
Martin Haesner kümmert sich um die alte Streuobstwiese auf der Lanke-Aue. Für die spendeten Martina Friedrich und Hartwig Fischer (von links) neue Apfelbäume. Beim Pflanzen halfen auch Schüler der Stechlinsee-Schule Friedenau. Foto: Gogol
Sie heißen „Rote Sternrenette“, „Finckenwerder Herbstprinz“ und „Roter Gravensteiner“ und haben zwei Dinge gemeinsam: Erstens: Sie sind alle alte Apfelsorten. Zweitens: Je ein Baum von ihnen wurde am Freitag auf der Streuobstwiese auf der Lanke-Aue in Lankwitz gepflanzt.
Seit Sommer vergangenen Jahres betreut Martin Haesner die fast 8.000 Quadratmeter alte Streuobstwiese, die ein wenig abseits der Straße Alt-Lankwitz liegt. Sein Ziel: Die alte Apfelbaumallee mit neuen Bäumen alter Sorten wieder vervollständigen.
Einige der alten Obstbäume auf der Streuobstwiese stehen noch, darunter auch Kirsch-, Pflaumen- und Birnenbäume. Das Bezirksamt hatte noch neue Bäume gepflanzt bevor Haesner die Pflege übernahm. Im Mai pflanzte der Lankwitzer zwei neue Bäume, am Freitag kamen nun drei hinzu.
Den regionalen „Gravensteiner“ spendete Hartwig Fischer, Präsident des Deutschen Jagdschutzverbandes und Schirmherr für den Baum des Jahres 2013, den Wild-Apfel. Bei der offiziellen Vorstellung des Baumes im vergangenen Jahr hatte er die Bläserklasse der Stechlinsee-Grundschule Friedenau kennengelernt, die unter der Leitung von Haesner die Pflanzaktion begleitete. Von der Klasse und von der Idee Haesners, das vergessene Kulturgut Apfelbaum zu fördern, war er so begeistert, dass er auch einen Apfelbaum für die Wiese spenden wollte.
Durch die Veredlung sei eine Vielfalt alter Obstsorten verlorengegangen, bedauerte Fischer. Man müsse versuchen, diese Vielfalt wiederherzustellen fand er. Dass dies gar nicht so einfach war, zeigte die Suche nach dem „Gravensteiner“. Nur drei Gärtnereien in ganz Deutschland hätten noch Pflanzen, so Fischer. Wochenlang habe man die Baumschulen abgeklappert, erinnerte sich Haesner.
Einfacher hatte es da die zweite Spenderin, Martina Friedrich, die seit 2001 in Lankwitz wohnt. Sie wusste, wo sie ihre zwei Bäume herbekommen kann. Friedrich hatte in diesem Jahr bei der Apfelernte auf der Lanke-Aue geholfen. „Das hat mich so an meine Kindheit erinnert“, erzählte sie. Friedrich ist in Hamburg aufgewachsen. Im Hof des elterlichen Hauses standen zwei Apfelbäume alter Sorten, die „Sternrenette“ und der „Herbstprinz“. Extra aus Norddeutschland hat Friedrich die Bäume geholt und ist nun gespannt, ob sie auch in Berlin gedeihen. Noch gut könne sie sich erinnern, wie reichhaltig die Ernte immer war, erzählt sie. Ihre Mutter habe ihr sogar Pakete mit Äpfeln an ihren Studienort geschickt. Vor allem der Herbstprinz eigne sich gut zum Backen oder für Apfelmus. Gepflanzt hat Friedrich die Bäume am Freitag im Andenken an ihre Großeltern und Eltern.
Auch Umwelt-Bezirksstadträtin Christa Markl-Vieto (Grüne) war zur Pflanzung gekommen und packte tatkräftig mit an. „Es macht Mut, dass es in Zeiten des Industrieapfels noch solche Projekte gibt“, würdigte sie das Engagement Haesners. Absolut beeindruckt war sie davon. Man brauche Menschen wie ihn, um etwas voranzubringen, fand sie. „Es heißt zwar immer, dass jeder Mensch ersetzbar ist. Hier aber stimmt das nicht.“
Die alte Streuobstwiese hält Haesner mit Hilfe von Schafen in Schuss, Kinder und ganze Familien kämen regelmäßig vorbei, um zu helfen. Sie beschneiden die Bäume, wässern sie, ernten Äpfel, reparieren die Zäune. Sie tun das, um den letzten Bauerngarten in Lankwitz zu erhalten.
(go)










Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (