
Foto: Kijub SZ
Wenn jüngere Kinder ihre Interessen wirksam vertreten sollen, brauchen sie dafür besondere Unterstützung und eigene Formate. Vernetzungstreffen sind ein wichtiger Baustein für gelungene Mitsprache.
Ein Gastbeitrag aus dem Kinder- und Jugendbüro
Grundschulkinder brauchen eigene Formate zum Austausch und zur Vernetzung. Dies wurde auch beim zweiten SV-Netzwerktreffen der Grundschulen in Steglitz-Zehlendorf am 7. Mai 2026 deutlich, zu dem rund 30 gewählte Vertreterinnen und Vertreter aus zehn Grundschulen des Bezirks zusammenkamen. In der Jugendfreizeiteinrichtung Schottenburg informierten sie sich über die Arbeit von Schülervertretungen (SVn), tauschten Erfahrungen aus, erhielten Tipps zur Unterstützung und diskutierten über Demokratie und Zukunft.
Ein eigenes Format für die Primarstufe
Die Idee für das Treffen entstand zu Beginn des Schuljahres 2024/2025 aus der Kritik jüngerer Teilnehmender an Strukturen und Organisation des Bezirksschülerausschuss (BSA). Während sich darin hauptsächlich Jugendliche aus Oberschulen vernetzen, sind Grundschüler dort ohne Stimmrecht und durch die Sitzungsgestaltung (zwei bis drei Stunden am Abend) praktisch ausgeschlossen.
Das Kinder- und Jugendbüro des Bezirks und das Projekt „Demokratie – Do it Yourself“ des Nachbarschaftshauses Wannseebahn griffen diesen Impuls auf und organisierten nun bereits zum zweiten Mal ein Treffen speziell für Kinder aus Grundschulen.
Die Situation an Grundschulen
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich in ihren Schulgremien für eine Verbesserung ihres Lern- und Lebensumfelds ein: Von Projekten für mehr Sauberkeit auf Schultoiletten, über die Gestaltung von gemütlichen Pausenräumen im Innen- und grünen Aufenthaltsorten im Außenbereich bis hin zum gesellschaftlichen Engagement gegen Diskriminierung und zur Unterstützung Hilfebedürftiger.
Wie deutlich wurde, läuft es überall ein bisschen anders, und doch gibt es an vielen Schulen ähnliche Herausforderungen. Die Teilnehmenden übernehmen Verantwortung dafür, ihr Engagement ist motiviert vom Wunsch, die Klasse und Schule zu unterstützen und bei Problemen und Streit zu helfen.
Empowerment für die Zukunft
Zwei Workshops bestärkten die Teilnehmenden in ihrer zukünftigen SV-Arbeit: Die Referenten von Schule ein Gesicht geben e.V. erinnerten an die Aufgaben und Rechte von Klassensprechern und Klassenrat, informierten zu den Schulgremien und zu Beteiligungsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler bei Entscheidungen. Im Workshop von “Demokratie – Do it Yourself” begannen sie mit der Entwicklung von Zukunftsvisionen für das kommende SV-Jahr, die sie im Anschluss mit ihren SV-Begleitungen und den weiteren Vertretern aus den Schulen ausformulierten. Geplant wurden Aktionen und Projekte zum Schulessen, für mehr Gemütlichkeit im Klassenzimmer und Flur, zur Hofbegrünung, Unterrichtsgestaltung und Einrichtung von Pausenräumen.
Zusätzlich bot das Kinder- und Jugendbüro auch einen Workshop für Fachkräfte an, die die SV-Arbeit an den Schulen begleiten. Fokus waren Strategieentwicklung und Verankerung der SV-Arbeit an Schulen.
Fortsetzung gewünscht
Aus dem Feedback der Teilnehmenden am Vernetzungstreffen wurde erneut deutlich: Es soll weitergehen. Hierfür wurden erneut Themen und Verbesserungsvorschläge gesammelt, die als Grundlage für den Austausch im kommenden Schuljahr dienen.
Und klar ist auch: Schülervertretungen wollen gestärkt werden, egal welcher Altersgruppe. Denn dahinter steht eine Menge Lust sich zu beteiligen und etwas zu bewegen! Und das ist es, was Demokratie ausmacht.
