Es war vor sechs Jahren, da hatte Hartmut Röder genug – genug vom Dreck und Müll, genug vom Graffiti, genug von zerstörten Bänken. Er nahm all seinen Mut zusammen und begann, den Lilienthalpark aufzuräumen. Seitdem tut er das jeden Freitag, außer wenn es regnet. Zuerst allein, seit anderthalb Jahren wird er dabei von Rosemarie Lehmann unterstützt. Beide präsentierten sich als Ehrenamtler auf der Freiwilligenbörse am Sonnabend im Rathaus Zehlendorf.
Wenn es kein Denkmal für Lilienthal gewesen wäre, wer weiß, ob Röder sich damals an die Arbeit gemacht hätte. So war es ihm eine Herzenssache gewesen. Wenn er los ziehtt, hat Röder stets eine „Werkstattfahrzeug“ dabei, wie Lehmann es nennt. Der ist gut bestückt, mit Besen und Schaufeln, Müllgreifern, Käschern und einem Akkuschrauber. Die Hauptaufgaben der beiden Ehrenamtler: Bänke reparieren und Graffiti entfernen. Aber auch Flaschen und Schwimmkerzen aus dem Spiegelteich fischen, Einmal-Grills, Glas und Müll entsorgen, um den Park wieder „wochenendfein“ zu machen. Alleinkämpfer sind Röder und Lehmann nicht – sie erhalten Unterstützung vom Mittelhof e.V., einer Bürgerinitiative und auch vom Bezirksamt. Personell könnten die beiden allerdings noch gut Hilfe vertrage. Wer die beiden unterstützen will, kann jeden Freitag zwischen 14 und 18 Uhr in den Park kommen, ist der Werkzeugwagen da, sind es auch die beiden.
Wer weniger Müllsammeln mag, aber sich trotzdem engagieren will, der fand im Bürgersaal noch 33 weitere Verbände und Vereine, die sich über Unterstützung freuen würden. Etwa das Blindenhilfswerk. Das brauchen Freiwillige vor allem für Sonderaktionen, erklärte Thomas Schmidt, vom Verein. Etwa zum Laub fegen oder als Hilfe bei Feiern. Im kommenden Jahr wird auch wieder ein „Garten der Sinne“ für Schüler angeboten. Von Mai bis zu den Sommerferien können Schulklassen erfahren, wie man die Umwelt auch ohne Augen erfahren kann. Dazu braucht das Blindenhilfswerk Freiwillige, die die Klassen herumführen.
Sehr interessante Gespräche habe er geführt, erzählte Schmidt. Es habe auch schon Interessenten gegeben.
Ganz anders beim Technischen Hilfswerk (THW) Steglitz. Kaum jemand schaute am Stand vorbei, an dem Dienststellenleiter Ulrich Vogel und Horst Schwarzer, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, gern über ihre Arbeit informiert hätten. Darüber, dass man bereits mit elf Jahren in die Jugendgruppe eintreten kann, dass die Kameraden weltweit tätig sind, bei Katastrophen ausrücken, wenn es darum geht, Mensch und Tier zu retten. Auch Erwachsene werden gerne aufgenommen, vor allem Handwerker, Menschen, die gut mit Computern umgehen können oder Ingenieure. Dass das THW unter Nachwuchsmangel leidet, liege auch daran, dass die Jungs heute lieber am Computer spielen, weiß Schwarzer.
Darum, Tiere zu retten, geht e auch dem Verein Tier & Mensch. Über Massentierhaltung aufklären wollen Helga Salehi und Imke Vogel-Okra. Dazu hatten sie reichlich Informationsmaterial mitgebracht, nicht nur zu den Auswirkungen von Massentierhaltung, sondern auch darüber, was Heimtiere brauchen und über richtige Ernährung. Tierschutzlehrerin Salehi erzählte auch über ihre Projekte, etwa in Afrika, wo sie zusammen mit Kindern ein Stück über den Tierschutz einstudiert hat.
Auch dieser Verein sucht Freiwillige, die auf Veranstaltungen Stände betreuen und Flyer verteilen. Wer Tier & Mensch unterstützen will, kann sich am Mittwoch, 5. September, bei einer Zusammenkunft im Bürgertreffpunkt S-Bahnhof Lichterfelde West, über die Arbeit informieren. Ab 18 Uhr sind alle Interessierten willkommen.
