
Der Kranold-Parkplatz. | Archivbild: Stephan Voß
Am Dienstag, den 5 Mai, um 18 Uhr werden in der Petruskirche am Oberhofer Platz in Lichterfelde Ost die „Machbarkeitsstudie Kranoldplatz“ sowie das weitere Vorgehen rund um den Kranoldplatz vorgestellt. Interessierte dürfen sich auf Überraschungen freuen.
So ist erst kürzlich, am 23. April, als weiterer Teil der Machbarkeitsstudie eine Übersicht „Optimierung Markt-Nutzung“ veröffentlicht worden. Erstellt wurden die Dokumente von der Gruppe Planwerk. Neu ist, dass in der Übersicht für die verschiedenen Varianten der Platzgestaltung nunmehr die jeweils für den Markt zur Verfügung stehende Fläche angegeben ist, was deutlich werden lässt: Die Standfläche für den Markt bleibt in jedem Fall in etwa mindestens so groß wie bisher.
Ganz aktuell hat der Bezirk darüber hinaus auf www.mein.berlin.de erste Ideen für ein Konzept veröffentlicht, das die Beteiligung von Betroffenen am weiteren Verfahren erläutert. Dahinter verbirgt sich eine kleine Sensation: Für den Kranoldplatz ist die Beteiligungsstufe „Mitentscheidung“ vorgesehen. Dies war angesichts der bisherigen Praxis des Bezirks in Sachen Bürgerbeteiligung in keiner Weise zu erwarten.
Die Machbarkeitsstudie
In der Studie werden unter anderem drei denkbare Varianten einer künftigen Gestaltung des Kranoldplatzes vorgestellt sowie die je nach Variante unterschiedliche Anzahl von Marktständen und Marktfahrzeugen, die der Platz im Falle eines Umbaus aufnehmen könnte. Mit der Übersicht „Optimierung Markt-Nutzung“ wird eine weitere Variante einer künftigen Platzgestaltung vorgelegt und sie enthält erstmals präzise Angaben zu den je nach Variante unterschiedlichen potentiellen Standflächen für den Markt. Sowohl in der Machbarkeitsstudie als auch in der Übersicht finden sich hierzu zahlreiche Bilder, deren Verwendung für diesen Artikel uns das Bezirksamt leider nicht gestattet hat. *
Die vier Varianten (1, 2a, 2b und 3) unterscheiden sich insbesondere hinsichtlich der Anordnung und Anzahl von Parkplätzen, der Anzahl von Bäumen auf dem Kranoldplatz und der vorgesehenen Fußgängerzonen.
Alle Varianten sehen eine niveaugleiche Platzgestaltung, eine (geringfügig unterschiedliche) Entsiegelung von Flächen und eine eigene Radverkehrsführung auf der Nordseite des Platzes vor.
Bei den Varianten 1 und 2a bzw. 2b wird die Straße am südlichen Rand des Platzes zur Fußgängerzone. Bei der Variante 3 bleibt diese Straße erhalten, eine Fußgängerzone ist nicht vorgesehen. Der Verkehr bleibt bei dieser Variante nicht nur auf dem Platz, sondern auch rund um den Platz bestehen.
Die Varianten 2a und 2b sind im Wesentlichen identisch. Sie bieten lediglich unterschiedliche Standflächen für die Marktnutzung. Die größere Standfläche bei Variante 2b wird allein dadurch erreicht, dass entlang der Lankwitzerstraße 3 Bäume weniger vorgesehen sind.
Variante 1 sieht kein Parken und keinen Parksuchverkehr auf dem Platz vor, sondern 7 Kurzzeitstellplätze in der Ferdinandstraße. Sie ermöglicht die Pflanzung von 27 neuen Bäumen und es stehen bei dieser Variante 780 m2 Standfläche für den Markt zur Verfügung (bisher 785 m2).
Die Varianten 2, 2a und 2b beinhalten jeweils 19 Kurzzeitstellplätze auf dem Platz und in der Ferdinandstraße und einen Fahrstreifen für den Parksuchverkehr auf dem Platz. Die Variante 2 a bietet 10-11 neuen Bäumen Platz und hält 815 m2 Standfläche (bisher 785 m2) für den Markt bereit, während die Variante 2 b nur 8 Bäume vorsieht und 890 m2 Standfläche für den Markt (bisher 785 m2) ermöglicht.
Variante 3 sieht 32 Kurzzeitstellplätze auf dem Platz und auf den Straßen südlich und östlich des Platzes vor und einen Fahrstreifen für den Parksuchverkehr auf dem Platz. 10-11 neue Bäume können gepflanzt werden. Als Standfläche für den Markt beinhaltet diese Variante 755 m2 (bisher 785 m2).
Bei der Erstellung der Machbarkeitsstudie sollten unter anderem die folgenden Ziele und Prämissen berücksichtigt werden: Erhöhung der Aufenthaltsqualität, Klimaschutz, multifunktionale Platznutzung, Sicherung des Marktes, Steigerung der Verkehrssicherheit, Verbesserung der Barrierefreiheit, sichere und normgerechte Radverkehrsführung entlang des Platzes und Schaffung von sicheren und gut erreichbaren Parkmöglichkeiten für Räder und Kfz.
