Die Pflege der Lichterfelder Weidelandschaft auf dem ehemaligen Gelände der Parks Range ist für die nächsten zwei Jahre finanziell abgesichert. Wie das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf mitteilt, stellt die Groth-Gruppe als Flächeneigentümerin für die Pflege der sogenannte „Grüne Mitte“ nun 60 000 Euro für die nächsten zwei Jahre zur Verfügung.
Um die naturnahe Landschaftsentwicklung durch ein spezielles, extensives Weidemanagement und manuelle Pflegemaßnahmen gezielt zu steuern, kooperiert die Bezirksverwaltung mit dem BUND. „Die Finanzierungszusage der Groth-Gruppe verschafft uns Zeit für die Erarbeitung fundierter Konzepte und die Entwicklung einer dauerhaften Trägerschaft der Lichterfelder Weidelandschaft“, freut sich Bezirksstadträtin Christa Markl-Vieto (Grüne).
Im März hatten die Bezirksverordneten sich dafür ausgesprochen, dass die Kosten für den Naturschutz auf der einstigen Militärfläche der Investor übernehmen soll und nicht wie bisher der Bezirk.
(sn)










Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (
Dazu erklärt DIE LINKE. Steglitz-Zehlendorf:
Durch die geplante hufeisenförmige Umbauung der „Grünen Mitte“ werden sich die natürlichen Bedingungen auf dem Gelände zwangsläufig stark verändern. Ein Teil der geschützten Arten wird unwiederbringlich verschwinden. Es wäre möglich gewesen, mehr für Natur und Umwelt zu erreichen, wenn sich die Grünen gemeinsam mit der Bürgerinitiative „Aktionsbündnis Lichterfelde Süd“ für die Forderung eingesetzt hätten, statt der geplanten 2500 Wohneinheiten nur maximal 1500 Wohneinheiten zu bauen. Stattdessen unterstützt die „grüne“ Partei ohne Not die Pläne des Investors. Nun auch noch den Erhalt des Projektes „Weidelandschaft“ als eigenen Erfolg auszugeben grenzt an Zynismus.
Wie es dann nach 2 Jahren mit dem Projekt „Weidelandschaft Grüne Mitte“ weiter gehen soll, ist unklar, denn bisher gibt es keine bindenden Verträge zur mittel- und langfristigen Pflege der Weidelandschaft. Dieses Projekt ist einmalig in Berlin, deshalb ist es für die Natur- und Umweltbildung hervorragend geeignet. Dafür, und für langfristige Pflege der Weidelandschaft ist der BUND ein kompetenter Kooperationspartner. DIE LINKE Steglitz-Zehlendorf fordert die Erhaltung und Pflege des Geländes als öffentliche Aufgabe anzuerkennen und dafür die nötige Finanzierung zu sichern, die für Personalkosten geplanten 30 000 € pro Jahr sind völlig unzureichend. Wir vertreten den Standpunkt; Natur- und Umweltschutz sind Voraussetzungen für Gesundheit sowie Lebensqualität und ist somit im weitesten Sinne Teil der Daseinsvorsorge.
Für die Finanzierung des Projekts darf auch der Investor nicht aus der Verantwortung gelassen werden, denn er wusste als er das Gelände kaufte, dass dort zahlreiche Arten der „Roten Liste“ beheimatet sind. Für deren Schutz trägt auch der Eigentümer Verantwortung. Umwelt- und Naturschutzgesetze sind selbstverständlich auch von der Groth-Gruppe zu achten. Die 60.000 € für die Pflege, für die nächsten 2 Jahre, der sogenannten „Grünen Mitte“, die die Groth-Gruppe via Bezirksamt an den BUND zahlen will, sind im Vergleich zu dem zu erwartenden Gewinn der Groth-Gruppe schätzungsweise im Promillebereich anzusiedeln, oder wie es in Bankkreisen heißt – Peanuts.
Eberhard Speckmann, Mitglied im Bezirksvorstand der LINKEN und Direktkandidat im Wahlkreis 4 in Lichterfelde Süd