Josef Graf will für die NPD Stimmen sammeln in Steglitz-Zehlendorf. Foto: privat

Auch die NPD schickt in Steglitz-Zehlendorf eine Direktkandidaten in den Bundestagswahlkampf. Josef Graf ist Vorstandsmitglied des NPD-Landesverbandes und wohnt in Treptow-Köpenick. 2011 war er zur Wahl zum Abgeordnetenhaus ebenfalls in Steglitz-Zehlendorf als Direktkandidat für die NPD angetreten.

StadtrandNachrichten: Herr Graf, Sie leben in Treptow-Köpenick. Warum treten Sie als Direktkandidat in Steglitz-Zehlendorf an?

Josef Graf: Es geht mir in der Politik nicht darum, einen Kiez-Patriotismus zu pflegen oder nach Lösungen für kiezspezifische Problemchen zu suchen. Die NPD ist eine gesamtdeutsch beziehungsweise großdeutsch ausgerichtete Partei. Wenn wir nicht die großen, existenzbedrohenden Probleme in den Griff bekommen, dann wird uns auch der sauber gemähte Rasen oder der gefegte Bürgersteig vor Ort nicht retten. Im Fall meiner Wahl würde ich allerdings auch meinen Wohnsitz nach Steglitz-Zehlendorf verlegen.

SN: Bereits vor zwei Jahren waren Sie bei den Kommunalwahlen in Steglitz-Zehlendorf Direktkandidat für die NPD und sind gescheitert. Warum denken Sie, dass Sie in diesem Jahr mehr Wähler für Ihre Ideen begeistern können?

Graf: Wahlen werden ja gerade deswegen ausgerichtet, weil man davon ausgeht, dass die Bürgerschaft ihre Meinung durchaus auch einmal ändert. Die Zeit arbeitet für die NPD, weil jeder Tag aufs Neue zeigt, daß unsere Warnungen nur allzu berechtigt sind. Insbesondere bin ich davon überzeugt, daß die vom Berliner Senat angekündigten Einquartierungen von Asylbewerbern bei vielen Deutschen einen Umdenkprozess auslösen werden.

SN: Woher wissen Sie, welche Themen die Steglitz-Zehlendorfer bewegen, worüber sie diskutieren?

Graf: Wie bereits gesagt, verfolgt die NPD eine gesamtdeutsche Politik. Zudem ist es nicht meine Absicht, den Kummerbriefkasten zu spielen, Meinungsumfragen zu veranstalten oder gar ein Wunschkonzert zu veranstalten. Vielmehr wollen wir Deutschland komplett umkrempeln, und dafür suchen wir eben auch in Steglitz-Zehlendorf Mitstreiter.

SN: Die NPD macht derzeit ja vor allem Schlagzeilen durch ihre Demonstrationen vor dem Flüchtlingsheim in Hellersdorf. Warum haben Sie etwas dagegen, dass Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Gewalt in ihrem eigenen Land fliehen, in Deutschland Zuflucht suchen?

Graf: Zunächst einmal müssen wir uns darüber klar werden, dass von interessierten Kreisen in unserem Land das Asylrecht seit Jahr und Tag dazu missbraucht wird, um Deutschland durch die Hintertür zum Einwanderungsland zu machen, oder wie es der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber ausgedrückt hat, zu einer „durchmischten und durchrassten Gesellschaft“. Hinzu kommt, dass die von Ihnen angeführten Kriege, Verfolgungen und Gewaltexzesse durchaus konkrete Ursachen haben. Die USA und ihre derzeitigen Hauptgehilfen Großbritannien, Frankreich und Israel destabilisieren weltweit Staaten, schüren Bürgerkriege und Aufstände. Zur Zeit ist die arabische Welt an der Reihe. Das Verursacherprinzip zu Grunde gelegt, müssten die genannten Staaten auch die von ihnen produzierten Flüchtlinge aufnehmen und pflegen.

SN: Stellen wir uns den unwahrscheinlichen Fall vor, die Demokratie in Deutschland würde von heute auf morgen kippen. Sie würden verfolgt, gefoltert und an Leib und Leben bedroht, würden Sie dann nicht auch um Asyl in anderen Ländern bitten?

Graf: Derart weitreichende Szenarien brauchen wir doch gar nicht zu entwerfen. Zahlreiche nationale Aktivisten haben bereits Bekanntschaft mit den Gerichten und auch den Gefängnissen dieses Staates gemacht, nicht etwa weil sie Gewaltverbrechen begangen, sondern weil sie missliebige Meinungen geäußert haben. Ich nenne hier nur den Regimekritiker Gottfried Küssel, den Dichter Gerd Honsik, Rechtsanwalt Horst Mahler und den freien Nationalisten Sven Skoda. In Rom steht Hauptmann Erich Priebke, der kürzlich seinen hundertsten Geburtstag feiern konnte, als letzter deutscher Kriegsgefangener seit Jahr und Tag unter Hausarrest, obwohl er vor Gericht mehrmals freigesprochen wurde. Ich für meinen Teil wüsste auch überhaupt nicht, in welchem Land die Genannten beziehungsweise ich selbst um Asyl nachsuchen könnten.

SN: Warum sollte man nicht, unabhängig von seinem Geburtsland, in einem Land seiner Wahl sein Glück suchen können? Deutsche wandern doch auch aus.

