Unter Einheits-Linde in Lankwitz wurde der Wiedervereinigung vor 25 Jahren gedacht. Foto: Gogol

Mit einer Gedenkveranstaltung auf der Dorfaue in Lankwitz erinnerte der Bezirk Steglitz-Zehlendorf am 3. Oktober an 25 Jahre deutsche Einheit. Rund um die Linde, die ein Vierteljahrhundert zuvor dort gepflanzt worden war, versammelten sich Bürger und Bezirkspolitiker, um auf das Erreichte und die Veränderungen zurückzublicken.

Nach musikalischer Einleitung vom Bläserchor der Lankwitzer Dorfkirchengemeinde und der Band „Monday Midnight Special“ der Musikschule Steglitz-Zehlendorf war es zunächst René Rögner-Francke, der als Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) das Wort ergriff. Er fand, dass die Deutschen „froh und dankbar“ sein können, dass ihnen das Geschenk der Einheit nach Jahren der Teilung  gemacht wurde. Mittlerweile sei eine Generation herangewachsen, die die Mauer nur noch aus Geschichtsbüchern und der Erzählung ihrer Eltern kenne, für ältere sei die Einheit Alltag geworden, nicht Besonderes mehr. Deshalb sei es an Tagen wie diesen besonders wichtig, an die Jahre vor 1989/90 zu erinnern­ – an die Teilung, die Drangsalierung, die Bespitzelung und die „tötliche Situation an der Grenze“, an den Schießbefehl, die Selbstschussanlagen und die Angst.

Der Feiertag lade aber auch dazu ein, zu schauen, was man in den Jahren erreicht habe, wie sich Deutschland „zum Guten verändert habe“, so Rögner-Francke. Er dankte vor allem den Menschen der Bürgerbewegung, die die Mauer zum Einsturz gebracht und die Einheit ermöglicht haben. Er dankte ihnen für „ihr Engagement, ihre Beharrlichkeit und ihren Mut“.  Sie bescherten Deutschland das „Wunder der Freiheit, das Wunder der Einheit“.

Dass alle frei und sicher leben können, das sei der Grundpfeiler der Demokratie, sagte Rögner-Francke, der sich damit gegen Aus- und Abgrenzung wandte. „Wir sind heute eine vielfältige Gesellschaft. Das bereichert uns. Der Nationalismus ist eine Sackgasse“, betonte der BVV-Vorsitzende angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation.

Und so appellierte auch der stellvertretende Bezirksbürgermeister Michael Karnetzki, der anschließend die Bühne betrat, keine neuen Mauern zu errichten. Er betonte, dass die Wiedervereinigung mit dem Beitritt der DDR zwar ein formaler Akt gewesen aber auch sehr viel mehr gewesen sei. Er zitierte Walter Momper, der damals sagte, dass die Deutschen nun das glücklichste Volk auf der Welt seien. „Und das war auch so. Daran sollten wir uns erinnern, wenn wir über vieles jammern“, appellierte Karnetzki. Er erinnerte daran, dass der Anfang der Wende der „Freiheitswille der Menschen in der DDR und anderer Länder in Osteuropa“ gewesen sei, der sich mutig Bahn geschlagen habe. „Das Wichtigste war der Kampf für Demokratie und Freiheitsrechte“, sagte Karnetzki, der aber auch daran erinnerte, dass es vor 25 Jahren Ängste gab in Europa vor einem vereinigten Deutschland. Die Zustimmung zur Einheit sei im Vertrauen darauf gewährt worden, dass das wiedervereinte Deutschland ein anderes, ein friedliches Land sein werde.  Das habe man in den vergangenen 25 Jahren gezeigt. Man trage die Verantwortung, dass es auch so bleibe.

(go)