Adilson Isuelelo (zweiter von links) und Felix Montag wurden von Bürgermeister Kopp mit einem Stipendium ausgezeichnet. Ihre betreuerinnen freuten scich mit ihnen. Foto: Gogol

Adilson Isuelelo (zweiter von links) und Felix Montag wurden von Bürgermeister Kopp mit einem Stipendium ausgezeichnet. Ihre betreuerinnen freuten scich mit ihnen. Foto: Gogol

Strebsame junge Auszubildende in einem Handwerksberuf, die in einer finanziellen Notlage sind, wollte der Bankdirektor Ernst Dillan mit seiner Stiftung unterstützen und hinterließ dem Land Berlin 1956 zu diesem Zweck 100.000 DM. Seit damals konnten 251 junge Menschen mit dem Zinsertrag dieses Vermögens gefördert werden – am Freitag kamen zwei weitere dazu.

Im Rathaus begrüßten Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU) und der für die Stiftungen im Bezirk zuständige Manuel Kühnert Adilson De Assuncao Francesco Hele Isuelelo und Felix Montag, die nun ein Jahr lang monatlich zu ihrem Ausbildungsgehalt 100 Euro zusätzlich erhalten.

Isuelelo lernt beim Freien Träger „Wohnwerkstatt e. V.“ den Beruf des Teilezurichters. Der heute 23-Jährige kam 2002 aus Angola nach Berlin. Zwölf Jahre war er damals und ganz allein. In einer Förderklasse lernte er Deutsch, wechselte dann an die Oberschule. Über ein Praktikum lernte er den Beruf kennen, den er jetzt lernt. Doch Isuelelo ist nicht nur für sich selbst verantwortlich. Er ist alleinerziehender Vater. Und so weiß er auch schon, was mit dem zusätzlichen Geld geschehen soll. „Ich möchte das Zimmer für meine Tochter einrichten“, sagte er.

Sport, Klamotten, ein Freizeitleben – das sollen die 100 Euro Felix Montag ermöglichen. Der 18-Jährige lernt den Beruf des Tischlers im Ausbildungswerk Kreuzberg. Er habe die Schule nach der 9. Klasse abgebrochen, erzählte Montag. Den Hauptschulabschluss bekam er gerade so. Bei der Ausbildung zeige er sehr viel Engagement und Ehrgeiz, berichtete Heike Blisse vom Ausbildungswerk. Sie hatte ihn für das Stipendium vorgeschlagen. Dabei sei der Start in die Ausbildung für Montag nicht leicht gewesen, das zuständige Jugendamt wollte die Kosten dafür nicht übernehmen. So absolvierte der gebürtige Steglitzer erst einmal ein Praktikum über neun Monate. „Er hat das durchgehalten, weil er ein Ziel hatte“, lobte Blisse ihn.

Sieben Bewerbungen habe es in diesem Jahr auf den Aufruf gegeben – erstaunlich viel, sagte Kühne. Es gebe manchmal Jahre, da werde man das Geld kaum los.

Es sei schwer, jemanden in einer finanziellen Notlage zu finden, erklärte Heike Jeßnitz von der Wohnwerkstatt. Wagner sah das Problem eher in der Bedingung der „Strebsamkeit“. Das Klientel im Ausbildungswerk habe sich geändert. Die Jugendlichen seien problembeladen. Sich an feste Strukturen zu halten, etwa regelmäßig und pünktlich zur Ausbildung zu erscheinen, sei für sie schwierig.

Wenn es aber Anträge gebe, dann habe es jeder verdient, sagte Kühnert. Eine Auswahl zu treffen falle schwer. Geirrt habe man sich nur einmal. In den zwölf Jahren, in denen er für die Vergabe zuständig ist, habe es nur einen Abbrecher gegeben.

(go)