Die Botaniker konnten die Verarmte Segge vor dem Aussterben bewahren. Foto: R. Hand, BGBM

Der Botanische Garten Berlin hat erfolgreich eine Pflanzenart vermehrt, die in der freien Natur Deutschlands nur noch in einem einzigen Exemplar bekannt ist. Die Verarmte Segge (Carex depauperata) zählt zu den seltensten Pflanzenarten Deutschlands, wenn sie nicht sogar die seltenste ist. Vom einzigen Exemplar Deutschlands wurde vorsichtig ein Ausläufer entnommen. In der speziellen Erhaltungskultur des Botanischen Gartens konnte die Art erfolgreich vegetativ vermehrt werden. Die Pflanzen bildeten jetzt erstmals Blüten und Früchte aus. Die reifen Früchte werden im Laufe des Sommers zur Langzeitlagerung in die Saatgutbank überführt. Die Art ist damit zunächst gesichert. Lebende Pflanzen und Samen stehen für eine Wiederausbringung am Fundort zur Verfügung, um die Population in der Natur zu stärken.

Die Verarmte Segge (Carex depauperata) galt bereits in Deutschland ausgestorben. Sie war in Deutschland nur von einem einzigen Fundort bekannt, im Sauertal bei Echternacherbrück (Rheinland-Pfalz), einem Dorf an der Grenze zu Luxemburg. Die Art galt dort seit über 40 Jahren als verschollen. Viele Botaniker aus ganz Deutschland haben immer wieder vergeblich nach der Art gesucht. 2011 wurde sie vom Botaniker Dr. Hans Reichert aus Trier wiederentdeckt, aber nur ein einziges Exemplar. Der Botanische Garten Berlin hat die Art in die Erhaltungskultur aufgenommen. Um die Art zu schützen, bleibt der genaue Fundort in der Natur bislang geheim. Eine wissenschaftliche Publikation über den Fund der Verarmten Segge ist für Ende 2013 geplant.

Die Verarmte Segge gehört zur Familie der Sauergrasgewächse (Cyperaceae) und sieht grasähnlich aus. Der merkwürdig klingende deutsche Artname weist darauf hin, dass die Blütenstände der Verarmten Segge weniger Blüten aufweisen als die meisten anderen heimischen Seggenarten. Die reifen Früchte sind kugelige Gebilde mit einer schnabelartigen Spitze und werden in der botanischen Fachsprache „Schläuche“ genannt.

In der Erhaltungskultur des Botanischen Garten Berlins werden in Deutschland hochgradig gefährdete Pflanzenarten kultiviert und vermehrt. Seit Jahren werden Arten erhalten, die ebenfalls nur noch von einem einzigen Fundort in Deutschland bekannt sind. Das ist beispielsweise die Grasart Patzkes Schaf-Schwingel (Festuca patzkei) und das Dickblattgewächs Rötliche Fetthenne (Sedum rubens). Das Lebendmaterial und Sämereien werden vom Botanischen Garten Berlin vorgehalten, bis eine Wiederausbringung am Fundort zur Stärkung der Population erfolgen kann. Wann eine Wiederausbringung der kultivierten und vermehrten Verarmten Segge erfolgt, ist derzeit noch unklar.

(sn)