländes mittlerweile gänzlich andere sind als noch vor zwei Jahren, als die SF Grambin das ehemalige Kraftwerk mit seinen teils denkmalgeschützten Gebäuden gekauft hatte. Nach und nach seien die Verträge gekündigt worden, berichtet ein ehemaliger Mieter. Nun finde nach seinem Eindruck in den Gebäuden auch Wohnnutzung statt. Er habe Zweifel, ob das rechtlich in Ordnung sei.
Bezirksstadtrat Patrick Steinhoff bestätigt, dass sein Amt entsprechenden Hinweisen nachgehe. Es gebe aktuell polizeiliche Ermittlungen, weswegen er derzeit keine konkreten Auskünfte geben könne.
Daniela von Treuenfels
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Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
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Lucie Charlotte Hulda Gerson (
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Bianka Löwenherz (