Julia Kumbier, Kinder- und Jugendbüro
Das Projekt „Demokratie – Do it Yourself“ und das Kinder- und Jugendbüro Steglitz-Zehlendorf setzen sich für die Stärkung demokratischer Teilhabe von Kindern und Jugendlichen ein. Der Erfolg des Netzwerktreffens wurde möglich durch fachliche Unterstützung und Ausrichtung eines Workshops durch den Verein Schule ein Gesicht geben e.V. .
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Foto (bearbeitet): Daniela von Treuenfels[/caption]
Die Stadträtin stoppte eine Kinderbuch-Lesung, es folgte der Vorwurf der Zensur. Junge Leute trafen sich zum Protest, der mit einem Eklat endete.
Daniel Eliasson ist ein bisschen stolz – er hat den Anlass dafür geschaffen, dass sich an einem warmen Spätsommertag mehrheitlich junge Menschen auf dem Hermann-Ehlers-Platz versammeln, um friedlich gegen eine Entscheidung der Bezirksstadträtin Malgorzata Sijbrandi (CDU) zu demonstrieren. Als Bezirksverordneter nahm Eliasson Einsicht in die Akten, die aufzeigen, wie es zu bestimmten Entscheidungen der Stadträtin kam. „Ich habe das dann der Morgenpost gegeben“, sagt der Grünen-Politiker – wie man das halt so macht, wenn man ein Thema platzieren will.
Dass Eliasson wenige Minuten später das Mikrofon abgestellt wird und die beiden Versammlungsleiterinnen ihn mit Hilfe der Polizei zum Schweigen bringen werden, weiß der Kandidat für das Abgeordnetenhaus in diesem Moment noch nicht.
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Während er noch spricht, wird dem Grünen-Politiker Daniel Eliasson das Mikro abgedreht. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Aber der Reihe nach.
Zu Jahresbeginn plante die Stadtbibliothek zwei „interaktive Drag Performance Lesungen für Kinder“, die im Herbst stattfinden sollten. Dem Leiter des Fachbereichs war bewusst, „dass diese Art der Leseförderung diskutabel ist und sicherlich auch polarisiert“. So schrieb er es in einer Mail an seine Vorgesetzte Sijbrandij, die er angesichts der „Auswirkungen des letzten Drag-Auftritts“ einbinden wollte.
Hintergrund der Vorsicht sind Ereignisse rund um Drag-Künstlerinnen, die zufällig zeitlich nahezu parallel stattfanden und teilweise ein großes öffentliches Interesse hervorriefen. Im Oktober 2025 wurde bekannt, dass gegen die Berliner Dragqueen Jurassica Parka wegen des Verdachts auf Verbreitung von Kinderpornografie ermittelt wird. Dabei kam auch an die Öffentlichkeit, dass die seit 20 Jahren aktive Dragqueen bereits drei Jahre zuvor wegen Verbreitens pornografischer Schriften vom Amtsgericht Tiergarten zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte im Berliner Südwesten die Tatsache, dass Jurassica Parka im August 2024 Teil des Drag-Festivals „Queens & Flowers“ im Botanischen Garten war. Die Veranstaltung beinhaltete ein Familienprogramm und eine Vorlesestunde mit Dragqueens, in das Parka jedoch nicht eingebunden war.
Im Auge des Orkans fand sich am 24. Oktober 2025 die Drag-Lesung "Wir lesen euch die Welt, wie sie euch gefällt" in der Steglitzer Ingeborg-Drewitz-Bibliothek. Eingeladen waren Kinder ab vier Jahren. "Die zauberhafte Königin Vicky Voyage und der sagenumwobene König Eric erzählen euch Märchen von Liebe und Toleranz", hieß es in der Ankündigung. "Taucht ein in farbenfrohe und magische Welten!"
Mitten im Sturm: Malgorzata Sijbrandij. Die 45jährige Juristin hatte ihr Amt erst am 15. Oktober angetreten.
