
Bei „Showdown“ wird Tischtennis blind gespielt. Eine Sportart für Menschen mit und ohne Sehbehinderung. Bild: Veranstalter
Es geht um die begehrten Startplätze bei der Deutschen Meisterschaft. Dafür greifen am kommenden Wochenende zwölf Damen und zehn Herren zu Ball und Schläger und nehmen an den Qualifikationsspielen teil. Das Besondere: sie alle tragen eine Augenbinde.
Der in Zehlendorf ansässige Berliner Blinden- und Sehbehindertensportverein von 1928 e.V. (BBSV e.V.) richtet am 7. und 8. Januar das Qualifikationsturnier für die Deutschen Meisterschaften 2017 in Berlin aus. Blinde, sehbehinderte und sehende Spieler und Spielerinnen kämpfen dabei in der inklusiven Sportart „Showdown“, auch Tischball genannt, um die Teilnahme an der DM. Sechs Damen und vier Herren werden einen Platz bekommen. Doch die Konkurrenz ist stark: Mit am Start sind die dreifache Deutsche Meisterin und ehemalige Vize-Europameisterin Antje Samoray, der zweifache Deutsche Meister Benjamin Neue, die Siegerin der „Regionalmeisterschaft Süd“ Birgit Riester und weitere Treppchen‑Kandidaten. Aber was ist Showdown eigentlich?
Eine Mischung aus Tischtennis und Airhockey
Showdown ist eine inklusive Sportart, die sich am ehesten mit einer Mischung aus Tischtennis und Airhockey vergleichen lässt. Der 3,66 Meter lange und 1,22 Meter breite Spieltisch ist von einer 14 Zentimeter hohen Bande umgeben. An den kurzen Seiten befindet sich je ein Tor in Form eines halbrunden Loches.
Beide Spieler verteidigen ihr Tor mit einem Schläger und versuchen, den rasselnden Ball in das gegnerische Tor zu befördern. Der Ball muss nicht über ein Netz, sondern unter einer Mittelbande hindurch gespielt werden.
Alle Spieler, egal, ob blind, sehbehindert oder sehend, tragen dabei eine Augenbinde. So werden gleiche Bedingungen für alle geschaffen.
Die Geschichte
Erfunden wurde das Spiel in den 60er Jahren in Kanada. Nach Deutschland kam es dann in den 90ern. Seit 2010 finden offizielle Deutsche Meisterschaften statt. Im Jahr 2015 war Showdown das erste Mal bei den IBSA World Games and Championships vertreten.
Die diesjährige Deutsche Showdown-Meisterschaft findet vom 6. bis zum 9. April statt.
Alle, die auf diese faszinierende Sportart neugierig geworden sind, lädt der BBSV e.V. ein, am kommenden Wochenende bei dem Turnier vorbeizuschauen und die Athleten anzufeuern.
Das Turnier findet in der Erich-Kurz-Straße 6-10, 10319 Berlin-Lichtenberg statt.
Weitere Infos gibt es unter: www.showdown-germany.de
(sn)










Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (