Aus dem Hindenburgdamm machte die Linke am Mittwoch den Gretel-Bergmann-Damm. Foto: Sebastian Koch

Für kurze Zeit wurde aus dem Hindenburgdamm in Steglitz am Mittwoch der „Gretel-Bergmann-Damm“. Die Linke nannte die Straße symbolisch um. „Wir greifen damit einerseits die Debatte um die Ehrenbürgerschaft Paul von Hindenburgs auf und verbinden diese andererseits mit der Diskussion um mögliche Olympische Spiele in Berlin. 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs ist es überfällig, den Militaristen Hindenburg von der Ehrenbürgerliste Berlins zu streichen. Wir wollen ein deutliches Zeichen gegen Militarismus, Nationalismus und Antisemitismus setzen. In Dortmund, München und Leipzig wurde ihm die Ehrenbürgerschaft bereits entzogen“, erklärt Katina Schubert, Landesgeschäftsführerin Die Linke  Berlin.

Für Franziska Brychcy, Linke-Bezirksvorsitzende in Steglitz-Zehlendorf, ist die Aktion auch Auftakt, um das Gespräch mit anderen Parteien im Bezirk zu suchen und zu prüfen, ob es ein Bündnis für eine Umbenennung der Straße geben kann, so wie bei der Treitschkestraße. Dort hatten unter anderem Linke, SPD, Grüne und Piraten gemeinsam für eine Umbenennung geworben.

Wichtig sei es, die Diskussion anzustoßen, findet Brychcy, denn die Argumente, die einst dazu führten, dass einige Straßen ihren Namen erhielten, würden heute nicht mehr gelten – vor allem, wenn dahinter menschenverachtende Ideologien stünden, so die Bezirksvorsitzende. Eine Straße umzubenennen sei ein politisches Statement.

Gretel Bergmann, die die Linke für die symbolische Umbenennung ausgewählt hatte, ist eine deutsche Hochspringerin, die 1936 in Stuttgart den damaligen deutschen Rekord von 1,60 Meter einstellte. Damit gelang ihr der Sprung an die Weltspitze. Dennoch wurde sie wegen ihrer jüdischen Herkunft von den Nazis daran gehindert, an den Olympischen Spielen 1936 in Berlin teilzunehmen. 1937 musste sie Deutschland für immer verlassen.

Bei einer wirklichen Umbenennung des Hindenburgdamms käme Bergmann wahrscheinlich weniger infrage, doch eine Frau sollte es schon sein, findet Brychcy.

Neben der Linken nahmen auch Mitglieder des ver.di-Landesbezirksvorstands, der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten, der Berliner Jusos, der Linksjugend [’solid] Berlin und des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus an der Aktion teil.

Der Hindenburgdamm ist nicht die einzige Straße mit umstrittenen Namensgebern in Steglitz-Zehlendorf. Sollen die alle umbenannt werden? Man könne doch mit dem Hindenburgdamm einen solchen Prozess beginnen, findet Brychcy.