Auch wenn es in diesem Jahr weniger Besucher waren als im Jahr zuvor war Dagmar Michaelis-Ollrogge von der Freiwilligenagentur mit dem Interesse an der Börse zufrieden. Das sei aber kein Zeichen für nachlassendes Engagement, sagt sie. Das Interesse an Freiwilligendienst sei eher gestiegen. Und die Leute würden auch jünger. Viele wollten in ihrer Freizeit etwas Sinnvolles tun, weiß sie aus Gesprächen. Allen, die noch nicht wissen, was das Richtige für sie sein könnte, für den ist die Freiwilligenagentur der erste Ansprechpartner, und das seit mittlerweile zehn Jahren.
(go)













Foto (bearbeitet): Daniela von Treuenfels[/caption]
Die Stadträtin stoppte eine Kinderbuch-Lesung, es folgte der Vorwurf der Zensur. Junge Leute trafen sich zum Protest, der mit einem Eklat endete.
Daniel Eliasson ist ein bisschen stolz – er hat den Anlass dafür geschaffen, dass sich an einem warmen Spätsommertag mehrheitlich junge Menschen auf dem Hermann-Ehlers-Platz versammeln, um friedlich gegen eine Entscheidung der Bezirksstadträtin Malgorzata Sijbrandi (CDU) zu demonstrieren. Als Bezirksverordneter nahm Eliasson Einsicht in die Akten, die aufzeigen, wie es zu bestimmten Entscheidungen der Stadträtin kam. „Ich habe das dann der Morgenpost gegeben“, sagt der Grünen-Politiker – wie man das halt so macht, wenn man ein Thema platzieren will.
Dass Eliasson wenige Minuten später das Mikrofon abgestellt wird und die beiden Versammlungsleiterinnen ihn mit Hilfe der Polizei zum Schweigen bringen werden, weiß der Kandidat für das Abgeordnetenhaus in diesem Moment noch nicht.
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Während er noch spricht, wird dem Grünen-Politiker Daniel Eliasson das Mikro abgedreht. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Aber der Reihe nach.
Zu Jahresbeginn plante die Stadtbibliothek zwei „interaktive Drag Performance Lesungen für Kinder“, die im Herbst stattfinden sollten. Dem Leiter des Fachbereichs war bewusst, „dass diese Art der Leseförderung diskutabel ist und sicherlich auch polarisiert“. So schrieb er es in einer Mail an seine Vorgesetzte Sijbrandij, die er angesichts der „Auswirkungen des letzten Drag-Auftritts“ einbinden wollte.
Hintergrund der Vorsicht sind Ereignisse rund um Drag-Künstlerinnen, die zufällig zeitlich nahezu parallel stattfanden und teilweise ein großes öffentliches Interesse hervorriefen. Im Oktober 2025 wurde bekannt, dass gegen die Berliner Dragqueen Jurassica Parka wegen des Verdachts auf Verbreitung von Kinderpornografie ermittelt wird. Dabei kam auch an die Öffentlichkeit, dass die seit 20 Jahren aktive Dragqueen bereits drei Jahre zuvor wegen Verbreitens pornografischer Schriften vom Amtsgericht Tiergarten zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte im Berliner Südwesten die Tatsache, dass Jurassica Parka im August 2024 Teil des Drag-Festivals „Queens & Flowers“ im Botanischen Garten war. Die Veranstaltung beinhaltete ein Familienprogramm und eine Vorlesestunde mit Dragqueens, in das Parka jedoch nicht eingebunden war.
Im Auge des Orkans fand sich am 24. Oktober 2025 die Drag-Lesung "Wir lesen euch die Welt, wie sie euch gefällt" in der Steglitzer Ingeborg-Drewitz-Bibliothek. Eingeladen waren Kinder ab vier Jahren. "Die zauberhafte Königin Vicky Voyage und der sagenumwobene König Eric erzählen euch Märchen von Liebe und Toleranz", hieß es in der Ankündigung. "Taucht ein in farbenfrohe und magische Welten!"
Mitten im Sturm: Malgorzata Sijbrandij. Die 45jährige Juristin hatte ihr Amt erst am 15. Oktober angetreten.
Gefragt nach einer Wiederholung reagierte die Stadträtin ablehnend, ihre Haltung begründete sie ausführlich. „Schon bei der Drag-Lesung im letzten Jahr hat mich das Format nicht vollends überzeugt“, so die Dezernentin. Zudem trete die Künstlerin unter dem Namen „King Alexander the Dick“ auf, woran sich Kritiker stören könnten. Die Veranstaltung diene nicht vornehmlich der Leseförderung. Und angesichts der zu erwartenden „polarisierenden Begleitung“ sollten Kinder vor politischer Instrumentalisierung geschützt werden.
