Elterntaxi muss nicht sein: Zu Fuß zur Schule

Elterntaxi muss nicht sein: Zu Fuß zur Schule

Foto von U. J. Alexander

 

Nicht nur zum Aktionstag zum Schulbeginn: Verschiedene Initiativen setzen sich dafür ein, dass Kinder ihren Schulweg sicher zu Fuß, mit dem Roller oder mit dem Fahrrad zurücklegen können. Datengestützte Analysen können zur Schulwegsicherheit beitragen.

„Wir appellieren dringend an alle Eltern, gleich zu Beginn des neuen Schuljahres das Auto stehen zu lassen und die Kinder entweder zu Fuß oder mit dem Rad zu begleiten oder sie in Lauf- oder Radelgemeinschaften selbstständig losziehen zu lassen. Kinder, die zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Roller zur Schule kommen, nehmen ihre Umgebung aktiv wahr. Sie lernen so, sich gut zu orientieren und auf sich selbst aufzupassen. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein – auch für andere Lebenssituationen,“ betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes zum jährlichen Aktionstag „Zu Fuß zur Schule“.

Insbesondere mit jüngeren Kindern empfiehlt es sich, vor dem ersten Schultag, gemeinsam einen sicheren Weg festzulegen und mehrmals abzulaufen. Dieser Weg muss nicht der kürzeste sein, sondern sollte schwierige Straßen und Kreuzungen möglichst umgehen.

Dort, wo das „Elterntaxi“ durch lange Schulwege oder fehlende Schulbusse nicht gänzlich zu vermeiden ist, regen die Verbände an, Fahrgemeinschaften zu gründen. Diese können das Verkehrsaufkommen vor den Schulen erheblich minimieren und so zu mehr Sicherheit beitragen. Empfehlenswert ist außerdem, in einiger Entfernung zur Schule einen gemeinsamen Punkt zum Aussteigen festzulegen oder sogar Elterntaxihaltestellen einzurichten. So können die Kinder auch hier die letzten 300 bis 500 Meter zu Fuß gehen.

Erfahrungen im Straßenverkehr vertiefen, aber auch die Vorteile des Zu- Fuß-Gehens entdecken, können Kinder während der Aktionstage „Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten“ zwischen dem 18. und 29. September. Zu diesen rufen das Deutsche Kinderhilfswerk und der VCD gemeinsam auf. Jeder kann mitmachen unter
www.zu-fuss-zur-schule.de.

Zu Fuß zu Schule

Aktionstage „Zu Fuß zur Schule“: www.zu-fuss-zur-schule.de
Tipps für den sicheren Schulweg: www.vcd.org/zu-fuss-zur-schule
Erobere Dir die Straße zurück: www.vcd.org/strasse-zurueckerobern

100 Schulzonen

Mit der Kampagne #100Schulzonen macht die Initiative changing cities sich für verkehrsfreie Zonen vor Berliner Schulen stark. Vor jeder Einrichtung soll der Straßenraum den Schulkindern gehören, befreit von Kfz. Die Aktivisten fordern jedes Jahr vor hundert Berliner Schulen die Einrichtung verkehrsberuhigter Schulzonen, also 100 Schulzonen pro Jahr bis 2030. In Nebenstraßen, so ein Vorschlag, könne beispielsweise ein Teil der Straße mit Hilfe von Pollern für Kinder geöffnet werden, als erweiterter Schulhof. Aber auch die Hauptverkehrsstraßen müssten in die Planung einbezogen werden.

Regelmäßig finden Schulzonen-Aktionen statt, an denen Interessierte sich beteiligen können.

Alle Infos: changing-cities.org/100schulzonen

Sichere Schulwege recherchieren

Seit einigen Jahren gibt es das Portal gefahrenstellen.de, das mithelfen möchte, gefährliche Bereiche im Straßenverkehr zu beseitigen. Seit Sommer 2022 ist über die Website auch die Planung eines möglichst sicheren Schulweges möglich. Dieser digitale Schulwegplaner, der auf der Startseite unter „Schulwege“ zu finden ist, steht Schülern und Eltern für die Recherche nach einer geeigneten Route kostenfrei auch für ganz Berlin zur Verfügung.

