„Wer nicht kann halten Maß, das Bauen lieber lass. Schon dieser kleine Zwickel, kost‘ 100.000 Nickel“ – Der Spruch zierte das erste Wohnhaus von Gustav Lilienthal in Lichterfelde. Neben der Flugforschung, die er mit seinem älteren Bruder Otto Lilienthal betrieb, sah er Zeit seines Lebens seine Berufung darin, „familienfreundliche Häuser“ für die „unteren Schichten des Mittelstandes“ zu bauen. Seine „Burgen“ sind das Denkmal des Monats Oktober.
Nach der Maurerausbildung in seiner Heimatstadt Anklam kam Gustav zum Studium an die Bauakademie in Berlin. Es folgten Auslandsaufenthalte in Prag, England, Paris und Australien, um Wohnhäuser, historische Stätten und ihre Denkmale zu studieren. Schließlich ließ er sich mit einem Baugeschäft in Lichterfelde nieder.
Sein erstes Haus in Lichterfelde baute er 1892 für sich und seine Familie auf einem nur 200 Quadratmeter großen Grundstück (heute stark verändert, Tietzenweg 51). Es war so klein, dass seine Frau sich so manchen Spott der Nachbarn aus den repräsentativen Gründerzeitvillen anhören musste. Gustav Lilienthals Antwort war der eingangs genannte Spruch, der gut sichtbar am Haus angebracht wurde. Trotz der bescheidenen Größe zeigte das Haus bereits die typischen Merkmale vieler späterer Bauten: flaches Dach mit Türmchen und Zinnen bekrönt, Verzicht auf Sockelgeschoss und repräsentative Innenräume, schlichte Fassadengestaltung durch verschiedene Putzstrukturen und Fensterformen. Seine Vorbilder waren englische Reihenhäuser, wie er sie auf seinen Reisen so oft gesehen hatte.
Nur zwei Jahre nach dem Bau erwies sich das Haus im Tietzenweg für die wachsende Familie als zu klein. In der Marthastraße 5 konnte Gustav Lilienthal ein größeres Haus errichten, das er bis zu seinem Tod 1933 bewohnte und das sich noch heute in Familienbesitz befindet.
Die eigenwilligen Häuser zu bezahlbaren Preisen gefielen vor allem dem Bildungsbürgertum. Zwischen 1892 und 1900 erhielt Gustav Lilienthal Aufträge für mehr als 20 weitere Einfamilienhäuser in Lichterfelde.
Der Architekt besaß das besondere Gespür, mit bescheidenen Mitteln praktische und ansprechende Häuser zu bauen. Es war ihm ein besonderes Anliegen, gute Wohnverhältnisse zu schaffen, die nicht nur den Vermögenden vorbehalten bleiben sollten. Die aufwändigen Villen der Wilhelminischen Zeit mit ihrer starren Raumaufteilung und ihren repräsentativen Fassaden waren ihm ein Dorn im Auge. Bei seinen Häusern hat der Menschenfreund und Reformer Gustav Lilienthal an die Bedürfnisse aller Nutzer gedacht, nicht nur an die der Hausherren, sondern auch an die der Kinder, Hausfrauen und des Personals. Die Häuser sollten familienfreundlich, praktisch und gemütlich sein. Auf kostenintensive Bauteile, die nur der Außenwirkung dienten, wurde verzichtet: So wurde das bisher übliche hohe in der Regel unausgebaute Satteldach durch ein flaches Pultdach ersetzt, der Keller wurde durch einen Graben belichtet. Auf ein Sockelgeschoss wurde verzichtet. Doppelhäuser konnten auch auf kleinen kostengünstigen Grundstücken errichtet werden, statt teuren Stuck oder Klinkerfassaden gestaltete Lilienthal seine Fassaden durch den Wechsel von glattem und rauen Putz, abgesetzt mit sparsamen Klinkerverzierungen. Der raue Putz wurde mit einem Reisigbesen aufgetragen, eine ebenso individuelle Lösung wie die Lilienthalsche Fensteraufteilung oder die von ihm entworfenen Beschläge. Seine Häuser sind nicht nur in Stockwerke geteilt, sondern stellen komplizierte Raumgebilde mit versetzten Zwischengeschossen dar, verbunden durch das Treppenhaus, das immer das Zentrum der Häuser bildet.
Auch technisch sind die Häuser innovativ: Der zweischalige Wandaufbau, in dem sich die Schächte der Warmluftheizung befinden, ist seiner Zeit weit voraus. Ständig auf der Suche nach preiswerten Baumethoden, entwickelte er die Terrastdecke, eine Fertigteildecke, die er vermutlich in seinem letzten Lichterfelder Wohnhaus in der Baseler Straße 63 zum Einsatz brachte. Obwohl die an schottische Burgen erinnernden Häuser bei oberflächlicher Betrachtung formal der rückwärts gewandten romantischen Burgenarchitektur zugeordnet werden könnten, stehen sie für den Beginn der Moderne. Die Burgzinnen sind zugleich Abluftschächte der Warmluftheizung und die hölzerne Zugbrücke schafft den Zugang zum Haus ohne den Wohnräumen im Kellergeschoss das Licht zu nehmen.
