Trotz großen Einsatzes von Georg Boroviczeny: Am Mittwochabend lehnte die Mehrheit der Bezirksverordneten den Antrag der Piratenfraktion ab, prüfen zu lassen, ob in Steglitz-Zehlendorf eine Stelle für das Drugchecking eingerichtet werden kann. Vor allem rechtliche Bedenken gaben dafür den Ausschlag.
„Drugchecking“ – auf Deutsch: Drogenuntersuchung – bedeutet, dass illegale Drogen auf ihre Zusammensetzung untersucht und das Ergebnis den Konsumenten mitgeteilt wird. „Der Konsum illegaler Drogen in erheblichem Maße ist bekannt. Dabei entstehen für die Konsumenten neben den in der Regel bekannten Risiken der Substanzen an sich weitere, nicht abschätzbare Gefahren durch Verunreinigungen, Streckmittel und unsaubere Produktion in sogenannten ‚Hinterhoflaboratorien‘. Drugchecking dient zur Information der Konsumenten über Wirkungsgehalte, Streckmittel und damit mögliche Gesundheitsgefahren beim Konsum dieser Drogen“, begründeten die Piraten ihren Antrag. Für Boroviczeny ist das „Konsumentenschutz pur“, – und das nicht nur für eine kleine Minderheit, sondern für etwa 20.000 Menschen im Bezirk, rechnete er vor.
Dr. Sabine Lehmann-Brauns (CDU) fand Boroviczenys Darlegungen „rosig“. Die Prüfungen seien aufwändig und würden keine Aussagen über die gesamte Charge zulassen. Eine Prüfung würde Unbedenklichkeit suggerieren und Drogenkonsum verharmlosen, fand Lehmann-Brauns. Strafrechtlich seien zudem noch nicht alle Aspekte geklärt. „Drugchecking ist keine Prävention und kein kuratives Vorgehen“, sagte die Bezirksverordnete.
Die SPD werde sich enthalten, erklärte Martin Matz. Zwar habe man sich auf Landesebene in der Koalition auf Drugchecking verständigt, doch dafür müssten zwei Bedingungen erfüllt sein: Das Drugchecking müsse in ein Konzept der Gesundheitsförderung eingebunden sein, und es müsse gesetzliche Klarheit herrschen, etwa was den Besitz der Drogen anginge. „Es ist die richtige Idee, aber unter den geegnwärtigen Bedingungen nicht möglich.“
Boroviczeny wies auf Gerichtsurteile hin, nach denen Drugchecking zulässig sei. Bei der Analyse würden keine Drogen abgegeben, sondern sogar chemisch-physikalisch zerstört. Doch überzeugen konnte er nur wenige.
Bezirksstadträtin Christa Markl-Vieto (Grüne) erklärte, dass es schwierig sei jemanden zu finden, der die Verantwortung übernimmt für das Drugchecking. Was passiere, wenn jemand durch die untersuchten Drogen zu schaden komme oder sogar stirbt, sei nicht geklärt. „Auf solche Kamikazes lass ich mich nicht ein“, sagte die Bezirksstadträtin. Sie will abwarten, was in Kreuzberg in Sachen Drugchecking passiert.
Boroviczeny zeigte sich nach der Ablehnung des Antrags enttäuscht. „In der Debatte im Ausschuss wurde zum Beispiel behauptet, Drugchecking sei rechtlich gar nicht zulässig. Aber kann der Ausschuss so eine komplizierte juristische Frage überhaupt entscheiden? Genau solche Fragen wollen wir ja prüfen lassen. Und zwar von kompetenten Fachleuten.“
(go)










Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (