
Auch dem ehemaligen Grenzübergang Dreilinden will sich das Regionalmanagement annehmen. Ein „Für die kurze Zeit haben sie viel erreicht. Eingangstor nach berlin soll es werden. Foto: Gogol
Am 1. Oktober 2012 nahm das Regionalmanagement Berlin Südwest seine Arbeit auf. Die Aufgaben sind groß: die Marke „Berlin Südwest“ entwickeln, das Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) an der Fabeckstraße voranbringen und für die Dahlemer Museen sowie das AlliiertenMuseum, die den Bezirk verlassen wollen, Nachnutzungskonzepte zu entwickeln. Drei Jahre lang hat das Regionalmanagement dafür Zeit. 13 Monate davon sind vorbei – und was ist passiert? „Wir haben eine Reihe wichtiger Entscheidungen angeschoben“, sagt Dr. Reinhard Baumgarten, Projektleiter des Regionalmanagements.
Das wichtigste Projekt ist das TGZ. „Da warten wir interessiert, was der Hauptausschuss beschließt“, so Baumgarten, der Wirtschafssenatorin Cornelia Yzer, den Bezirk Steglitz-Zehlendorf und vor allem CDU und Grüne hinter sich weiß. Der Bezirk schaffe die planungsrechtlichen Voraussetzungen, der Senat ändere den Flächennutzungsplan. Jetzt hänge alles nur noch vom Finanzsenator ab, der das auserkorene Grundstück lieber verkaufen möchte. „Ich bin von Natur aus optimistisch und denke, dass es noch dieses Jahr beschlossen wird.“
Auch bei der Entwicklung des Leitbilds und der Dachmarke Südwest sei man gut vorangekommen. Die Leitbildschwerpunkte sind, die hohe Lebens- und Wohnqualität zu erhalten, international renommierten Wissenschaftskapazitäten auszubauen, der Bezirk soll sich als Standort für mittelständische und innovative Wirtschaft profilieren und seine touristischen Potenziale weiterentwickeln. Dies fließt zusammen in der Dachmarke „Zukunftsregion Südwest“. Dazu wurde ein Logo entwickelt, das zukünftig auch die Homepage des Bezirksamts sowie Briefköpfe offizieller Schreiben zieren soll. Doch nicht alle im zugehörigen Beirat überzeugt das Logo, es sei „verschwendetes Geld“, sagt ein Mitglied, das ungenannt bleiben möchte. Baumgarten gibt zu, dass es lange Diskussionen um das Logo gegeben habe, um die Farbe und ob nicht noch die Glienicker Brücke integriert werden solle, doch ein Logo „muss in gewisser Weise auch neutral sein“, findet er. Aber die Diskussion wird weitergehen, verspricht er.
„Ein großer Verlust für den Bezirk“
Auch bei den Museen gehe es langsam voran. „Die Phase der Stagnation ist vorbei“, so Baumgarten, zumindest was die Dahlemer Museen betrifft. So habe es mittlerweile Gespräche zwischen dem Bezirksbürgermeister und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gegeben, wie es mit den Gebäuden nach dem Umzug 2019 weitergehen soll. Wie genau die Zukunft aussehen kann, sei offen. „Ob sie im kulturellen, im wissenschaftlichen oder in einem anderen Bereich liegt, wissen wir nicht.“ Baumgarten kann sich einen Ort vorstellen, an dem Wissenschaft erlebbar gemacht wird. Sicher ist nur, dass die Stiftung in der Verantwortung stehe, auch in der finanziellen.
Es ist ein sehr großer Verlust für den Bezirk“ sagt Baumgarten zum Wegzug der Museen. Gleichzeitig kritisiert er aber auch die Bestrebungen, Kultur im Zentrum Berlins zu bündeln, weil zu wenige Besucher in die Außenbezirke kommen. „Touristen finden jeden Ort, man muss ihn nur interessant machen“. Das gleiche gelte für ihn für das AlliiertenMuseum. Man habe versucht, es zu halten, doch die Museumsleiterin ziehe es nach Tempelhof. Nun gelte es herauszufinden, was der Bezirk an dieser Stelle wollen könnte. Eine Art Außenstelle zum TGZ? Studentenwohnheime? Vieles sei möglich. Nur hochwertigen Wohnungsbau möchte das Regionalmanagement dort nicht sehen, erklärt Baumgarten.
Auch neue Themen sind im Laufe der 13 Monate hinzugekommen, wie das Kulturerbe Glienicke. Der Sanierungsbedarf sei groß, ein Besucherzentrum dringend notwendig. Darum wolle man sich kümmern. Hinzu kommt der Standort Goerzalle/Am Stichkanal . Dort wolle man größere Flächen für innovative mittelständische Unternehmen gewinnen, den Grenzübergang Dreilinden würde Baumgarten gern zu einem attraktiven Haupteingang gestalten, analog zum Checkpoint Charlie, und Heckeshorn könne er sich gut als einen Standort für eine Fünf-Sterne-Medizin vorstellen. Dafür müssten Partner gefunden werden.