Gefragt nach einer Wiederholung reagierte die Stadträtin ablehnend, ihre Haltung begründete sie ausführlich. „Schon bei der Drag-Lesung im letzten Jahr hat mich das Format nicht vollends überzeugt“, so die Dezernentin. Zudem trete die Künstlerin unter dem Namen „King Alexander the Dick“ auf, woran sich Kritiker stören könnten. Die Veranstaltung diene nicht vornehmlich der Leseförderung. Und angesichts der zu erwartenden „polarisierenden Begleitung“ sollten Kinder vor politischer Instrumentalisierung geschützt werden.
Die Korrespondenz der Dezernentin mit der Bibliotheksleitung ist mittlerweile öffentlich auf dem Portal „Frag den Staat“ einsehbar. Die Initiative setzt sich ein für transparentes staatliches Handeln und hilft Bürgerinnen und Bürgern bei Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz.
Das funktioniert nicht immer. Manchmal verweigern Behörden die Auskunft, manchmal mit fadenscheinigen Begründungen wie zu hoher Arbeitsbelastung. Teilweise werden auch hohe Gebühren verlangt, die abschreckend wirken (sollen). Insofern ist die
Die Regenbogenflagge weht über dem Hermann-Ehlers-Platz. Gegenüber befindet sich das Rathaus Steglitz und das Einkaufscenter "Das Schloss", in dem auch die Ingeborg-Drewitz-Bibliothek ihren Sitz hat. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Auf dem Hermann-Ehlers-Platz hat am 31. August niemand Anteilnahme für eine Amtschefin, die im vergangenen Oktober erlebte, wie eine mediale Welle ihren Schreibtisch anzündete, an dem sie sich gerade einarbeitete. Im Gegenteil – einer der Vorwürfe lautet: Mit ihrer pauschalen Ablehnung stelle Malgorzata Sijbrandij die Dragszene unter Generalverdacht.
„Drag hat nichts mit Sexualität, Kink oder anderen für Kinder ungeeignete Themen zu tun“, sagt Drag Quing Cynna Moon, Quing ist eine Kombination aus Queen und King. Cynna Moon verortet sich also irgendwo zwischen den Geschlechtern, nutzt neutrale Pronomen und ist Sozialarbeiti:. Drag bedeute, sagt Moon, „mutig zu sich selbst zu stehen, und Menschen mit Respekt und Akzeptanz zu begegnen.“ Es sei „unsere Pflicht, Kinder mit Lebensrealitäten in Kontakt zu bringen, die vielleicht nicht ihre eigenen sind. Menschen anderer Herkunft, anderer Klasse, anderer körperlicher und geistiger Fähigkeiten – und eben auch Menschen verschiedener Sexualitäten, Genderidentitäten und Geschlechtsausdrücken.“ Moons kleine Performance findet Beifall unter den rund 50 Demoteilnehmern.
Franzi Groß von der Grünen Jugend sagt, Bibliotheken sollten auch queeren Jugendlichen einen sicheren Raum bieten: „Bibliotheken sollten für ihre Benutzer*innen einen Safe Space darstellen. Das kulturelle Angebot, das sie bieten sollte so vielfältig sein wie ihre Besucher*innen. Wo kommen wir denn da hin, wenn wir den Bibliotheken es nicht mehr selbst überlassen zu entscheiden, welche Veranstaltungen sie für angemessen halten?“
Mitglieder der linken Gruppierung "Pride Rebellion" sind unter den Teilnehmern der Demonstration. Niemand stört sich an ihrer Anwesenheit. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
In all der Aufregung blieb die Anwesenheit einer antisemitischen queeren Gruppe unbemerkt oder geduldet, in jedem Fall jedoch unkommentiert. „Pride Rebellion“ engagiert sich gegen „Gewalt und Leugnung gegen LGBTI+ (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Intergeschlechtliche Personen)“. Im „Kampf gegen Heterosexismus“ müsse man sich zusammentun und verteidigen „gegen das System, das uns unterdrückt“.
„Als Pride Rebellion organisieren wir uns explizit unter jungen LGBTI+ Personen“, heißt es auf der Webseite. Die „Befreiung“ sei im Kapitalismus nicht möglich, daher brauche es den Klassenkampf und die „soziale Revolution“.
Pride Rebellion ist eine Gründung von „Young Struggle“ (YS), die seit 2010 bestehende international agierende Jugendorganisation der türkischen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP), die in der Türkei verboten ist (