Hundeverbot und kein Ende. Am Mittwoch beschlossen die Bezirksverodneten mit schwarz-grüner Mehrheit, den Hundeauslauf an Schlachtensee und Krumme Lanke saisonal einzuschränken. So ist das Bezirksamt nun aufgefordert, eine rechtmäßige Regelung zu erarbeiten, die es erlaubt, dass Hunde nur im Zeitraum vom 15. Oktober bis zum 15. April auf dem Uferweg an einer zwei Meter langen Leine mitgeführt werden dürfen. Außerhalb dieses Zeitraumes sollen Hunde auf dem Weg verboten sein. Ausgenommen ist die Brücke am östlichen Ende der Krummen Lanke nebst kürzester Zuwegung.
Fast zwei Stunden wurde über diesen Antrag teilweise sehr polemisch mit Schuldzuweisungen auf allen Seiten diskutiert.
Die SPD und Piraten lehnten die von Grünen und CDU vorgeschlagene Regelung ab. Eric Lüders, Fraktionsvorsitzender der Piraten, sah überhaupt keinen Grund für den Antrag und hielt die aktuelle Situation, dass Hundebesitzer mit ihren angeleinten Hunden am See spazieren gehen dürfen, für ausreichend. Das Bezirksamt solle sich lieber ein Jahr in Ruhe zusammensetzen und ein Konzept erarbeiten, wie man ein Naherholungsgebiet aufbauen könne, das verschiedenen Nutzern gerecht wird, schlug Norbert Buchta, Fraktionsvorsitzender der SPD, vor und verwies dabei auf eine von der SPD erarbeitete Konzeption. Bei der vorgeschlagenen Regelung fürchtete er, dass wieder dagegen geklagt werde und der Bezirk sich erneut lächerlich mache. Doch die Gefahr sah Torsten Hippe, Fraktionsvorsitzender der CDU, nicht. Er ging davon aus, dass die vorgeschlagenen Regelung rechtmäßig ist, gleichzeitig forderte er jeden Bürger auf, dies gerichtlich überprüfen zu lassen. Was wiederum Lüders zynisch fand, da eine Klage sowohl den Bürger als auch das Bezirksamt Geld koste. Die Chance, dass die Regelung vor Gericht standhalte, liege laut Einschätzung des Rechtsamtes bei 50/50, erklärte Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU).
Der neue Vorschlag der Grünen und der CDU höre sich ersteinmal gut an und hätte als Kompromiss verstanden werden können, wenn man damit gestartet wäre, betonte Mirko Klimas (SPD). Nach der Niederlage vor Gericht Ende vergangenen Jahres versuche Schwarz-Grün nun das Grünflächengesetz zu beugen, um doch noch eine Regelung durchzusetzen. „Diese Nummer glaubt Ihnen keiner mehr“, so Klimas.
Die Bürgerinitiative Hunde am Schlachtensee hatte bereits Ende Februar angekündigt, gegen erneute Versuche des Bezirkes, Hunde an Schlachtensee und Krumme Lanke zu verbieten, zu klagen. Die Initiative hatte im Dezember erfolgreich gegen das sogenannte Hundeverbot an den beiden Seen geklagt. Senat und Bezirksamt hatten auch den Uferweg zur Badestelle erklärt, an der Hunde laut Hundegesetz nicht zulässig sind. Diese Ansicht wurde vom Verwaltungsgericht nicht geteilt. Es hatte aber Regelungsbedarf an den beiden Seen gesehen.
(go)











Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
[caption id="attachment_104578" align="aligncenter" width="300"]
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
[caption id="attachment_104576" align="aligncenter" width="300"]
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
[caption id="attachment_104573" align="aligncenter" width="300"]
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
[caption id="attachment_104574" align="aligncenter" width="300"]
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (