Geborgenheit geben, Kompetenzen fördern, Persönlichkeit stärken – der Aufwind e.V. engagiert sich für Kinder zwischen vier und 14 Jahren, bietet Hilfe bei den Hausaufgaben, einen Platz zum Spielen, Lösungen bei Problemen in der Schule und täglich ein warmes Mittagessen. Und das bereits seit zehn Jahren.
2002 wurde der Verein von Mitarbeitern der Kreuzkirche in Lankwitz gegründet. Die wollten eigentlich nur einen Hort einrichten, erinnert sich Klaus Kittsteiner, damals Mitbegründer und heute 1. Vorsitzender des Vereins. Damals seien Horte noch nicht so verbreitet gewesen. „Wir sind in eine Lücke gestoßen“, so Kittsteiner. Die Gründung des Vereins Aufwind sei die „Hilfskonstruktion“ gewesen.
Die Idee sei gewesen, die Kinder nicht nur zu betreuen, sie „zu verwahren“, sondern ihnen auch Werte zu vermitteln, Lebenshilfe zu geben, so Kittsteiner. Das Kochen gehörte von Anfang an dazu. Damals seien es die Mitarbeiter gewesen, die für die Kinder kochten. Irgendwann war das nicht mehr möglich – die Zahl der Kinder nahm stetig zu. Die pädagogische Arbeit wäre sonst zu kurz gekommen, so Kittsteiner. Ehrenamtler übernahmen dann das Kochen.
Eine viel größere Aufgabe kam auf den Verein zu, als Horte an Schulen eingerichtet wurden, die Verlässliche Halbtagsschule Standard wurde. Zudem konnte der Verein einige Auflagen, die an den Betrieb eines Hortes gestellt wurden, zum Beispiel eigene Räume, nicht mehr erfüllen. Der Hort musste sich wandeln, hin zum offenen Schülertreff. „Es war schon spannend, wie geht es weiter“, erinnert sich Kittsteiner an diese Zeit des Umbruchs, die der Verein aber meisterte.
Heute betreuen die größtenteils ehrenamtlichen Mitarbeiter täglich 20 bis 25 Kinder, die dort so etwas wie ihr „zweites Zuhause“ gefunden haben. Es werden gemeinsam Hausaufgaben gemacht und gelernt, aber es wird auch gebastelt, getanzt und musiziert.
Viele der Kinder, die dort ihre Nachmittag verbringen, kommen aus der benachbarten Paul-Schneider-Schule. Deshalb kooperierten beide Einrichtung eine Zeit lang miteinander, etwa bei der Hilfe bei Schul- und Hausaufgaben. Doch als die Gelder gestrichen wurden, wurde auch die Kooperation eingestellt.
Die Zusammenarbeit mit der Kreuzkirche aber besteht weiterhin, beispielsweise bei der VIP Lounge, die Dienstags und Donnerstag ein buntes Programm für Kinder zwischen sechs und 14 Jahren bietet und Eltern die Möglichkeit gibt, sich bei bei Kaffee und Kuchen zu entspannen. Zudem werden durch die Zusammenarbeit diverse Freizeitangebote und Ferienworkshops angeboten.
Getragen wird der Verein ausschließlich durch Spenden. Eltern der Kinder und Freunde des Vereins finanzieren die Arbeit.
In der Woche vom 11. bis 16. September feiert Aufwind sein zehnjähriges Bestehen. Am Dienstag kommt um 15.30 Uhr Gaukler Goike, einen Tag später ist von 13.30 bis 16 Uhr Besuchertag. Die große Jubiläumsfeier steigt am Donnerstag um 16 Uhr, Abschluss der Jubiläumswoche ist der Gottesdienst mit Überraschungsbuffet am Sonntag um 10 Uhr, zu dem jeder was mitbringt. Der Verein freut sich auf alle, die mitfeiern wollen.
