
Foto: Daniela von Treuenfels
Am 1. Oktober wurde die Treitschkestraße offiziell in Betty-Katz-Straße umbenannt.
An der kleinen Feier anlässlich der seit 30 Jahren diskutierten und nun umgesetzten Neubenennung nahmen rund 50 Personen teil, darunter Vertreter von Grünen, SPD, Linken und FDP. Auch Anwohner und Angehörige der Kopernikus-Oberschule waren dabei. Die CDU, die die Entfernung des Historikers Heinrich von Treitschke aus dem Berliner Straßenbild bis zuletzt abgelehnt hatte, war nicht vertreten.
Für einen Zeitraum von sechs Monaten wird die neue Betty-Katz-Straße zusätzlich mit dem Hinweis „Treitschkestraße“ versehen, wobei die alte Bezeichnung rot durchgestrichen dargestellt ist. Nach Ablauf dieser Übergangszeit wird die Doppelbeschilderung entfernt.
Der ursprüngliche Name „Treitschkestraße“ ging auf den Historiker Heinrich von Treitschke zurück, der heute als Wegbereiter des politischen und kulturellen Antisemitismus gilt. Betty Katz hingegen war Direktorin des jüdischen Blindenheimes in der Wrangelstraße. Sie wurde Opfer des Holocaust und starb vor 81 Jahren am 6. Juni 1944 in Theresienstadt.
Die Änderung des Straßennamens hat für Anwohnerinnen und Anwohner melderechtliche Auswirkungen. Sowohl deutsche Personalausweise als auch deutsche Kfz-Zulassungsbescheinigungen müssen geändert werden. Wer nicht Deutscher ist, braucht eine neue Meldebescheinigung. Diese Änderungen sind ab Oktober 2025 für die betroffenen Personen kostenfrei und ohne vorherige Terminvereinbarung während der üblichen Öffnungszeiten in den drei bezirklichen Bürgerämtern (Rathaus Steglitz, Rathaus Zehlendorf und Lankwitz) möglich.
Daneben bietet das Mobile Bürgeramt seine Dienste an zwei Tagen im Oktober direkt vor Ort an. Ein Besuch ist für die Anwohnerinnen und Anwohner der Betty-Katz-Straße ohne vorherige Terminvereinbarung hier möglich:
Kopernikus Oberschule, Lepsiusstr. 28 (Ecke Betty-Katz-Straße), 12163 Berlin (Haupteingang / Foyer rechts / Probenraum)
Dienstag, den 07. Oktober 2025 von 09 – 15 Uhr
Dienstag, den 14. Oktober 2025 von 11 – 17 Uhr
Treuenfels/pm
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Schloßstraße 26 im Jahr 1925: An der Ecke Zimmermannstraße verkaufte Ernst Taeger Röcke und Blusen. | Foto: Museum Steglitz Nr. 03114[/caption]
Eine Ausstellung in der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek macht aufmerksam auf die große Bedeutung jüdischen Lebens und jüdischer Wirtschaftstätigkeit für das Aufblühen der Schloßstraße im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.
Die Schloßstraße entwickelte sich ab Ende des 19. Jahrhunderts in rasantem Tempo zur Einkaufsmeile. Die Eisenbahnverbindung zwischen Potsdam und Berlin mit Halt in der Albrechtstraße und die vor 1900 verkehrenden Straßenbahnen machten die Landgemeinde Steglitz attraktiv. Niedrige Grundstückspreise und Mieten lockten viele Geschäftsleute in die Steglitzer Hauptverkehrsstraße.
Jüdisches Leben hatte einen großen Anteil an dieser wirtschaftlichen Entwicklung und am Glanz und Reichtum der Schloßstraße. Jüdische Kaufleute betrieben zahlreiche spezialisierte Einzelhandelsgeschäfte, Handwerksbetriebe und größere Warenhäuser.
In den zwischen 1900 und 1910 entstandenen Wohn- und Geschäftsgebäuden lebten und arbeiteten jüdische Menschen in Bäckereien, Zigarrenläden und Konfektionsgeschäften, als Rechtsanwälte, Ärzte und Musiker.
Die Ausstellung erinnert mit acht kurzen Biographien und einer Übersicht von 40 Wirtschaftsbetrieben an diese Vielfalt und zeigt die radikale Vernichtung jüdischen Lebens nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten im Jahr 1933. In nur wenigen Jahren wurden alle jüdischen Gewerbetreibenden zur Geschäftsaufgabe gezwungen, jüdische Bewohnerinnen und Bewohner vertrieben oder deportiert. Heute erinnern nur einige im Jahr 2025 verlegte Stolpersteine und eine unauffällige Gedenktafel an das einst vitale jüdische Leben. Die Gedenktafel erinnert an Moritz Feidt, der im Jahr 1907 in der Schloßstraße 97 das erste größere Warenhaus eröffnete.
JÜDISCHES LEBEN IN DER SCHLOẞSTRAẞE
19.9.—14.11.2026
Eine Ausstellung in der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek
Grunewaldstraße 3, im Einkaufzentrum "Das Schloss"
Öffnungszeiten
Montag bis Freitag 11 – 19 Uhr
Samstag 11 – 16 Uhr
Eintritt frei
VERANSTALTUNGEN
Sonntag, 27. September, 12:00 Uhr
Geschichte vor Ort. Jüdisches Leben in der nördlichen Schloßstraße
Stadtspaziergang mit Sabine Davids und Barbara Wittkopf