Heute befinden sich 16 der 22 Lichterfelder Lilienthal-Häuser unter Denkmalschutz. Besonders im zweiten Wohnhaus von Gustav Lilienthal in der Marthastraße 5 lässt sich die damalige Wohnkultur noch weitgehend unverändert erleben, aber auch die anderen Häuser verfügen noch über viele originale Bauteile wie den mittlerweile 120 Jahre alten Putz. Obwohl die Senkung der Baukosten von zentraler Bedeutung für Gustav Lilienthal war, hat er an der Qualität der Ausführung und der verwendeten Materialien nie gespart.
Am 9. Oktober 2015 wäre Gustav Lilienthal 166 Jahre alt geworden.
Die Lilienthalhäuser im Überblick:
Tietzenweg 51/ 53 (stark verändert, kein Denkmalschutz)
Marthastraße 4
Marthastraße 4a/ Potsdamer Straße 57a
Marthastraße 5/ Potsdamer Straße 57
Potsdamer Straße 63
Weddigenweg 8
Weddigenweg 9
Weddigenweg 16
Weddigenweg 17/ Paulinenstraße 24
Paulinenstr. 25
Paulinenstraße 26
Paulinenstraße 27
Paulinenstraße 28
Walter-Linse-Straße 9
Baseler Straße 63 (stark verändert, kein Denkmalschutz)
Ringstraße 58 (stark verändert, kein Denkmalschutz)
Ringstraße 60/61 (stark verändert, kein Denkmalschutz)
Geibelstraße 6, (Wilhelm Schrader unter Mitarbeit von Gustav Lilienthal)
Sabine Schmiedeke / Denkmalschutzbehörde















Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Damit auch alles glatt läuft für die Radfahrer, wurde jetzt das Kopfsteinpflaster abgefräst.
Vor gut einem halben Jahr wurde auf dem Tietzenweg zwischen Unter den Eichen und Gardeschützenweg die Fahrradstraße fertiggestellt. Hier haben Radfahrer Vorrang, Kraftfahrzeuge werden als Anlieger weiterhin zugelassen. Radfahrerinnen und Radfahrer dürfen nebeneinander fahren, für alle gilt die Geschwindigkeitsbeschränkung auf maximal 30 km/h. Ausnahmen gelten für Müllfahrzeuge, Rettungswagen sowie für Polizei und Feuerwehr.
Eine Weiterführung der Vorrangstraße für Radfahrer ist ab dem Gardeschützenweg perspektivisch bis zum Hindenburgdamm vorgesehen. Damit Radfahrer in Richtung Augustastraße weiter komfortabel unterwegs sein können, wird derzeit das Kopfsteinpflaster geglättet. Zunächst hat sich die große Maschine durch den Tietzenweg zwischen Gardeschützenweg und Viktoriastraße gescheppert. Derzeit wird das nächste Teilstück bis zur Augustastraße fertiggestellt.
Im Zuge dessen wird die Kreuzung Tietzenweg/Sophienstraße/Viktoriastraße asphaltiert und barrierefrei ausgebaut. Gehwegvorstreckungen sollen die Wegebeziehungen verbessern und Übergänge sicherer machen.
Die Kosten für die bisherigen Maßnahmen liegen bei rund 800.000 Euro. Nach Angaben des zuständigen Stadtrats Urban Aykal (Grüne) wurden für den ersten Abschnitt 155.000 Euro ausgegeben. Für den zweiten Teil werden insgesamt 650.000 Euro fällig, davon alleine 300.000 Euro für das Abfräsen des Pflasters.
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Frisch gefrästes Kopfsteinpflaster: eben und mit kleinen Rillen. | Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
In einem dritten Abschnitt soll im nächsten Jahr der dritte Bauabschnitt bis zum Hindenburgdamm fertiggestellt werden. Das Ziel ist es, so Stadtrat Aykal, „eine sichere Radverbindung von Lankwitz und Lichterfelde zur FU und zur City West zu schaffen“. Auch vor dem Hintergrund, dass an der Drakestraße aufgrund der geringen Breite kein Radweg angelegt werden könne, sei das „sehr wichtig“.
Als Urban Aykal die Ideen im Juni vergangenen Jahres erstmals im Rahmen des Runden Tisches vorstellte, sprach er von einem „Campus Lichterfelde West“. Gemeint sind verkehrliche Maßnahmen für die dortigen 10 Schulen und zahlreichen Kitas mit ihren rund 10.000 Kindern und Jugendlichen.
Der Tietzenweg, der Teil des Berliner