„In 43 Jahren hat sich viel angesammelt“, sagt Andreas Pahl lachend am Telefon. Der Leiter der Polizeidirektion 4, zuständig für Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg, räumt sein Büro. Nach 43 Jahren, davon 17,5 als Direktionsleiter in Lankwitz, geht er in den Ruhestand.
Am Montag wurde Pahl von rund 300 Gästen aus Politik, Polizei und ausländischer Vertretungen verabschiedet, auch Innensenator Frank Henkel kam in die Eiswaldstraße, um dem dienstältesten Direktionsleiter Berlins für seine Arbeit zu danken.
Wehmütig sei er nicht, sagt Pahl am Mittwoch, seinem letzten Arbeitstag. „Alles hat seine Zeit“, so der 63-Jährige. „In der Rückschau ist es schön zu sagen, dass ich den richtigen Beruf gewählt habe. Es war eine tolle Zeit“. Doch nun beginnt für ihn ein neuer Abschnitt. „Ich will mal in den Tag hinein leben“, sagt er und sich mehr um die Familie kümmern, die für seinen Job häufig zurückstecken musste. Verreisen will er, in die Berge und an die Ostsee. Doch auch was er nicht will, weiß Pahl genau: keine Ehrenämter, kein Eintritt in Vereine, Beiräte und Aufsichtsräte. „Ich fürchte die Verpflichtung und die Fremdbestimmung“, sagt Pahl. Das habe er lange genug in seinem Beruf gehabt. Zudem verspricht er lachend: „Ich werde keine Leserbriefe schreiben über den Zustand der Polizei.“
Angefangen hat die berufliche Laufbahn des Direktionsleiters nach seinem Abitur 1971, dann trat er in dem Kriminaldienst ein. Von da an durchlief er zahlreiche Stationen bei der Kriminalpolizei, war unter anderem Kommissariatsleiter der Abteilung H, die in West-Berlin bei Raubüberfällen auf Banken, Geschäfte, Wohnungen und Geldtransporter sowie bei räuberischer Erpressung ermittelte, er war Inspektionsleiter des Landeskriminalamtes (LKA) und übernahm als Ausbildungsleiter den kriminalpolizeilichen Teil der Ausbildung an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege. 1987 wurde Pahl Referent des damaligen Polizeipräsidenten Georg Schertz. In diese Zeit fiel der Fall der Mauer und die Wiedervereinigung. Als Referatsleiter des LKA kümmerte Pahl sich ab 1991 um die organisierte Kriminalität. Im Dezember 1996 wurde er Leiter der Direktion 4 in Lankwitz. „Da habe ich dann zum ersten Mal die Uniform angezogen“, sagt Pahl.
Einer der spektakulärsten Fälle, die er in seiner langen Karriere bearbeitete, war der der Hammerbande. Sie machte mit Überfällen auf Geld- und Werttransporte und Erpressungen von Kaufhäusern Schlagzeilen. „Sechs Jahre haben wir gebraucht, um sie zur Strecke zu bringen“, erinnert sich Pahl. Die Täter wurden zur Höchststrafe von 15 Jahren verurteilt.
Barack Obama die Hand geschüttelt
Von Kriminalfällen könne er viel erzählen, sagt der 63-Jährige. Doch besonders gerne erinnert er sich an die Staatsbesuche in Berlin. Seine Direktion ist stadtweit dafür zuständig, diese abzusichern. Und so hatte Pahl mehrfach 7.000 Beamte in der Stadt im Einsatz, die für die Sicherheit israelischer und chinesischer Staats- und Ministerpräsidenten sorgten. Auch als Barack Obama die Hauptstadt besuchte – erst als Präsidentschaftskandidat dann als Präsident – koordinierte Pahl den Einsatz der Polizei in der Stadt. „Es ist schon eindrucksvoll, wenn der Präsident einem die Hand schüttelt und Danke sagt.“ Solche Erinnerungen seien es, die haften bleiben. Genauso aber auch die tragischen Fälle, wie die Gasexplosion an der Lepsiusstraße. 1998 war das Haus mit der Nummer 57 ineinander zusammengefallen, sieben Menschen starben in den Trümmern. Die Polizei unterstützte die Feuerwehr bei der Suche nach Verletzten und Toten. Als Polizist werde man mit vielen Schicksalen konfrontiert, muss Todesnachrichten überbringen und Tatorte von Kapitalverbrechen sichern. Das vergesse man nicht, berichtet der Direktionsleiter.
Hat sich die Art der Kriminalität in den vergangenen 43 Jahren verändert?
„Mord gab es schon immer“, sagt Pahl und verweist auf die Geschichte von Kain und Abel. Was sich aber geändert habe, sei die erschreckende Gewaltbereitschaft der jungen Menschen. Raufereien habe es auch früher gegeben, doch heute werden Opfer, die am Boden liegen, weiter getreten und geschlagen, so Pahl und erinnert an Jonny K., der am Alexanderplatz zu Tode geprügelt wurde. „So etwas habe ich in dieser Form nicht wahrgenommen, als ich in den Dienst eintrat.“ Doch es gab auch Verbesserungen, etwa im Bereich Gewalt in der Familie. Früher als „Familienstreitigkeiten“ abgetan, werde das heute als Straftat verfolgt. „Die Polizei reagiert“, versichert der Direktionsleiter.
Anders als in der Bevölkerung oft wahrgenommen, sei die Zahl der Straftaten auch rückläufig. Er wolle es zwar nicht schönreden, aber in einer Stadt mit 3,5 Millionen Menschen gebe es nun mal Straftaten – und die bekämpfe die Polizei auch. Man – und damit meint Pahl vor allem die Medien – müsse nur aufhören, die Menschen zu verunsichern.
(go)












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