
Grafik: Luise Spielhagen
Das BENN-Büro am Hindenburgdamm hat eine kleine Orientierungshilfe für die Nachbarschaft erstellt.
Auf einer liebevoll gezeichneten Karte finden Alteingesessene und Neulichterfelder, wo sie Beratung, Sportangebote oder Kultureinrichtungen finden. Anlaufstellen für Senioren und Kinder zeigt der Plan ebenso wie die Standorte der Kirchengemeinden und Krankenhäuser. Unter „sonstige Einrichtungen“ sind beispielsweise der Mäusebunker, der Polizeiabschnitt am Augustaplatz oder Kleingartenanlagen aufgeführt.
Die Übersicht zeigt etwa das Dreieck zwischen den Bahnhöfen Lichterfelde West und Ost sowie dem Stadtpark Steglitz. Anhand der Karte können Kiezbewohner sehen, wo sie eine Tischtennisplatte, einen Trinkbrunnen, einen Spielplatz oder eine öffentliche Toilette finden. Auch die Poststationen sind aufgeführt.
Wer noch nicht lange im Kiez wohnt, wird einen Nutzen haben. Aber auch hier Verwurzelte können Neues entdecken – kennen Sie den Softball-Platz in der Goethestraße und den Verein Defender Fields? Die Stadtrand-Nachrichten haben mit der BENN-Karte was dazugelernt.
BENN steht für „Berlin entwickelt neue Nachbarschaften“ und ist ein Programm des Senats und der Bezirksämter für Nachbarschaften und Geflüchtete. Das Team in Lichterfelde ist Mittwochs von 10 bis 12 und Donnerstgs von 14 bis 16.30 persönlich im Ladengeschäft am Hindenburgdamm 89 anzutreffen. Für die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft in der Bäkestraße findet dort regelmäßig ein Sprachcafé statt. Für alle Nachbarn gibt es diverse Ausleihmöglichkeiten, darunter ein Lastenrad. Das BENN-Büro organisiert auch regelmäßig den Runden Tisch, der mit Beteiligung von Politik und Verwaltung zur Diskussion über aktuelle Themen einlädt.
Die Kiezkarte ist hier zu finden: https://www.benn-hindenburgdamm.de/4794-downloads/
Alle Infos: https://www.benn-hindenburgdamm.de/
Daniela von Treuenfels
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (