
Achim Förster führte die interssierten Zuhörer unter anderem zum einstigen Grundstück der Familie Keck an der Mühlenstraße. Foto: Gogol
Dass es neben jeder Menge Informationen auch Kritik an der Politik des Bezirkes geben würde, das war wohl jedem klar, der am Sonntag im Rahmen des „Langen Tags der Stadtnatur“ an der Führung vom Natur- und Umweltschützer Dr. Achim Förster teilnahm. Nicht umsonst war sie überschrieben mit „Ein Bezirk verbaut seine Stadtnatur“.
Allerdings begann das „Verbauen“ nicht erst in unserer Zeit, wie Förster am Ausgangspunkt der Tour, auf dem Zehlendorfer Mühlenberg, erklärte. Im 13. Jahrhundert entstand dort die erste Mühle im Bezirk. Doch dafür brauchten die Siedler allerdings Platz. Dicht bewaldet sei das Gebiet damals gewesen, ein richtiger „Urwald“, so Förster. Die Siedler jedoch vernichteten den Wald „ganz brutal“. Pollenanalysen weisen das nach. Stattdessen kamen Gräser und Kulturfolger wie Gemüse. Eine zweite Mühle – die Holländermühle – hätten die Bezirkspolitiker dem Verfall anheim gegeben, kritisierte der Naturschützer, für den Natur und Kultur zusammengehören, wie er erklärte.
Weiter gehen sollte es zur Mühlenstraße – allerdings mit einem kleinen Zwischenstopp am Herberger Weg, wo Förster auf eine kleine eiszeitliche Rinne aufmerksam machte. Vom Oscar-Helene-Heim, über die Zehlendorer Dorfkirche, das Rathaus – Försters Bezeichnung als „unausrottbarer Sumpf“ ließ einige der Zuhörer verschmitzt grinsen – weiter bis hin zum Siepesteig führt diese Rinne. An den S-Bahnhöfen Mexikoplatz und Zehlendorf merke man das heute noch, besonders wenn es regnet und die Bahnhöfe dann unter Wasser stünden. Das sind die Folgen, weil man diese Rinne zubaute, besonders mit Beginn der 1960er Jahre, als der Umbau zu einer „autogerechten Stadt“ begann. „Damals hat man unsozial gedacht, an die Autos hat man gedacht, nicht an die Menschen“, so Förster, der die interessiert lauschende Gruppe weiter führte zu einem Gelände an der Mühlenstraße, das Generationen von Kindern und Jugendlichen als Spielplatz diente und noch immer dient.
Einst gehörte das Grundstück der reichen Familie Keck, Caféhausbesitzer, die sich dort ein „Disneyland“ errichtete – zumindest für die damalige Zeit. Reste zeugen noch von der Grotte, die dort einst stand. Die Familie verlor während der Inflation ihr gesamtes Vermögen, auch das Grundstück, das heute dem Liegenschaftsfond gehört. Noch immer muss man wohl sagen, denn wie Förster erklärte, scheiterte vor rund fünf Jahren ein Versuch, das Grundstück zu verkaufen. Die Berliner Forsten reklamierten es als Waldgrundstück, die Stiftung Natur betonte, welche Bedeutung das Areal als innerstädtisches Naturerlebnis für die Stadtkinder habe.
Der Bezirk habe es versäumt, Mittel für Ausgleichsmaßnahmen für das Objekt in Anspruch zu nehmen, so Förster weiter. Schlicht vergessen hätten die Politiker das Areal. Dabei sei die Schaffung von Naherholungsbebieten so wichtig. Die Ölförderung sei rückläufig, die Preise werden steigen, mal schnell irgendwo hin fliegen, sei dann fast nicht mehr möglich. Deshalb brauche die Stadt Naherholungsgebiete. Eines im Bezirk werde derzeit allerdings gerade verbaut, der Plüschowweg, kritisierte Förster.
Weiter ging es in den Schönower Park. Das Areal gehörte einst Heinrich Laehr, der dort die Nervenheilanstalt Schweizerhof errichtete. Landwirtschaft wurde dort betrieben, Hühner und Rinder gehalten, Gärten angelegt. Doch auch die Familie verlor ihr Vermögen während des ersten Weltkrieges. Einige Gebäude standen aber noch bis in die 1960er Jahre.
Viel hatte Förster zu berichten, etwa über den Irrglauben, auf Parkhäusern Wälder anlegen zu können, über Verhandlungen mit Investoren im Bezirk, die ständig wechseln, über Architekten, die Bäume als „Gestaltungselemente verstehen“, über zugeschüttete Seen und vertane Chancen, über Rasenpflege und natürliche Bodenverbesserung.
Förster beendete seine kleine Führung am Familiengrab der Familie Laehr. Wer dann noch nicht genug hatte, für den hatten Förster noch ein paar Ausführungen zu den Bäumen im Park parat, oder der konnte selbst den Schönower und den Heinrich-Laehr-Park erkunden.












Foto: Haus der Jugend Zehlendorf[/caption]
Jugendliche zwischen 15 und 27 Jahren können vom 19. Bis 23. Oktober an einer Fahrt nach Krakau und zu den Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau teilnehmen. Interessierte können sich bis zum 22. Juni anmelden.
In einem gemeinsamen Projekt wollen vier Steglitz-Zehlendorfer Jugendeinrichtungen ein „starkes Zeichen für die Stärkung der Erinnerungskultur und die Förderung der Gedenkstättenpädagogik“ setzen. Vom 19. Oktober bis 23. Oktober findet eine Bildungsfahrt nach Krakau statt, bei der die Teilnehmenden die historischen Gedenkstätten Auschwitz und Birkenau besuchen sowie eine Stadtführung in Krakau erleben werden.
Zielgruppe sind Jugendliche im Alter von 15 bis 27 Jahren, die durch diese Reise nicht nur wertvolles Wissen über die Geschichte des Holocaust erlangen, sondern auch die Möglichkeit erhalten, sich aktiv mit den Themen Erinnerung, Verantwortung und Zivilcourage auseinanderzusetzen.
Geplant sind zwei Exkursionen mit fachkundigen Führungen in das Auschwitz Stammlager sowie Auschwitz-Birkenau mit der Chance auf tiefe Einblicke in die Geschichte und die Auswirkungen des Holocaust. In Krakau steht eine Stadtführung auf dem Programm, bei der die Teilnehmenden mehr über die kulturellen und historischen Hintergründe der Stadt und die jüdische Community erfahren.
Wichtig: die Anmeldefrist endet am 22. Juni. Alle Infos:
Es ist mir, einer Japanerin beneidenwert, dass es solche herzhafte Leute gibt, die den edelen Sinn und hohen Kentnisse fuer Naturschuetz haben und sehr aktiv fuer eigenen Lebensraum handeln.