Graf: Man kann sich ja zum Beispiel auch nicht einfach in eine fremde Wohnung einquartieren, nur weil einem diese gefällt oder weil man der Ansicht ist, dass der Besitzer oder der Mieter die Wohnfläche nicht richtig ausnutzt. Die massenhafte Auswanderung von Deutschen ist angesichts unserer niedrigen Geburtenrate keineswegs im Sinne der NPD. Die etablierte Politik ist jedoch augenscheinlich nicht in der Lage, diesen Menschen eine Perspektive im eigenen Land zu bieten. Zudem ist zu bedenken, dass die allermeisten Deutschen, die dauerhaft auswandern, sich in Ländern ansiedeln, die im Zuge der europäischen Übersee-Expansion auch unter tatkräftiger Mithilfe deutscher Kolonialpioniere erschlossen wurden. Es liegt hier also im Fall der deutschen Auswanderer eine ganz andere Rechtsgrundlage vor, als bei denjenigen, die in unsere Sozialsysteme einwandern wollen.

SN: Sind für Sie alle Ausländer, die in Deutschland leben oder hierherkommen, kriminell?

Graf: Nein, das sind sie gewiss nicht. Allerdings kann jemand aus der Tatsache, dass er nicht kriminell ist, nicht ein Niederlassungsrecht in Deutschland oder in irgendeinem anderen x-beliebigen Land ableiten. Auch ich selbst kann ja nicht mit dem Nachweis, dass ich nicht kriminell bin, ein Niederlassungsrecht zum Beispiel in den USA, in Ägypten oder in Somalia geltend machen.

SN: Ist Ihre Einstellung nicht schädlich für die Wirtschaft und den Tourismus in Deutschland? Warum sollten ausländische Touristen und Investoren nach Deutschland kommen, wenn sie hier nicht willkommen sind?

Graf: Die NPD hat natürlich gegen ausländische Touristen, die sich ohnehin nur für kurze Zeit im Land aufhalten, oder gegen Investoren, die Arbeitsplätze in Deutschland schaffen wollen, überhaupt nichts einzuwenden. Durch die andauernde Dämonisierung des nationalen Widerstands durch die etablierte Politik und die bundesdeutschen Medien ist es jedoch durchaus denkbar, dass der ein oder andere Tourist oder Investor von seinen diesbezüglichen Plänen abgehalten wird. Damit müssen wir eben leben, zumal es ja auch gar nicht unsere Schuld ist. Unseren politischen Kampf werden wir deshalb jedenfalls bestimmt nicht einstellen.

SN: Deutschland schrumpft. Wenn nicht eingewandert werden darf, wie wollen Sie dann verhindern, dass dieses Land ausstirbt?

Graf: Mit sogenannten Einwanderern kann man allenfalls die Bevölkerungszahl der Bundesrepublik Deutschland halten oder erhöhen, man kann mit ihnen jedoch nicht das deutsche Volk als solches vor dem drohenden Volkstod bewahren. Alle Länder, die zumindest theoretisch geeignete, das heißt integrierbare Zuwanderer wie weiland zum Beispiel die Hugenotten stellen könnten, leiden doch allesamt selbst unter Bevölkerungsschwund. Deshalb können wir den Volkstod nur mit der Aufzucht von eigenem Nachwuchs abwenden. Hierfür muß die Politik die geeigneten Rahmenbedingungen schaffen, und das nicht nur materiell, sondern auch psychologisch. Dies wäre zudem wesentlich kostengünstiger zu haben gewesen, als die gescheiterten Integrationsbemühungen der vergangenen Jahrzehnte. Im Weltmaßstab gesehen ist die BRD doch ein extrem übervölkerter und rohstoffarmer Kleinstaat, der überhaupt keinerlei Platz für Einwanderer hat. Historisch betrachtet, war Deutschland auch immer in erster Linie ein Auswanderungsland.

SN: Die NPD möchte gern die DM wieder haben. Aber hat nicht gerade Deutschland vom Euro und insbesondere von der Euro-Krise profitiert, weil aufgrund der geringen Zinsen Kredite schneller abgezahlt werden konnten, neue Kredite nicht aufgenommen werden mussten und ausländische Investoren hier ihr Geld anlegten, weil Deutschland als sicher gilt?

Graf: Natürlich will ich nicht bestreiten, daß mit dem Euro auch der ein oder andere Vorteil verbunden ist. Es zeigt sich aber mittlerweile auch für ursprüngliche Befürworter der Gemeinschaftswährung, dass die Gefahren und Risiken erheblich sind. Hinzu kommt, dass eine einheitliche Währung für gänzlich unterschiedlich strukturierte Volkswirtschaften zwangsläufig zu Reibereien führt, die es bei Beibehaltung der nationalen Währungen so nicht geben würde. Deutschland hat von der Euro-Rettung sicherlich machtpolitisch profitiert, musste dafür aber auch erhebliche finanzpolitische Risiken eingehen. Der einfache Deutsche jedenfalls hat von dieser Entwicklung keinen direkten Vorteil. Auch kann es nicht im Interesse Deutschlands sein, wenn Finanz-Heuschrecken die Volkswirtschaften unserer Nachbarländer plündern.

SN: Für die NPD spielt das Attribut „deutsch“ eine wichtige Rolle. Können Sie mir sagen, was für Sie „deutsch“ ist?

Graf: Die Gesamtheit unserer Volkskultur, die in der Abstammungsgemeinschaft des deutschen Volkes wurzelt. Deshalb dürfen wir bei der Lösung der an uns herangetragenen Fragen nicht ausschließlich auf diejenigen hören, die heute am lautesten krähen. Vielmehr müssen wir auch die Meinung unserer Vorfahren und die Interessen der zukünftigen Generationen bei der Urteilsfindung mitberücksichtigen.

(go)