Vortrag "Gegenwartsfilme der DEFA und die Zensurpolitik in der DDR" / Film "Jahrgang 45"


10. September 2026

Der Historiker Andreas Kötzing spricht unter dem Titel "Realer Sozialismus statt Sozialistischer Realismus?" über Gegenwartsfilme der DEFA und die Zensurpolitik in der DDR. Im Anschluss wird einer der verbotenen Filme gezeigt, und zwar der DEFA-Spielfilm "Jahrgang 45".

Im Rahmen der diesjährigen SAPMO-Vortragsreihe unter dem Oberthema "Kunst und Kultur in der DDR" und anlässlich des 80jährigen Jubiläums der Gründung der DEFA wendet sich der Abend einem besonders spannenden Aspekt des DEFA-Filmschaffens zu, nämlich der politisch-ideologischen Einflussnahme auf die Filmproduktion in der DDR. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie weit sich die filmische Darstellung der sozialistischen Gegenwart den Tatsachen annähern durfte. Der Zwiespalt zwischen den Erwartungen der Partei (Sozialistischer Realismus) und dem Erfahrungshorizont des Publikums (realer Sozialismus) stellte die Filmemacher vor große Herausforderungen. Wie realistisch ließ sich der Alltag darstellen, ohne die Gefahr eines Verbots zu riskieren? Welche Handlungsspielräume existierten bei der Umsetzung gesellschaftskritischer Themen? Ausgehend von den Verbotsfilmen von 1965/66 beleuchtet der Referent dieses Spannungsfeld anhand verschiedener - auch späterer - Filmbeispiele.

Der Historiker und Kulturwissenschaftler Dr. Andreas Kötzing ist ein ausgewiesener Experte für die Film- und Mediengeschichte insbesondere der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hannah-Arendt-Institut in Dresden sowie als Lehrbeauftragter an der Universität Leipzig.

Im Anschluss an den Vortrag wird im Rahmen der Bundesarchiv-Filmreihe "Lichterfilme" der DEFA-Spielfilm „Jahrgang 45“ (1966, 97 min, Regie: Jürgen Böttcher) gezeigt. Mit ungewöhnlichen filmischen Mitteln erzählt der Film von den Beziehungsproblemen eines jungen Ehepaars in der DDR der 1960er-Jahre. Vor dem Hintergrund des XI. Plenums des ZK der SED und nach scharfer Kritik der für die Freigabe zuständigen Hauptverwaltung Film im Ministerium für Kultur blieb der Film 1966 als Rohfassung in den Magazinen. Erst 1990 wurde er fertiggestellt und feierte am 11. Oktober 1990 im Berliner Kino Babylon seine Uraufführung.

Vor der Veranstaltung wird eine einstündige öffentliche Führung durch das Bundesarchiv angeboten, um Interessierten die Liegenschaft, ihre Ausstellungen, die Benutzungsmöglichkeiten und den professionellen Umgang mit historischen Quellen im Archiv nahezubringen (Beginn: 16:45 Uhr).

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