Ole Kolehmainens Sicht auf die  Hagia Sophia ist in der Ausstellung zu sehen.  © Ola Kolehmainen / Gallery TaiK

Ole Kolehmainens Sicht auf die Hagia Sophia ist in der Ausstellung zu sehen. © Ola Kolehmainen / Gallery TaiK

„Geometric Light“ heißt die Ausstellung des finnischen Künstlers Ola Kolehmainen, die derzeit im Haus am Waldsee zu sehen ist. Der in Berlin lebende und arbeitende Künstler begibt sich in seinem fotografischen Werk auf die Spuren großer Architekten. Bauwerke der europäischen Moderne von Alvar Aalto, Mies van der Rohe, Frank Gehry und Sauerbruch Hutton aber auch sakrale Bauwerke der Kunstgeschichte wie die Hagia Sophia oder osmanische Klosteranlagen von Mimar Sinan aus dem 16. Jahrhundert dienen ihm als Ausgangspunkt seiner Reflektionen.

Zunächst waren es geometrische Raster von Fassadenoberflächen,  Deckengestaltungen oder spiegelnde Fensteröffnungen, die Kolehmainen an den  gewählten Inkunabeln der Baugeschichte reizten. Dort, wo die Natur als Reflektion auf Architektur trifft, beginnt sein minimalistisches, ästhetisches Werk. Sowohl aus der Struktur, als auch aus der Farbigkeit, sowie der Baugeschichte und den spezifischen Lichtverhältnissen extrahiert  der Künstler seine spezifischen Aussagen über Architektur und Raum, Stille,  Schönheit und Harmonie.

Nach langwierigen Arbeitsprozessen, in denen Kolehmainen die Vita des  Architekten, die Rolle des spezifischen Gebäudes in dessen Werk sowie der  Wirkung auf andere Architekten genau studiert hat, löst er seine  fotografische Arbeit von dem Vorbild selbst und findet zu übergeordneten  Ergebnissen, hinter denen die Frage steht: Was sehen wir? Was sieht die  Kamera? Was ist wirklich? Seine Reduktionen führen zu menschenleeren Bildern  voll Ruhe und Eleganz.

Im Frühjahr 2013 unternahm Kolehmainen eine Arbeitsreise nach Spanien. Aus diesem Anlass hat er seine Dialoge mit der Architektur im städtischen Umfeld um neue Perspektiven erweitert. Nicht mehr allein die Fassaden, sondern Licht und Schlagschatten in Gebäudeinnenräumen spielen von nun an eine entscheidende Rolle. Technisch schichtet der Künstler Negative und komponiert sie zu stark abstrahierten Originalen, die sich aus geometrischen, farbigen Lichterscheinungen aufbauen und eine stark malerische Wirkung entfalten. Diese jüngsten Serien, die unter anderem der Ausstellung ihren Titel „Geometric Light“ gibt, erinnert an konstruktivistische Aquarelle von Paul Klee oder Gemälde von Frantisek Kupka, aber auch an transparente Objekte von Naum Gabo.

Bereits in seinen früheren Arbeiten reduziert Kolehmainen Gebäude auf ihre ornamentalen Charakter. In den jüngeren Bildern kommt nun jedoch eine deutlich erzählerische Komponente hinzu. Etwa in der Serie zur Hagia Sophia. Kolehmainen interessiert sowohl der überwältigende Lichteinfall im überdimensionalen Gebäude, als auch Gegenstände wie Baugerüste oder Leuchter, die er bewusst in seine Kompositionen einbezieht. Auch in diesen Werkserien reduziert Kolehmainen Aspekte der Gebäude, bis er zu einer abstrakten Grundaussage. Durch die Multiplikation mehrerer Perspektiven in

Anlässlich der Ausstellung im Haus am Waldsee haben die Architekten Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton ein Farbkonzept entwickelt, das im Erdgeschoss des Hauses einen Dialog mit den Arbeiten von Kolehmainen aufnimmt.

„Geometric Light“ ist Ola Kolehmainens erste institutionelle Einzelausstellung in Berlin. Zu sehen ist sie bis zum 17. Mai im Haus am Waldsee, Argentinische Allee 30, dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet sieben, ermäßigt fünf Euro.

(sn)