Auf der Website können Besucher ihnen bekannte gefährliche Bereiche im Straßenverkehr mit wenigen Klicks eintragen. Diese Daten werden mit weiteren Daten zusammengeführt, insbesondere den polizeilichen Unfalldaten. Aus all diesen Daten wird der so genannte Gefahrenscore berechnet. Dieser zeigt, an welchen Stellen im Verkehr es besonders gefährlich ist. Diese Stellen sind auf der Gefahrenkarte in fünf Gefahrenlevel eingefärbt je röter, desto gefährlicher.

Wer nun Start- und Zielpunkt eingibt, nutzt eine Art Navigationssystem: Nur, dass die Karte nicht den schnellsten oder kürzesten Weg berechnet, sondern den sichersten. Dies tut der Planer auf Basis der Gefahrenkarte: Er versucht auf dem Weg von Start zu Ziel die als gefährlich eingestuften Bereiche zu meiden. Die Routenführung lässt sich variieren, indem der Gefahrenlevel verändert wird.

gefahrenstellen.de wurde entwickelt von der Initiative für sicherere Straßen in Kooperation mit Universitäten und Unternehmen. Das Projekt wird durch das Bundesverkehrsministerium gefördert.

Gefahrenstellen.de Schulwege
www.gefahrenstellen.de

Datenbasierte Schulwegplanung in Kreuzberg

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat sich zum Ziel gesetzt, allen Kindern zu ermöglichen, sicher und selbständig zur Schule zu kommen. Ein vom Straßen- und Grünflächenamt beauftragtes Datenprojekt in Kooperation mit FixMyCity liefert objektive Daten zu Schulwegsicherheit bzw. Gefährdungssituationen für Kinder entlang von Schulwegen.

Die Datenvisualisierung zeigt, welche Straßen im Bezirk potentiell von wie vielen Schülern genutzt werden. Die Datenanalyse zeigt, welche Wege täglich von wie vielen Schülern im Grundschulalter zurückgelegt werden, bzw. welche Routen sich idealerweise anbieten.

Weitere Karten zeigen die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten an den Schulstandorten, fehlende Querungsmöglichkeiten und Unfälle mit Fußgängerbeteiligung. Die kombinierte Analyse dieser Daten ermöglicht es dem Bezirksamt, Maßnahmen der Schulwegsicherheit anhand der Parameter Bedarf und Sicherheit zu definieren und zu priorisieren.

Alle Infos zum Datenprojekt:

fixmyberlin.de/schulwegsicherheit/friedrichshain-kreuzberg

 

 

Daniela von Treuenfels

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf berlin-familie.de. Die Autorin ist Herausgeberin des Elternportals. Zudem gehört sie dem Redaktionsteam der Stadtrand Nachrichten an.

 

 

1 Kommentar

  1. In einsamen Gegenden sind Eltertaxis eine gute Idee,vum Übergriffe auf das Kind zu vermeiden. In belebten Gegenden reicht es, wenn man ihnen sagt,vsie sollten vorsichtig sein und nicht jeden über den Weg trauen. Bei Mobbing sofort Kontakt abbrechen. Auf Strassenverkehr aufpassen und Strategien ausdenken. Ist eine schöne Aufgabe für die Eltern.

