Seit ein paar Tage ist es sicher: „Sicher essen in Berlin“ bleibt. Unter dem Motto „Alles sauber, also rein“ können sich Berliner auf der Homepage der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz informieren, wie es um die Hygiene in ihrem Lieblingsrestaurant bestellt ist.
Auch 170 Restaurants, Gaststätten und „Schankwirtschaften“ aus dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf sind in der Liste zu finden. Die gute Nachricht: Mehr als die Hälfte schneidet mit den Noten „sehr gut“ und „gut“ ab.
Zwölf Mal vergab das Ordnungsamt die Note „sehr gut“ – vom schicken Restaurant „S-Gut“ über drei Fastfood-Filialen und der „Bahnhofsklause“ bis hin zum Internetcafé „Shop 24“.
Ganze 87 Mal wurde die Note „gut“ vergeben – Unternehmen mit kleineren Mängeln, für die es 1 bis 19 Minuspunkte gab, gehören in diese Kategorie. Bei ihnen kann man auch sehen, dass sich was tut. Bei vielen der „gut“-bewerteten Gaststätten ist das vorherige Untersuchungsergebnis mitveröffentlicht. Einige der Häuser legten innerhalb kurzer Zeit nach, verbesserten sich von „zufriedenstellend“ auf „gut“, wie der „Kronprinz“ (von 30 auf 12 Minuspunkte) oder „Aikiko Sushi“ (von 44 auf 19 Minuspunkte). Doch kein anderer konnte sich so verbessern wie die Gastronomie im „Preussenpark“: von 54 Minuspunkte („ausreichend“) auf drei innerhalb von zwei Tagen (23. bis 25. April 2012).
Ein Fall von „dumm gelaufen“, erklärt Jeannette Allen vom Preussenpark diesen „Quantensprung“. Am Abend vor dem unverhofften Besuch des Ordnungsamtes habe es eine „Riesenveranstaltung“ in der Gaststätte gegeben. Nachts um 2 Uhr habe da niemand mehr aufgeräumt. „Die Küche sah dementsprechend aus“, erklärt Allen. Hinzu kamen Wasserschäden, verursacht von der Sportanlage. „Mit der Hygiene gab es keine Probleme“, betont sie. Um die Wasserschäden zu beseitigen, wurde der Pinsel geschwungen. Zwei Tage später schaute das Ordnungsamt noch einmal vorbei und bestätigte das gute Ergebnis früherer Kontrollen.
Doch es geht auch umgekehrt. Etwa bei „Nem Hoi“, das sich vom Urteil „zufriedenstellend“ (32 Minuspunkte) im April 2012 auf „ausreichend“ (45 Minuspunkte) im Juli verschlechterte. Insgesamt sind es 70 gastronomische Betriebe, die mit „zufriedenstellend“ (61) oder „ausreichend“ (9) bewertet wurden. Einem wurde sogar bescheinigt, dass die Hygiene „nicht ausreichend“ sei. Das „Feinkost Dahlem“ ist mittlerweile verkauft und wird vom neuen Besitzer derzeit umgebaut.
In das Prüfergebnis fließen mehrere Kriterien ein, so, ob die lebensmittelrechtlichen Bestimmungen eingehalten werden, sich die Lieferwege der Lebensmittel zurückverfolgen lassen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschult sind, die Hygienevorschriften eingehalten werden und wie die betriebliche Eigenkontrolle funktioniert. Weiterhin wird kontrolliert, ob Lebensmittel richtig gelagert und entsprechend gekühlt werden, wie der bauliche Zustand ist, ob vorschriftsmäßig gereinigt und desinfiziert wird und nicht zuletzt, ob mögliche Schädlinge richtig bekämpft werden. Bei Mängeln werden Minuspunkte verteilt, bis zu 80 können vergeben werden.
(go)










Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (