In einer kleinen Weihnachtsserie stellen wir in diesem Jahr verschiedene Ehrenamtsprojekte in Steglitz-Zehlendorf vor. Im letzten Teil erzählen die Sterbebegleiterinnen des Pflegeheims Schönow in Zehlendorf von ihrer ehrenamtlichen Arbeit.

Es ist der letzte Dienst, dem man einem Menschen erweisen kann – ihn beim Sterben nicht alleine lassen. Diese Aufgabe übernehmen die ehrenamtlichen Sterbebegleiter im Pflegeheim Schönow, die dafür in diesem Jahr mit dem zweiten Platz im Wettbewerb „Ehrenamtsengel“ des Kirchenkreises Zehlendorf-Teltow ausgezeichnet wurden.

Wenn sich im Pflegeheim der Tod eines Bewohners ankündigt, dann ist, wenn gewünscht, die Sterbebegleiterin da, besucht den Patienten, sie gehen spazieren, wenn noch möglich, reden miteinander. Doch die Ehrenamtlichen sind nicht nur für den sterbenden Bewohner da, sondern auch für deren Angehörige, sie unterstützen und entlasten sie, versuchen, ihnen die Angst und die Scheu vor dem Tod zu nehmen und sie zu ermuntern, den Vater, die Mutter, die Großmutter oder den Großvater beim Sterben zu begleiten, erläutert Dorothea Klopfer die Aufgaben eines Sterbebegleiters.

Klopfer koordiniert die Hospizarbeit im Pflegeheim, hat sie 2009 sogar initiiert. 14 Jahre lang war die heute 67-Jährige Pflegefachkraft in dem Haus. Vor vier Jahren hatte sie dann Idee, den Hospizgedanken in die Einrichtung zu bringen und stieß bei der damaligen Pflegedienstleiterin auf offene Ohren. Beratung und Unterstützung holte sich Klopfer beim Diakonie-Hospiz in Wannsee. Ein Jahr später begann sie damit, die ersten Ehrenamtlichen auszubilden. 14 Monate dauert die Ausbildung, in der die Ehrenamtlichen Gesprächsführung und pflegerische Grundbegriffe lernen, sich mit dem Tod und dem Sterben auseinandersetzen.

Eine der ersten in der Ausbildung war Christel Zillich. Sie habe mehrere Motive gehabt, sich für dieses Ehrenamt zu entscheiden, erzählt die 77-Jährige. Zum einem sei sie beim Sterben ihrer eigene Eltern nicht dabei gewesen, zum anderen suchte sie eine Möglichkeit, sich außerhalb ihrer Kirchengemeinde zu engagieren. Zudem habe sie die zusätzliche Ausbildung gereizt. „Ich habe allergrößten Respekt vor denen, an deren Bett ich stehe“, sagt Christel Zillich. „Sie hatten ein langes Leben, das nun begrenzt ist“, teilweise sogar nur auf das Bett. Wertschätzung will sie ihnen entgegenbringen.

Sie lerne aber auch unheimlich viel, sagt Zillich. So erinnert sie sich an die Begleitung einer 103-Jährigen. „Was an einem Tag stimmt, stimmte am nächsten nicht“, erzählt Zillich, die sich selbst als sehr geradlinig bezeichnet. Auf diese Situation habe sie sich einstellen müssen, „um ihr zu geben, was sie braucht“.

Pflegedienstleiterin Kerstin Glante schätzt die Arbeit der Sterbebegleiterinnen sehr. „Die Pflegekräfte ‚bedienen‘ den Körper, die Ehrenamtlichen fangen die Seele auf“.

Die Zahl der Bewohner ohne Angehörige steige, viele hätten Angst davor, loszulassen, da sei es wichtig, dass jemand für sie da ist. Wenn es Angehörige gibt, fehle den Pflegekräften oft die Zeit, sich um diese zu kümmern. Das übernehmen die Ehrenamtlichen. Und auch für das Personal seien die Sterbebegleiter wichtig, denn sie schafften eine seelische Entlastung für die Pflegekräfte, die die Sterbenden in guten Händen wissen. Und sie schaffen eine Möglichkeit, Abschied zu nehmen. Jedes der Häuser der Pflegeeinrichtung hat dabei sein eigenes Ritual.

Das Zeitproblem kennt auch Irmtraut Weber-Ziemke. Die 67-Jährige hat früher in einem Krankenhaus gearbeitet. „Es gab nie Zeit für die Sterbenden“, erinnert sie sich. Deshalb habe sie sich vorgenommen, wenn sie in den Ruhestand geht, sich der Hospizarbeit zu widmen. Sich an die Aufgabe zu gewöhnen sei trotzdem nicht leicht gewesen. Der Tod passiere im Krankenhaus „nebenbei, hier ist es die Hauptsache“, sagt die Sterbebegleiterin. Gleichzeitig will sie auch eine Lanze für die Pflegekräfte in der Pflegeeinrichtung Schönow brechen. Sie versuchten, den Sterbenden eine schöne Atmosphäre zu bereiten und geben ihnen viel Zuwendung, betont sie.

Doch wie geht man mit dem Tod und dem Sterben um? „Ich gehe ganz unbedarft ran“, sagt Irmtraut Weber-Ziemke Sie beschäftige sich mit der Biografie und der Krankengeschichte des Bewohners und versuche sich auf den jeweiligen Menschen einzustellen. Und auch wenn sie versuche, eine gewisse Distanz zu bewahren und den Tod in der Einrichtung zu lassen, kommt es doch gelegentlich vor, dass sie tief berührt ist, erzählt sie. So erinnert sie sich besonders an eine Begleitung. Das Zimmer der Sterbenden war angefüllt mit Bildern und Erinnerungen, dazu kam eine sehr anrührende Biografie.

Ihr Ehrenamt hat die drei Frauen auch über ihre Zukunft nachdenken lassen. „Ich denke schon darüber nach, was passiert, wenn ich älter werde“, sagt Irmtraut Weber-Ziemke. Sie habe sich mit ihren Kindern auseinandergesetzt, was für den Fall der Fälle geregelt werden muss und was ihre Wünsche sind, sagt Christel Zillich. Und das passe doch gut zusammen, sich selbst Gedanken machen und die Angehörigen begleiten, findet sie.

Für die nächste Ausbildungsrunde werden noch Interessenten gesucht. Wer mehr erfahren will, kann sich an Dorothea Klopfer wenden, E-Mail: dorothea.klopfer@gmx.de.

 (go)