Auch Bürgermeister Norbert Kopp (CDU) ist zufrieden mit den bisher Erreichten. Er lobt das Engagement der drei Kollegen. Vor allem beim TGZ sei er dankbar für die Unterstützung. „Für die kurze Zeit haben sie viel erreicht.“
„Ostwind“ fehlt
Während Baumgarten und Kopp zufrieden mit dem sind, was das Regionalmanagement erreicht hat, gibt es aber auch Kritik. Man schaue zu wenig über den Tellerrand, sagt ein Kritiker. Teltow, Stahnsdorf und Kleinmachnow würden zu wenig in den Planungen berücksichtigt, dabei würde ein „bisschen Ostwind nach Südwest“ nicht so schlecht sein. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass es zu enge Verbindungen zum Verein Südwest gebe, dem Baumgarten vorsaß bevor er die Projektleitung beim Regionalmanagement übernahm. Auch ginge der kulturelle Bereich zu sehr unter, Chancen würden vertan. Kritik werde nicht gern gesehen. Zudem sei das Regionalmanagement am Gründerinnen- und Unternehmerinnenzentrum zu desinteressiert.
Doch die Vorwürfe weist Baumgarten zurück. Man orientiere sich sehr wohl in Richtung Umland, führe Gespräche mit der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB). Zum Life-Sciene-Day hatte man den Geschäftsführer der ZAB eingeladen. Dass es vielfältige Kontakte nach Teltow, Stahnsdorf und Kleinmachnow gebe, betont auch der Bezirksbürgermeister. Baumgarten sei aufgeschlossen für eine Öffnung dorthin. Er sei es auch gewesen, der den Namen „Südwest“ gewählt habe, um nicht an den Bezirksgrenzen zu kleben.
Man entwickle sich weiter in Richtung Kultur und Tourismus, betont Baumgarten. Er verweist auf Glienicke, um zu zeigen, dass er offen sei für Anregungen von außen, denn das sei von Anwohnern an sie herangetragen worden. Zum Unternehmerinnenzentrum sagt Baumgarten, dass man auf die Grundsatzentscheidung zum TGZ warte. Dort seien auch innovative Gründerinnen willkommen.
Auch Kopp kann die Kritik nicht verstehen. Etwa die am Logo. Das sei eben Geschmackssache. Einen Vorwurf, dass nicht immer ganz klar sei, was mit dem Geld passiere, sei ihm neu, sagte Kopp. Wenn es Kritik gebe, dann könne man sich auch ihn wenden, schließlich agiere das Regionalmanagement nicht losgelöst vom Bezirk.
(go)










Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (
Das Regionalmanagement ist ein wunderschönes Beispiel, wie unsere Steuergelder völlig sinnlos verschleudert werden. Die drei Herren, die in den drei Jahren Projektlaufzeit insgesamt 750.000 Euro(!) verbrauchen werden, haben es bisher nicht einmal geschafft einen gescheiten Projektplan vorzulegen, aus dem die einzelnen Meilensteine ihres Projekts ersichtlich würden. Und der Bürgermeister mahnt das Fehlen eines Projektplans nicht mal an, weil er das ja schon beim gescheiterten Millionendesaster SARAZENU auch nicht gemacht hat! Vielleicht sollte man bereits jetzt den Rechnungshof auf dieses nächste Desaster hinweisen, denn der Output der drei Herren ist bisher mehr als kläglich:
1. Man hat ein neues Logo für die Region entworfen (kostet bei einem guten Design-Büro maximal 15.000 Euro)
2. Man hat eine eigene Internetseite eingerichtet (macht man heute z.B. als Bürgerinitiative nebenbei)
3. Man hat sich an den Planungen für den Life-Science-Day an der FU beteiligt.
4. Man ist einmal mit der Wirtschaftssenatorin im selbstfahrenden Auto der FU durch den Bezirk kutschiert.
5. Man hat eine nicht repräsentative Umfrage unter Wirtschaftstreibenden im Bezirk gemacht (140 von mehr als 13.000 Unternehmern befragt).
6. Man hat eine siebzehnseitige Studienarbeit eines TU-Studenten zum Thema „Spin-Offs in Berlin-Südwest“ betreut.
Und alles Schönreden des Herrn Baumgarten, der als (damals ehrenamtlicher) Vorsitzender des Vereins Südwest nichts anderes getan hat, als die o.g. Steuermittel für sich und seine beiden Mitstreiter zu akquirieren, täuscht nicht darüber hinweg: Hier wird eine dreiviertel Million Steuergeld verbrannt, die an anderer Stelle dringender benötigt wird, z.B.für die Sanierung der maroden Infrastruktur des Bezirks (Schulen, Sportstätten, Gehwege, Straßen, etc.).