
Am Beeskowdamm protestierten am Mittwoch Mitarbeiter der TE Connectivity gegen die Schließung ihres Standortes. Foto: IG Metall
Gegen die Schließung des ehemaligen Krone-Werks in Zehlendorf durch den Telekomausrüster TE Connectivity gingen am Mittwoch 150 Angestellte auf die Straße. Unterstützt wurden sie dabei von der Industriegewerkschaft IG Metall. „Betriebsrat, Beschäftigte und an ihrer Seite die IG Metall nehmen es nicht hin, dass ein internationaler Konzern kaltschnäuzig den Standort schließen will“, sagte Klaus Abel, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Berlin. Nach seinen Angaben sollen noch vor Weihnachten 230 Mitarbeiter ihre Kündigung erhalten, darunter auch 25 Menschen mit Behinderung, die am Standort Beeskowdamm im Rahmen einer ausgelagerten Werkstatt der Berliner Behindertenwerkstätten (BWB) einen Arbeitsplatz hatte.
Michael Wojtkowiak, Betriebsratsvorsitzender von TE Connectivity, sagte, es gebe Alternativen zur Schließung. „Wir fordern vom TE-Konzern eine umfassende Information, welche Möglichkeiten bestehen, um den Standort zu erhalten.“
Das Unternehmen für Telefonanschlusstechnik wurde 1928 von Gustav Krone gegründet. In den 1980er Jahren hatte das Unternehmen in Deutschland rund 2.000 Beschäftigte. Weltweit waren rund 4.500 Mitarbeiter in 29 Firmen-Gesellschaften und bei 80 Vertriebspartnern in verschiedenen Ländern beschäftigt. In den 1990er Jahren begann der Abstieg des Unternehmens. Seit 1996 wurde es viermal verkauft, zuletzt 2010 an TE Connectivity Ltd.
(sn)










Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Das Erinnerungsprojekt „Sie wollten leben!“ macht 100 jüdische Menschen und ihre Lebensgeschichten auf Litfaßsäulen sichtbar. Einer der 25 Rundtürme steht in der Schloßstraße.
Die Litfaßsäulen sind so etwas wie die Überlebenden der Medienumbrüche. 1854, also vor 172 Jahren, stellte der Zeitungsverleger Ernst Litfaß die erste Säule auf, zehntausende folgten in den kommenden Jahrzehnten allein in Deutschland. Damals wie heute haben die zweieinhalb bis dreieinhalb Meter hohen Türme den Zweck, Informationen und Botschaften zu verbreiten. Und wie sich heute in den Timelines der digitalen Netzwerke der Zustand einer Gesellschaft ablesen lässt, präsentier(t)en auch die Litfaßsäulen den Geist ihrer Zeit.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
1933 platzierten die Nationalsozialisten den Aufruf „Deutsche, verteidigt Euch gegen die jüdische Greuelpropaganda, kauft nur bei Deutschen!“ auf den runden Säulen. Die Aufforderung wurde von einer in weiten Teilen angepassten bis antisemitischen Bevölkerung antizipiert, welche die Vorbereitung eines bis dahin unvorstellbaren Massenmordes mehrheitlich teilnahmslos hinnahm. Einige Jahre später wurden die ersten Juden Berlin zwangsweise in Richtung der Arbeits- und Vernichtungslager verbracht.
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder in die von deutschen Truppen besetzte polnische Stadt Łódź, in das Ghetto Litzmannstadt, verschleppt.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert.
Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Insgesamt wurden aus Berlin mindestens 55.000 Jüdinnen und Juden deportiert und ermordet.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bis zum 16. November erinnern 25 großflächig gestaltete Litfaßsäulen in allen Berliner Bezirken an den Beginn der Deportationen jüdischer Menschen vor 85 Jahren. Das Projekt soll den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung ein Gesicht geben und macht ihre persönlichen Geschichten mit Biografieauszügen und Fotografien im Berliner Stadtraum sichtbar.
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Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Eine der so gestalteten Säulen steht in der Hubertusstraße, Ecke Schloßstraße. Neben den allgemeinen Informationen zum Projekt und dem Gedenktag zeigen die Plakate die Schicksale dreier Personen. Der Jurist Heinrich Veit Simon, Vorstand der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, wurde 1942 im Verhör von der Gestapo erschlagen. Drei der sechs Kinder wurden nach Theresienstadt deportiert, eine Tochter überlebte. An Simon erinnert ein
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Lucie Charlotte Hulda Gerson (
Foto: Daniela von Treuenfels[/caption]
Bianka Löwenherz (