(go)













Foto (bearbeitet): Daniela von Treuenfels[/caption]
Die Stadträtin stoppte eine Kinderbuch-Lesung, es folgte der Vorwurf der Zensur. Junge Leute trafen sich zum Protest, der mit einem Eklat endete.
Daniel Eliasson ist ein bisschen stolz – er hat den Anlass dafür geschaffen, dass sich an einem warmen Spätsommertag mehrheitlich junge Menschen auf dem Hermann-Ehlers-Platz versammeln, um friedlich gegen eine Entscheidung der Bezirksstadträtin Malgorzata Sijbrandi (CDU) zu demonstrieren. Als Bezirksverordneter nahm Eliasson Einsicht in die Akten, die aufzeigen, wie es zu bestimmten Entscheidungen der Stadträtin kam. „Ich habe das dann der Morgenpost gegeben“, sagt der Grünen-Politiker – wie man das halt so macht, wenn man ein Thema platzieren will.
Dass Eliasson wenige Minuten später das Mikrofon abgestellt wird und die beiden Versammlungsleiterinnen ihn mit Hilfe der Polizei zum Schweigen bringen werden, weiß der Kandidat für das Abgeordnetenhaus in diesem Moment noch nicht.
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Während er noch spricht, wird dem Grünen-Politiker Daniel Eliasson das Mikro abgedreht. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Aber der Reihe nach.
Zu Jahresbeginn plante die Stadtbibliothek zwei „interaktive Drag Performance Lesungen für Kinder“, die im Herbst stattfinden sollten. Dem Leiter des Fachbereichs war bewusst, „dass diese Art der Leseförderung diskutabel ist und sicherlich auch polarisiert“. So schrieb er es in einer Mail an seine Vorgesetzte Sijbrandij, die er angesichts der „Auswirkungen des letzten Drag-Auftritts“ einbinden wollte.
Hintergrund der Vorsicht sind Ereignisse rund um Drag-Künstlerinnen, die zufällig zeitlich nahezu parallel stattfanden und teilweise ein großes öffentliches Interesse hervorriefen. Im Oktober 2025 wurde bekannt, dass gegen die Berliner Dragqueen Jurassica Parka wegen des Verdachts auf Verbreitung von Kinderpornografie ermittelt wird. Dabei kam auch an die Öffentlichkeit, dass die seit 20 Jahren aktive Dragqueen bereits drei Jahre zuvor wegen Verbreitens pornografischer Schriften vom Amtsgericht Tiergarten zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte im Berliner Südwesten die Tatsache, dass Jurassica Parka im August 2024 Teil des Drag-Festivals „Queens & Flowers“ im Botanischen Garten war. Die Veranstaltung beinhaltete ein Familienprogramm und eine Vorlesestunde mit Dragqueens, in das Parka jedoch nicht eingebunden war.
Im Auge des Orkans fand sich am 24. Oktober 2025 die Drag-Lesung "Wir lesen euch die Welt, wie sie euch gefällt" in der Steglitzer Ingeborg-Drewitz-Bibliothek. Eingeladen waren Kinder ab vier Jahren. "Die zauberhafte Königin Vicky Voyage und der sagenumwobene König Eric erzählen euch Märchen von Liebe und Toleranz", hieß es in der Ankündigung. "Taucht ein in farbenfrohe und magische Welten!"
Mitten im Sturm: Malgorzata Sijbrandij. Die 45jährige Juristin hatte ihr Amt erst am 15. Oktober angetreten.
Gefragt nach einer Wiederholung reagierte die Stadträtin ablehnend, ihre Haltung begründete sie ausführlich. „Schon bei der Drag-Lesung im letzten Jahr hat mich das Format nicht vollends überzeugt“, so die Dezernentin. Zudem trete die Künstlerin unter dem Namen „King Alexander the Dick“ auf, woran sich Kritiker stören könnten. Die Veranstaltung diene nicht vornehmlich der Leseförderung. Und angesichts der zu erwartenden „polarisierenden Begleitung“ sollten Kinder vor politischer Instrumentalisierung geschützt werden.