Bei allen vier der vorgeschlagenen Varianten der Platzgestaltung würde die nach einer entsprechenden Umgestaltung des Platzes vorhandene Standfläche für den Markt in etwa mindestens so groß sein wie die bisher zur Verfügung stehende Fläche von 785 m2. Die Sicherung des Marktes scheint in jedem Fall gewährleistet. Das Gesicht des Kranoldplatzes insgesamt, die Verkehrssicherheit, der Klima- und Gesundheitsschutz, die multifunktionale Nutzbarkeit des Platzes und damit auch die Aufenthaltsqualität auf und rund um den Kranoldplatz würden sich bei Realisierung der verschiedenen Varianten hingegen sehr unterschiedlich entwickeln: Viel oder wenig Grün auf dem Platz, wieviel Autos und Verkehr, Autolärm und -abgase direkt auf dem Platz oder ein autofreier Platz sind dabei die zentralen Faktoren, die diese Entwicklung beeinflussen werden.
Die Machbarkeitsstudie widmet sich auch der Frage, wie die verkehrliche Situation rund um die südliche Bushaltestelle Lichterfelde Ost verbessert werden kann. Die Lösungsvariante Kap-Haltestelle mit zunächst einer Fahrspur in Richtung Lankwitz und einem Fahrradweg hinter der Bushaltestelle und deren Wartebereich werde nicht weiter verfolgt, so die Studie, da sie von der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt mit der Begründung der Sicherung der Leistungsfähigkeit der Lankwitzer Straße abgelehnt werde.
Zur Prüfung wird vor diesem Hintergrund eine Variante vorgeschlagen, bei der der Autoverkehr an der Bushaltestelle weiterhin zweispurig geführt wird, der Gehweg auf das Regelmaß gemäß AV Geh- und Radwege angepasst wird und der Radverkehr auf einer gemeinsamen Spur mit dem Bus (Bussonderfahrstreifen mit Freigabe des Radverkehrs, lichte Breite 5,00 m) erfolgt.
Das Vorhaben
Mit der Erstellung und der öffentlichen Präsentation der Machbarkeitsstudie wird ein erster Schritt auf dem Weg hin zu einer Umgestaltung des Kranoldplatzes gegangen. Seit wenigen Tagen ist bekannt: Die Umgestaltung des Kranoldplatzes wurde als ein Vorhaben des Bezirks ausgewiesen und als solches auf seiner Vorhabenliste und unter www.mein.berlin.de unter anderem mit der Folge veröffentlicht, dass bei der Umsetzung des Vorhabens die „Leitlinien für Beteiligung der Bürger_innen in Steglitz-Zehlendorf“ zu beachten sind.
Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern
Das bedeutet unter anderem, dass der Bezirk ein Konzept entwickeln musste, in dem festgelegt wird, wie Bürgerinnen und Bürger am weiteren Prozess der Umgestaltung des Platzes zu beteiligen sind. Dieses Konzept liegt nun ebenfalls, wenn auch nur in Ansätzen, vor. Von den vier Stufen der Beteiligung „Information“, Mitwirkung“, „Mitentscheidung“ und „Entscheidung“ soll bei dem Vorhaben „Umgestaltung des Kranoldplatzes“ die Stufe „Mitentscheidung“ zur Anwendung kommen – eine Stufe, die in keinem aktuellen städtebaulichen oder verkehrlichen Projekt und auch sonst nur einmal in Steglitz-Zehlendorf ausgewiesen wird. Zum Konzept heißt es seitens des Bezirks: „Die Bürgerbeteiligung wird in Form eines Gremiums durchgeführt werden. Dieses Gremium wird zusammengesetzt sein aus Vertretern von Interessengruppen, Markthändlern und Gewerbetreibenden sowie engagierten Bürgern, die sich vorab für die Teilnahme werden bewerben können. Dieses Gremium wird dann im Zuge von mehreren konstruktiven Terminen mit fachlicher Unterstützung des Straßen- und Grünflächenamtes einen Konsensvorschlag für die Neugestaltung des Kranoldplatzes erarbeiten. Die Durchführung der Beteiligung wird ausgeschrieben werden.“ (www.mein.berlin.de am 01.05.26)
Stephan Voß
Der Autor ist Mitglied im „Bündnis für einen lebendigen Kranoldplatz“
Die Grafiken zu den unterschiedlichen Gestaltungsvarianten für den Umbau des Kranoldplatzes finden sich in der Studie, die hier heruntergeladen werden kann: https://hidrive.ionos.com/share/1vyaupyitq#$/
Kommentar des Autors zum Thema: https://stadtrand-nachrichten.de/licht-und-schatten-am-kranoldplatz/
Bisherige Beiträge zum Kranoldplatz: https://stadtrand-nachrichten.de/category/gesellschaft-politik/kranoldplatz/
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