Die Korrespondenz der Dezernentin mit der Bibliotheksleitung ist mittlerweile öffentlich auf dem Portal „Frag den Staat“ einsehbar. Die Initiative setzt sich ein für transparentes staatliches Handeln und hilft Bürgerinnen und Bürgern bei Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz.
Das funktioniert nicht immer. Manchmal verweigern Behörden die Auskunft, manchmal mit fadenscheinigen Begründungen wie zu hoher Arbeitsbelastung. Teilweise werden auch hohe Gebühren verlangt, die abschreckend wirken (sollen). Insofern ist die
Die Regenbogenflagge weht über dem Hermann-Ehlers-Platz. Gegenüber befindet sich das Rathaus Steglitz und das Einkaufscenter "Das Schloss", in dem auch die Ingeborg-Drewitz-Bibliothek ihren Sitz hat. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Auf dem Hermann-Ehlers-Platz hat am 31. August niemand Anteilnahme für eine Amtschefin, die im vergangenen Oktober erlebte, wie eine mediale Welle ihren Schreibtisch anzündete, an dem sie sich gerade einarbeitete. Im Gegenteil – einer der Vorwürfe lautet: Mit ihrer pauschalen Ablehnung stelle Malgorzata Sijbrandij die Dragszene unter Generalverdacht.
„Drag hat nichts mit Sexualität, Kink oder anderen für Kinder ungeeignete Themen zu tun“, sagt Drag Quing Cynna Moon, Quing ist eine Kombination aus Queen und King. Cynna Moon verortet sich also irgendwo zwischen den Geschlechtern, nutzt neutrale Pronomen und ist Sozialarbeiti:. Drag bedeute, sagt Moon, „mutig zu sich selbst zu stehen, und Menschen mit Respekt und Akzeptanz zu begegnen.“ Es sei „unsere Pflicht, Kinder mit Lebensrealitäten in Kontakt zu bringen, die vielleicht nicht ihre eigenen sind. Menschen anderer Herkunft, anderer Klasse, anderer körperlicher und geistiger Fähigkeiten – und eben auch Menschen verschiedener Sexualitäten, Genderidentitäten und Geschlechtsausdrücken.“ Moons kleine Performance findet Beifall unter den rund 50 Demoteilnehmern.
Franzi Groß von der Grünen Jugend sagt, Bibliotheken sollten auch queeren Jugendlichen einen sicheren Raum bieten: „Bibliotheken sollten für ihre Benutzer*innen einen Safe Space darstellen. Das kulturelle Angebot, das sie bieten sollte so vielfältig sein wie ihre Besucher*innen. Wo kommen wir denn da hin, wenn wir den Bibliotheken es nicht mehr selbst überlassen zu entscheiden, welche Veranstaltungen sie für angemessen halten?“
Mitglieder der linken Gruppierung "Pride Rebellion" sind unter den Teilnehmern der Demonstration. Niemand stört sich an ihrer Anwesenheit. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
In all der Aufregung blieb die Anwesenheit einer antisemitischen queeren Gruppe unbemerkt oder geduldet, in jedem Fall jedoch unkommentiert. „Pride Rebellion“ engagiert sich gegen „Gewalt und Leugnung gegen LGBTI+ (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Intergeschlechtliche Personen)“. Im „Kampf gegen Heterosexismus“ müsse man sich zusammentun und verteidigen „gegen das System, das uns unterdrückt“.
„Als Pride Rebellion organisieren wir uns explizit unter jungen LGBTI+ Personen“, heißt es auf der Webseite. Die „Befreiung“ sei im Kapitalismus nicht möglich, daher brauche es den Klassenkampf und die „soziale Revolution“.
Pride Rebellion ist eine Gründung von „Young Struggle“ (YS), die seit 2010 bestehende international agierende Jugendorganisation der türkischen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP), die in der Türkei verboten ist (
danke für den schönen artikel. aber ein fehlerchen hat sich eingeschlichen. die ehrenamtlichen im lilienthalpark werden von der bürgerinitiative nofitti in steglitz/zehlendorf unterstüzt. hinweis: am kommenden sa, d. 8.9.2012 findet das 7. große fliegefest im lilienthalpark von 13.45-18.00 uhr statt. ein familienkiezfest vieler solzialeinrichtungen und gefördert vom beziksamt stegl./zehlend. veranstalter ist der mittelhof e.v.. eröffnet wird es vom bezirsbürgermeister norbert kopp. meine wenigkeit berichtet über otto lilienthal und weitere forscher und entdecker. in einem gleiternachbau M=1:2 können kinder einsteigen und den traum des fliegens nachvollziehen. viele grüße von hartmut röder, 4.9.2012.