Die Korrespondenz der Dezernentin mit der Bibliotheksleitung ist mittlerweile öffentlich auf dem Portal „Frag den Staat“ einsehbar. Die Initiative setzt sich ein für transparentes staatliches Handeln und hilft Bürgerinnen und Bürgern bei Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz.
Das funktioniert nicht immer. Manchmal verweigern Behörden die Auskunft, manchmal mit fadenscheinigen Begründungen wie zu hoher Arbeitsbelastung. Teilweise werden auch hohe Gebühren verlangt, die abschreckend wirken (sollen). Insofern ist die
Die Regenbogenflagge weht über dem Hermann-Ehlers-Platz. Gegenüber befindet sich das Rathaus Steglitz und das Einkaufscenter "Das Schloss", in dem auch die Ingeborg-Drewitz-Bibliothek ihren Sitz hat. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Auf dem Hermann-Ehlers-Platz hat am 31. August niemand Anteilnahme für eine Amtschefin, die im vergangenen Oktober erlebte, wie eine mediale Welle ihren Schreibtisch anzündete, an dem sie sich gerade einarbeitete. Im Gegenteil – einer der Vorwürfe lautet: Mit ihrer pauschalen Ablehnung stelle Malgorzata Sijbrandij die Dragszene unter Generalverdacht.
„Drag hat nichts mit Sexualität, Kink oder anderen für Kinder ungeeignete Themen zu tun“, sagt Drag Quing Cynna Moon, Quing ist eine Kombination aus Queen und King. Cynna Moon verortet sich also irgendwo zwischen den Geschlechtern, nutzt neutrale Pronomen und ist Sozialarbeiti:. Drag bedeute, sagt Moon, „mutig zu sich selbst zu stehen, und Menschen mit Respekt und Akzeptanz zu begegnen.“ Es sei „unsere Pflicht, Kinder mit Lebensrealitäten in Kontakt zu bringen, die vielleicht nicht ihre eigenen sind. Menschen anderer Herkunft, anderer Klasse, anderer körperlicher und geistiger Fähigkeiten – und eben auch Menschen verschiedener Sexualitäten, Genderidentitäten und Geschlechtsausdrücken.“ Moons kleine Performance findet Beifall unter den rund 50 Demoteilnehmern.
Franzi Groß von der Grünen Jugend sagt, Bibliotheken sollten auch queeren Jugendlichen einen sicheren Raum bieten: „Bibliotheken sollten für ihre Benutzer*innen einen Safe Space darstellen. Das kulturelle Angebot, das sie bieten sollte so vielfältig sein wie ihre Besucher*innen. Wo kommen wir denn da hin, wenn wir den Bibliotheken es nicht mehr selbst überlassen zu entscheiden, welche Veranstaltungen sie für angemessen halten?“
Mitglieder der linken Gruppierung "Pride Rebellion" sind unter den Teilnehmern der Demonstration. Niemand stört sich an ihrer Anwesenheit. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
In all der Aufregung blieb die Anwesenheit einer antisemitischen queeren Gruppe unbemerkt oder geduldet, in jedem Fall jedoch unkommentiert. „Pride Rebellion“ engagiert sich gegen „Gewalt und Leugnung gegen LGBTI+ (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Intergeschlechtliche Personen)“. Im „Kampf gegen Heterosexismus“ müsse man sich zusammentun und verteidigen „gegen das System, das uns unterdrückt“.
„Als Pride Rebellion organisieren wir uns explizit unter jungen LGBTI+ Personen“, heißt es auf der Webseite. Die „Befreiung“ sei im Kapitalismus nicht möglich, daher brauche es den Klassenkampf und die „soziale Revolution“.
Pride Rebellion ist eine Gründung von „Young Struggle“ (YS), die seit 2010 bestehende international agierende Jugendorganisation der türkischen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP), die in der Türkei verboten ist (