Berlin wirbt derzeit offensiv für Olympische Spiele in Berlin. Sogar das Brandenburger Tor erstrahlte für die Bewerbung; Vereine wie die Eisbären Berlin machen mit, auch der in Zehlendorf ansässige Berliner Hockey Club (BHC) verkündet auf seiner Homepage „Wir wollen die Spiele“. Doch wie stehen andere Sportvereine in Steglitz-Zehlendorf zur Olympia-Bewerbung? Wir haben bei einigen nachgefragt, drei haben geantwortet. Hier kommen ihre Statements:
Tobias Viernicke, 1.Vizepräsident, BFC Preussen: „Selbstverständlich bin ich dafür, dass die Olympischen Spiele nach Berlin kommen. Wenn die Organisation in den richtigen Händen liegt, kann eine Stadt wie Berlin nur davon profitieren. Für die Stadt ist es eine Chance, etliche vorhandene Strukturen neu zu überdenken und gegebenenfalls den neuen Erfordernissen einer wachsenden Stadt anzupassen. Sportstätten sind schon vorhanden und entsprechen den internationalen Anforderungen, andere erhalten die Chance, modernisiert zu werden. Aus meiner Sicht, auf alle Fälle eine Chance für die Stadt!“
Dr. Hartmann Kleiner, Vorsitzender des Berliner Ruder-Club (BRC): „Olympische und Paralympische Spiele sind für jeden Austragungsort Ansporn und Inspiration. Dies gilt im besonderen Maße auch für die Sportstadt Berlin. Unsere Stadt und das Umland Brandenburg bieten beste Voraussetzungen für begeisternde und zugleich nachhaltige Spiele. Natürlich will der BRC , dessen aktive Ruderer regelmäßig die deutschen Farben in der Nationalmannschaft vertreten, die Spiele in Berlin.
Eine wirkliche Nachhaltigkeit ist aber ein wichtiger Faktor, damit die Spiele auf breite Zustimmung in allen Teilen der Bevölkerung treffen, denn wir haben die allgemeine Wahrnehmung knapper öffentlicher Finanzen. Wenn an Schulen, Sportvereinen und Bibliotheken gespart werden muss, ist schwer zu vermitteln, dass Spiele kommen, die angeblich über sechs Milliarden kosten.
Das IOC insistiert auf ein Budget des jeweiligen Organisationskomitees von mindestens zweieinhalb Milliarden, mit der im wesentlichen die Organisationskosten abgedeckt werden können. Das IOC gibt dafür einen Beitrag aus den Sponsoren- und Fernseheinnahmen. Es bemisst den Betrag so, dass jeder, der vernünftig wirtschaftet, Olympische Spiele ohne wesentliche öffentliche Mittel organisieren kann. Ich bin überzeugt, dass die sportbegeisterten Einwohnern Berlins die Spiele voll unterstützen, wenn sie in einem angemessenen Kostenrahmen bleiben, dann fantastische Spiele organisieren werden und somit der olympischen Idee neue Impulse geben können.“
Karl-Heinz Flucke Abteilungsleiter Leichtathletik beim TuS Lichterfelde in der LG Süd Berlin: „Der TuS Lichterfelde von 1887 e.V. unterstützt natürlich die Olympiabewerbung und erhofft sich, dass dadurch die Trainingsstätten, unter anderem das Stadion Lichterfelde, das bereits 1936 als Vorbereitungsstätte für die Olympischen Spiele galt, insbesondere durch Rekonstruktionsmaßnahmen auch für die Paraolympischen Spiele auf den neuesten Stand gebracht werden, da oft Vorschläge und Anregungen an die Kommunalpolitik und das Sportamt in den Schubladen versanden. (…) Als Leichtathleten unterstützen wir besonders die Kernsportart Leichtathletik, für die wir uns im Bezirk immer stark machen. Um dort auch weiter zu expandieren, fehlen uns geeignete Sportstätten. (…) Vielleicht gelingt es uns im Süden durch den Zuschlag für Olympia weitere wettkampfgerechte Sportstätten zu erhalten. Aus den Reihe der LG Süd Berlin gehen auch einige Olympiateilnehmer hervor, der frühere Kugelstoßer Ralf Reichenbach (Teilnahme 1972) und die Langstrecken- und Marathonläuferin Kerstin Pressler (Teilnahme 1988 und 1992). Vielleicht gelingt es den Leichtathleten der LG Süd Berlin bis 2028 einen weiteren Aktiven für dieses große Event hervorzubringen, was heutzutage kaum ohne entsprechende Unterstützung der Wirtschaft gelingt.“
Übrigens beschäftigen sich derzeit auch die Steglitz-Zehlendorfer Bezirksverordneten mit dem Thema Olympische Spiele in Berlin. Derzeit wird über einen Antrag der Piraten-Fraktion beraten, in dem das Bezirksamt aufgefordert wird, sich dafür einzusetzen, dass vor einer Olympia-Bewerbung die Turn- und Sporthallen im Bezirk saniert und in einen vernünftigen Zustand versetzt werden. „Schulsporthallen im Bezirk sind zurzeit – zum Teil schon seit Jahren – gesperrt. Spitzensportler, die an Olympischen Spielen teilnehmen können, fallen nicht vom Himmel. Voraussetzung für Spitzensport ist der Schul- und Vereinssport. Dem müssen wir mindestens die baulichen Grundlagen zur Verfügung stellen. Es ist zynisch, wenn sich Berlin um Olympia bewirbt, während gleichzeitig Berliner Schulkinder an ihrer Schule keinen Sportunterricht wahrnehmen können, besonders in einem relativ wohlhabenden Bezirk wie Steglitz-Zehlendorf“, begründet die Fraktion ihren Antrag.
Umfrage:
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(go)










Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (