Mit zahlreichen Kränzen wurde das Ehrengrab Willy Brandts auf dem Zehlendorfer Waldfriedhof anlässlich seines 100. Geburtstages geschmückt. Foto: Gogol

Mit einer Kranzniederlegung auf dem Waldfriedhof in Zehlendorf, gedachte die SPD-Spitze Willy Brandt, der am Mittwoch 100 Jahre alt geworden wäre. In seiner Rede würdigte der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, den Politiker Brandt: „Willy Brandt steht bis heute für die Erfahrung, dass man mit Mut und Geduld, Beharrlichkeit und politischer Klugheit etwas an den Verhältnissen ändern kann. Dass Politik auch unter extrem schwierigen Bedingungen gestaltbar ist. Und dass Politik unmittelbar Gutes für die Menschen bewirken kann. Das ist es, was uns an Willy Brandt nicht loslässt, der es wie kaum ein anderer Politiker im 20. Jahrhundert vermochte, die Menschen für eine lebendige Demokratie zu bewegen.“

Auch Bundestagspräsident a.D. Wolfgang Thierse verneigte sich als Kuratoriumsvorsitzender der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung „vor der außergewöhnlichen Lebensleistung dieses Staatsmannes, Europäers und Weltbürgers, eines Mannes, der zu den herausragenden Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts gehörte und dessen Wirkung weit in unsere Zeit hinein reicht“. Zudem erinnerte er an einen der wohl bekanntesten Sätze des einstigen Bundeskanzlers: „’Mehr Demokratie zu wagen!‘, und Deutschland mit seinen Nachbarn in Mittel- und Osteuropa zu versöhnen – das bleibt für immer mit seinem Namen verbunden“.

Anschließend legten unter anderem Sigmar Gabriel, Vizekanzler und SPD-Parteivorsitzender, Staatssekretär David Gill, Chef des Bundespräsidialamtes, und Ralf Wieland, Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, Kränze am Grab Brandts nieder.

Willy Brand wurde am 18. Dezember 1913 als Herbert Ernst Karl Frahm in Lübeck geboren. Schon als Jugendlicher engagierte er sich politisch; als Gegner des Nationalsozialismus ging er 1933 ins Exil nach Norwegen, wo er weiter gegen das Dritte Reich kämpfte. Dort wurde aus Herbert Ernst Karl Frahm Willy Brandt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er nach Deutschland zurück, um am Wiederaufbau des Landes mitzuwirken. Von 1957 bis 1966 war Brandt Regierender Bürgermeister von Berlin und musste den Bau der Mauer miterleben.

Als erster Sozialdemokrat wurde Brandt 1969 zum Bundeskanzler gewählt. Er suchte die Aussöhnung mit den Ländern Osteuropas, davon zeugte besonders eindrucksvoll sein Kniefall im einstigen Warschauer Ghetto am 7. Dezember 1970. Für seine Entspannungs- und Ostpolitik erhielt Brandt ein Jahr später den Friedensnobelpreis. Am 6. Mai 1974 trat Brandt als Bundeskanzler zurück und zog damit die Konsequenzen aus der Agentenaffäre um den DDR-Spion Günter Guillaume.

Doch auch danach blieb Brandt politisch engagiert, war unter anderem Vorsitzender der „Unabhängigen Kommission für internationale Entwicklungsfragen“, gründete die „Stiftung Entwicklung und Frieden“ und erreichte durch Gespräche mit dem  irakischen Präsidenten Saddam Hussein 1990 die Ausreise von 193 im Irak als Geiseln festgehaltenen Ausländern. Auf seinen Antrag hin sprach sich zudem die Mehrheit des Deutschen Bundestages für Berlin als neuen Regierungsitz aus.

Am 8. Oktober 1992 starb Willy Brandt in Unkel bei Bonn.

(sn)