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Unter den Eichen: Radweg-Rückbau erfolgt nicht sofort

[caption id="attachment_104422" align="aligncenter" width="622"] Ehemaliger Rad- und Fußweg Unter den Eichen - geht jetzt alles auf Anfang? Back to the Roots? | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]   Die umkämpfte rund 600 Meter lange Radspur auf der B1 entlang des Botanischen Gartens bleibt bis auf Weiteres bestehen. Eine Sondersitzung des Verkehrsausschusses der BVV geriet zum wahlkampfgeprägten Schlagabtausch. Die Bezirksverwaltung sieht vor einer Umsetzung des von der Senatsverwaltung angeordneten Rückbaus der Radwegeanlage auf der Straße Unter den Eichen (die Stadtrand-Nachrichten berichteten) rechtliche Bedenken. Weil die Sicherheit der Fußgänger nicht gewährleistet sei, sehe sein Amt Haftungsrisiken, so Stadtrat Urban Aykal (Grüne) in einer von der CDU beantragten Sondersitzung des Ausschusses für Mobilität, Verkehr und Ordnung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Hinzu komme, so Aykal, dass der Bezirk keine Mittel für die Arbeiten zur Verfügung habe. Die Maßnahme würde 65.000 Euro kosten, die auch bei der Senatsverwaltung angefordert worden seien. Auf eine Reaktion der übergeordneten und für das Hauptstraßennetz zuständigen Behörde warte man nun seit einem Monat. „Sobald das Geld da ist, schreiben wir aus“, so der Stadtrat. Der Radstreifen war 2022 von der Senatsverwaltung unter der damaligen Senatorin Bettina Jarasch (Grüne) angelegt worden. Die Begründung damals: der damalige Radweg sei zu schmal und zu kaputt. Das ist er auch heute noch, hier hat sich nichts verändert – außer der Einschätzung der Verwaltung unter der jetzigen Senatorin Ute Bonde (CDU). Wenn die Radfahrer auch den Fußweg zugeschlagen bekommen, heißt es in der Rückbauanordnung, passe die Breite. Das ist dünnes Eis – und für Urban Aykal kein rechtskonformer Weg. Der lasse sich nur erreichen, wenn entlang des Botanischen Gartens die Bäume gefällt werden. „Das wäre die Vollkatastrophe, das würde ich nicht mitmachen“, so der Stadtrat. Thorsten Hippe bezweifelte, dass die Mittel für den Rückbau nicht im Bezirksetat vorhanden seien. Auch der Hinweis der zuständigen Verwaltungsmitarbeiterin, dass der Etat für dieses Jahr entweder ausgegeben oder verplant sei, überzeugte den CDU-Fraktionsvorsitzenden nicht. Er werde das überprüfen. Das BVV-Urgestein Hippe hat seine ganz besondere Abneigung gegen Urban Aykal, die er besonders in den Sitzungen des Bezirksparlamentes auslebt. Da kommt es schon mal vor, dass der scharfzüngige Jurist den Dezernenten in der laufenden Debatte körperlich bedrängt, indem er, sich vor dem Redepult aufbauend, den Stadtrat in ein Zwiegespräch verwickelt. Wenn nun also Torsten Hippe, der eigentlich dem Verkehrsausschuss gar nicht angehört, in einer Sondersitzung den Wortführer seiner Fraktion gibt, geht es nur am Rande um pragmatische Lösungen. Hippe hat seine eigene Agenda, und die heißt Aykal. Daher muss sich der Ausschussvorsitzende Jens Kronhagel (CDU) für die formal ungenügende und aggressiv formulierte Tagesordnung entschuldigen, die er „Eins zu Eins“ von seiner Fraktion übernommen hatte. Hippes Angriffe zerschellten am Dienstag zum einen an einem sonst eher defensiven Aykal, der mehrfach und unmissverständlich deutlich machte, dass er nicht die Absicht habe, sich vorführen zu lassen. Außerdem hatte der CDU-Politiker Schwierigkeiten, Zweifel an den Aussagen des Stadtrates zu säen. Seine Mitarbeiter erläuterten bei Bedarf die Überlegungen des Amtes und ordneten die rechtliche Situation ein. Die Bezirksverordneten sind unter anderem gewählt, um die Verwaltung zu kontrollieren. Man darf nun gespannt sein, ob die CDU in den Winkeln des Bezirkshaushaltes irgendwo noch 65.000 Euro für den Rückbau der Radwegeanlage Unter den Eichen findet.

Daniela von Treuenfels

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