In einer kleinen Weihnachtsserie werden wir in diesem Jahr verschiedene Ehrenamtsprojekte in Steglitz-Zehlendorf vorstellen. Heute setzten wir die Serie mit dem Projekt „fee – Ehrenamt an Schule“ fort.

Katharina Kloß (links) vom Mittelhof und die ehemalige Lehrerin Martina Wapler sind Feen. Foto: Gogol
Martina Wapler ist eine „Fee“. Sie hat zwar keine Flügel und auch keinen Zauberstab, dafür aber ein großes Herz für Kinder und Ahnung von Mathematik, Deutsch und Englisch. Damit hilft sie den Kindern an der Grundschule am Buschgraben bei den Hausaufgaben. Martina Wapler ist eine von derzeit 51 Ehrenamtlichen, die sie im Projekt „fee – Ehrenamt an Schule“ engagieren.
Wapler war früher Konrektorin an einer Neuköllner Schule. „Ich weiß, was morgens gespielt wird, das macht es einfacher, sagt die 70-Jährige. Vor fünf Jahren ging sie in den Ruhestand und suchte eine Aufgabe. „Ich bin immer gern in die Schule gegangen – als Lehrerin“, sagt sie. Unterrichten war immer Teil ihres Lebens, den wollte sie auch mit 65 Jahren nicht aufgeben. Also engagiert sie sich in der Hausaufgabenbetreuung, „da fühle ich mich kompetent“. In der Zeitung habe sie von „fee“ gelesen, als sie frisch im Ruhestand war und nicht wusste, was sie mit der neuen Freizeit anfangen sollte. „Wenn man 65 ist, sollte man sich nicht zur Ruhe begeben“, findet Wapler und ergänzt: „Es gibt immer was zu tun“.
Dass ihre Arbeit geschätzt wird, das erfährt sie von den Erzieherinnen. „Sie geben einem das Gefühl, man wird gebraucht“, so die Ehrenamtliche, die außerdem einmal in der Woche im Café der Villa Mittelhof aushilft. Im kommenden Jahr wird Waplers Einsatz als gute Fee noch mehr gefragt sein, denn dann wird das „fee“-Projekt umstrukturiert, wobei Wapler den anderen Ehrenamtlichen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen wird.
Vor fünf Jahren wurde das Projekt „fee“ von Gerald Saathof und Claudia Hofbauer vom Mittelhof e.V. aus der Taufe gehoben, um eine Brücke zuschlagen, erklärt Katharina Kloß vom Mittelhof. „Ehrenamt in der Schule gab es so nicht“, sagt Kloß. Die „fee“-Freiwilligen helfen nicht nur bei den Hausaufgaben, sondern bieten auch Einzelförderungen an, helfen bei der Gestaltung des Schulhofes oder gründen Arbeitsgemeinschaften beispielsweise in Tanz, Kochen, Schach und Theater.
So auch Götz Eichstädt, der an der katholischen Grundschule St. Ursula in Zehlendorf eine Theater-AG gegründet hat, „damit mir zu Hause die Decke nicht auf den Kopf fällt. 2009 ging Eichstädt in den Ruhestand. „Ich habe aber nie den Einstieg gefunden“, erzählt er. Auch Eichstädt war vor seinem Ruhestand Lehrer, unterrichtete an der Humboldt-Schule. Dort habe es eine sehr rührige Theater-AG gegeben. Als daraus das Fach Darstellendes Spiel wurde, begleitete der Englisch- und Latein-Lehrer den Kurs. Viele Erfahrungen habe er dort gesammelt, so Eichstädt. Und als Katharina Kloß ihn fragte, was er denn ehrenamtlich gern tun würde, hatte er die die Idee mit der AG. „Ich habe den Lehrerberuf sehr gerne ausgeübt, weil ich dort mit jungen Menschen zu tun hatte“, erklärt Eichstädt. „Dieser Austausch fehlt mir völlig, denn in meinen Bekanntenkreis gibt es nur Menschen meines Alters.“ Mit Kindern zu arbeiten, zu sehen, wie sie sich entwickeln, zu schauen, wie man sie fördern könne, das sei spannend für ihn, sagt Eichstädt. Ganz bewusst entschied er sich also für ein Ehrenamt in der Schule.
Seit August 2012 leitet Eichstädt die AG, probt einmal in der Woche mit zwölf Schülern eine Nummernrevue. „Ich wollte erst einmal austesten, wozu die Kinder in der Lage sind.“ Er studiert mit den Schülern Sketche und Texte ein, um einen bunten Abend zu gestalten. Danach soll ein größeres Projekt folgen.
Die Ehrenamtlichen werden je nach ihren Kompetenzen, Leidenschaften und Wünschen eingesetzt. „Sie bieten das an, was Schule nicht leisten kann. Die Erzieher werden oft allein gelassen“, erklärt Kloß. Zunächst seien die Schulen noch ein wenig skeptisch gewesen, erinnert sich Wapler, die von Anfang an beim Projekt dabei ist. Heute jedoch freuten die sich über die Unterstützung, auch weil „fee“ ihnen Arbeit abnimmt. Denn das Projekt sucht die Ehrenamtlichen, führt mit ihnen ein Erstgespräch, verlangt von ihnen das erweiterte polizeiliche Führungszeugnis und schließt einen Vereinbarung mit ihnen über ihren Einsatz ab. Und nicht nur die Schulen sind zufrieden. „Ich bin froh, dass es die Institution gibt“, sagt Eichstädt über fee.
Wer für eine Schule eine „gute Fee“ sein will, aber auch interessierte Schulen können sich sich bei den Mitarbeitenden von fee, Claudia Hofbauer, Katharina Kloß und Gerald Saathoff, melden, Telefon (030) 80 19 75 33.
(go)










Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (